1. FC Kaiserslautern
Schwacher Auftritt und 0:1 gegen Dynamo Dresden: Die FCK-Krise spitzt sich zu
Während die Dresdner Profis mit ihren entfesselten Fans einen wichtigen Schritt zum Klassenerhalt feierten, schlug den Spielern des 1. FC Kaiserslautern bei ihrem schleppenden Gang in die Gästekurve eine Mischung aus Pfiffen, Apathie und Wut entgegen. Das 0:1 (0:0) am Samstag bei Dynamo Dresden war nicht nur die dritte Niederlage gegen ein Team aus dem Tabellenkeller in Folge (mit insgesamt 0:6 Toren!), es untermauerte vor allem den besorgniserregenden Eindruck der vergangenen Wochen: Die Lauterer sind gerade dabei, die letzten Spiele dieser Saison auf bedenkliche Art und Weise komplett abzuschenken. „Wir wollen die Saison nicht wegschmeißen. Es ist eine gewisse Gefahr da und auch eine gewisse Unzufriedenheit“, sagte Torhüter Julian Krahl, wieder der beste Lauterer auf dem Platz.
Ein Treffer von Vincent Vermeij (68.) reichte Dynamo zu einem völlig verdienten Heimsieg, der FCK präsentierte sich nach dem Tiefpunkt beim 0:2 gegen Braunschweig zwar in der Defensive ein bisschen stabiler, ließ mit dem Ball allerdings weiterhin alle Wünsche offen. Die Krise am Betzenberg spitzt sich zu. Die Debatte, ob Torsten Lieberknecht weiter der richtige Trainer für diese Mannschaft ist, wird mit solchen leblosen Auftritten sicher nicht verstummen.
Schwerer Kopf, schwere Beine
Der FCK-Coach wirkte in der Pressekonferenz nach dem Spiel angesichts der sich zuspitzenden Kritik an ihm und seiner Mannschaft mitgenommen. „Wir haben momentan keine einfache Situation. Wir haben uns die Leichtigkeit genommen und Dinge, wie mit Freude in ein Spiel zu gehen. Wir können die Power nicht entwickeln“, sagte Lieberknecht. „Der Kopf und die Beine wirken schwer momentan.“
Vor allem beim Blick auf die Bank realisierte sich die kurzfristige Lauterer Personalmisere – unter anderem debütierten die Talente Ben Jungfleisch (17) und David Schramm (19) bei ihren Einwechslungen in der zweiten Halbzeit, ein Platz im Aufgebot blieb sogar gänzlich unbesetzt. Allerdings fehlten beim FCK in Naatan Skyttä (Infekt) und Mika Haas (Rückenprobleme) auch nur zwei etatmäßige Stammspieler.
Immerhin eine Bestmarke: 15 Gelbe Karten
Der FCK war in den ersten 45 Minuten darum bemüht, nach den beiden ernüchternden Niederlagen in Kiel (0:3) und gegen Braunschweig erst einmal in eine Form von Stabilität zurückzufinden. Das gelang in der stimmungsvollen Dresdner Arena nur bedingt, der Gesamteindruck litt unter unübersehbaren Defiziten im Offensivspiel. Dynamo dominierte die erste Halbzeit, verzeichnete 10:1 Torschüsse, wurde neben etlichen Halbchancen allerdings nur ein einziges Mal richtig gefährlich: FCK-Keeper Julian Krahl parierte gegen den durchgestarteten Bob Bobzien glänzend (38.). Mit dem Flügelstürmer aus der Mainzer Jugend hatten Luca Sirch und Paul Joly auf der rechten Abwehrseite generell gewaltige Probleme. Auf der anderen Seite taten sich die Pfälzer extrem schwer, selbst vernünftige Gelegenheiten zu erarbeiten. Joly bediente einmal Berisha, der den Ball aber nicht richtig verarbeitet bekam (11.), Sahin verzog aus aussichtsreicher Position (29.) – viel mehr bot der FCK im ersten Durchgang nicht an. Und das war ganz schön wenig.
Am Gesamtbild änderte sich auch nach dem Seitenwechsel bei frühsommerlichen Temperaturen um die 27 Grad in Sachsen nichts. Die abstiegsbedrohten Dresdner hatten mehr vom Spiel, vermieden aber, zu früh zu großes Risiko einzugehen. Der FCK suchte weiter nach zündenden Ideen, wie die Dynamo-Abwehr ernsthaft in die Bredouille gebracht werden konnte. Kuriose Notiz am Rande: Fabian Kunze sah seine 15. Gelbe Karte in dieser Saison, als er nach einem vermeintlichen Foul, das nicht gepfiffen wurde, den Ball mit der Hand festhielt (58.). Er fehlt damit gegen Arminia Bielefeld am nächsten Freitag zum dritten Mal in nur einer Spielzeit gelb-gesperrt – Vereinsrekord! Paul Joly holte sich kurz danach noch seine fünfte Verwarnung ab und wird das letzte Heimspiel ebenfalls verpassen.
Lieberknecht schüttelt den Kopf
Der Lauterer Rückstand fiel in einer Phase, als der FCK diese Zweitliga-Partie mit überschaubarem Unterhaltungswert beruhigt zu haben schien. Bobzien wurde von Sirch nicht entschieden genug attackiert und legte auf Alex Rossipal ab, der einfach mal stramm in die Mitte schoss. Dort stand Jacob Rasmussen zu weit weg von Torschütze Vincent Vermeij, der mit seiner Direktabnahme Krahl überwand (68.).
Lieberknecht schüttelte an der Seitenlinie den Kopf, aber eine echte Reaktion seines Teams war auch nach dem 0:1 nicht festzustellen. Erst in der Nachspielzeit drängten die Pfälzer Dynamo mal für mehrere Minuten weit in die eigene Hälfte zurück, aber echte Einschussmöglichkeiten hatte der FCK nicht mehr. So ging nach Braunschweig auch das nächste Spiel gegen einen Abstiegskandidaten verloren, ohne dass die Lauterer eine Großchance herausgespielt hatten. Der kümmerliche Expected-Goals-Wert von 0,20 sprach Bände. „Die Selbstverständlichkeit ist im Moment nicht da, die bekommen wir nur, wenn wir gewinnen und Tore schießen“, resümierte Kapitän Marlon Ritter. Der Trend beim FCK zeigt bedrohlich in die falsche Richtung.
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