Reise RHEINPFALZ Plus Artikel Skifahren abseits des Trubels – in Radstadt ist das möglich

Das Dachsteinmassiv und die Hohen Tauern sprechen eher Familien als Speed-Junkies an.
Das Dachsteinmassiv und die Hohen Tauern sprechen eher Familien als Speed-Junkies an.

Während andere Wintersportorte von Touristen überrannt werden, bleibt ein Tal im Salzburger Land beschaulich und setzt auf urige Hütten statt auf Massen.

Von Gerald Penzl

Österreich hat weltbekannte Skiorte. Sankt Anton, Ischgl, Kitzbühel, Sölden – die Liste ist lang, sehr lang. Radstadt gehört nicht dazu. „Und das ist gut so“, sagt Hans-Peter Kaar, der Präsident des Skiclubs Radstadt. Denn sein Ort und die beiden Nachbarn Altenmarkt und Zauchensee setzen nicht auf Masse und Trubel, sondern auf entspanntes Skifahren und Einkehren für Jung und Alt. „Schon 1910“, so erzählt der 61-jährige Kaar in der Bergstation der Hochbifangbahn, „hoben sechs winterbegeisterte Radstädter unseren Club aus der Taufe. Es ging um sportliche Betätigung, sozialen Kontakt und vor allem um Spaß. Heute sind wir der drittgrößte Skiclub im Bundesland Salzburg, mit zahlreichen Ex-Profis und ehemaligen Weltmeistern.“

Darunter sind viele aus dem benachbarten Altenmarkt. „Passt scho!“, schmunzelt der Skiclubchef mit Blick auf die Pisten der Skischaukel Radstadt-Altenmarkt. Neben der Hochbifangbahn erschließen drei weitere Bahnen die Kemahdhöhe. Mit 1577 Metern ist der Berg zwar kein Riese, doch die 18 Kilometer Pisten sind gut präpariert und bieten urige Hütten und beste Aussichten aufs Dachsteinmassiv und die Hohen Tauern. Auch sei die Kemahdhöhe ein echtes Schneeloch, so Kaar:„Wenn in den Nachbartälern bereits der Schnee schmilzt, heißt es bei uns immer noch Ski und Snowboard gut.“

Probeschießen beim Biathlon

Auch Langläufer und Schneeschuhwanderer kommen rund um die Kemahdhöhe auf ihre Kosten. „Etwa ein Viertel unserer Alpinskigäste wechselt für ein bis zwei Tage von der Piste auf die Loipe“, sagt Roland Loipold. Der 66-Jährige ist Langlauf- und Biathlontrainer. Neben Kursen in klassischem Stil und Skating vermittelt er auch die Grundlagen des Biathlon. „Kaum eine Sportart“, erklärt er im Langlaufzentrum Rosnerfeld, „vereint körperliche Höchstleistung mit mentaler Präzision so wie diese.“ Nach der Belastung in der Loipe steht der Sportler mit hohem Puls am Schießstand. Und soll stehend in weniger als 30 Sekunden fünf nur elf Zentimeter große Scheiben aus 50 Meter Entfernung treffen. „Das ist Körperbeherrschung auf höchstem Niveau“, sagt er und zeigt auf seinen Schießstand. Dort können die Teilnehmer mit CO2-Wettkampfwaffen auf verkürzter Distanz selbst erfahren, wie schwer Atemfrequenz, Herzschlag und Abzugsfinger in Einklang zu bringen sind.

Radstadt ist ein hübsches 5000-Einwohner-Städtchen mit mittelalterlichem Kern, engen Sträßchen, wuchtigen Mauern und hohen Wehrtürmen. Die sollten die Menschen im Mittelalter nicht nur vor Hexen, Perchten und bösen Geistern schützen, sondern auch die Salzburger Erzbischöfe vor den Expansionsgelüsten der Habsburger Krone bewahren. Die frommen Kirchenfürsten dankten mit dem Stadtrecht und der Lizenz zum kostenfreien Holzschlag.

Fortan konnten die Radstädter nach Herzenslust die Axt an den Baumbestand ihres 1768 Meter hohen Hausbergs Rossbrand legen. Während Radstadt militärische Gene in seiner DNA hat, präsentiert sich Altenmarkt als bilderbuchschönes, offen in die Landschaft gebettetes Alpendorf. Holz, bunt bemalte Fassaden und eine gotische Zwiebelturmkirche setzen Akzente. Hinzu kommen Einkaufsmöglichkeiten und die weitläufige Sauna- und Wasserwelt der Therme Amadé.

Hotels und Skischulen setzen auf Familien

Der dritte Ort im Brettl-Verbund ist Zauchensee. Über Jahrhunderte war dieses Irgendwo im Salzburger Nirgendwo ein kleiner Weiler mit einer Handvoll Almhütten und Viehställen. Getreu dem Motto: „Kassa leer, Herzerl schwer“ vermieteten ein paar geschäftstüchtige Bauern bereits in den 1930er-Jahren im Winter ihre unbenutzten Hütten. Damit waren die Weichen für die Gründung der Liftgesellschaft Zauchensee gestellt. Zusammen mit einem Banker und einem Forstunternehmer – der sich mit seilgestützten Transportsystemen bestens auskannte – begann eine risikofreudige Unternehmerschaft Mitte der 1960er-Jahre mit dem Bauen.

Aus zwei Schleppliften, einem Gasthof und der Verbreiterung der Straße nach Altenmarkt entwickelte sich in den Folgejahrzehnten ein Ski-Juwel, das heute zu den nobelsten Adressen der Salzburger Wintersportdestinationen zählt. Zwar ist das 1350 Meter hoch gelegene Zauchensee kein historisch gewachsener Ort, aber die klare Architektur seiner Hotels passt perfekt zur Kulisse der umliegenden Zweitausender. Skischulen und Hoteliers setzen auf Familien, nehmen den Eltern die Kids ab und bespaßen sie wintersportgerecht. Derweil können sich Papa und Mama auf den 44 Kilometer langen, in der Regel sportlich-roten Pisten vergnügen.

„Wem das nicht reicht“, sagt Michi Haym auf der Sonnenterrasse seiner 1890 Meter hoch gelegenen Rauchkopfhütte bei hausgemachtem Apfelstrudel, „der nimmt die Highliner-Abfahrt, steigt an der Talstation in den Transferbus und ist fünf Minuten später im Skigebiet Flachauwinkl-Kleinarl. Dort warten nochmals 40 Kilometer.“ „Aber“, weiß der Hüttenwirt, „Zauchensee hat die anspruchsvolleren Hänge.“ Das beweist nicht nur die Weltcup-Damen-Abfahrt am Gamskogel, sondern auch das Skimaterial vor Michis Sonnenterrasse. „Die meisten foan Oanser-Brettln“, sagt der Wirt schmunzelnd und meint damit jene Premium-Bretter, die Weltcup- und Olympiasieger bei den Klängen der Nationalhymne nur allzu gerne in die Kameras zu halten pflegen.

Trainieren wie die Profis

Startnummern gibt es dort übrigens auch für Otto- und Ottilie-Normalfahrer. Die entsprechende „Rennstrecke“ trägt den Namen „12 Peaks Trophy“, Start ist an der Bergstation der Zauchensee Tauernkar-Bahn, Ziel nach 12 Berggipfeln, 46 Kilometer Piste und 10.000 Höhenmetern die Bergstation der Strassalm in St. Johann/Alpendorf. Wer die Strecke an einem Tag schafft, gewinnt zwar kein Gold und sammelt keine Weltcuppunkte, darf sich aber – Ehre wem Ehre gebührt – den Beweis seines Könnens in Form eines Stickers auf den Skihelm kleben.

Okay, liebe Skigemeinde, dann mal los! Wecker stellen, Zähne zusammenbeißen und ab auf den Berg. Aber bitte nicht mit ausgenudelten – wie es hinter vorgehaltener Hand hier respektlos heißt – „Deppen-Brettln“.

Salzburger Land

Anreise
Mit der Deutschen Bahn bis Salzburg, www.bahn.de, weiter mit den Österreichischen Bundesbahnen, www.oebb.at, nach Radstadt beziehungsweise Altenmarkt.

Unterkunft
Sporthotel Radstadt, 4-Sterne, Hallenbad und Sauna, Skigebietstransfer, Doppelzimmer mit Halbpension ab 240 Euro, www.sporthotel-radstadt.com.
Gut Weissenhof, familiengeführtes 4-Sterne Superior-Haus mit Spa, Schwimmbad, Kinderprogramm. Doppelzimmer ab 394 Euro mit Verwöhnpension, www.weissenhof.at.
Hotel Gasthof Brüggler, 3-Sterne, Vegan-Restaurant, Sauna, Doppelzimmer/Frühstück ab 150 Euro, www.hotelbrueggler.at
Familienhotel Zauchenseehof, Kinderprogramm, zwei Saunabereiche, Skikeller, Doppelzimmer/Halbpension ab 300 Euro, www.zauchenseehof.com.

Aktivitäten
Der Verbund von Ski amadé umfasst 270 Lifte, 25 Orte und 760 Kilometer Piste. 5-Tageskarte: 377 Euro, bei Frühbuchung ab 320,50 Euro, www.skiamade.com.
Erlebnis-Therme amadé: Tageskarte 46,50, ermäßigt 34 Euro,
www.thermeamade.at.
12 Peaks Trophy: www.12peakstrophy.com.
AllgemeinRadstadt Tourismus, www.radstadt.com.
Altenmarkt-Zauchensee Tourismus, www.altenmarkt-zauchensee.at.
Salzburger Land Tourismus, www.salzburgerland.com/de/.

Info

Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.

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