Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Kostenlose Tampons an allen Pfälzer Schulen?

Ohne Scham: Hygieneartikel für Frauen sollten wie Seife und Papierhandtücher in jeder Toilette verfügbar sein, so die Forderung.
Ohne Scham: Hygieneartikel für Frauen sollten wie Seife und Papierhandtücher in jeder Toilette verfügbar sein, so die Forderung.

Wenn die Periode kommt, einfach schnell einen Tampon auf der Toilette holen: In einigen Pfälzer Schulen ist das längst Normalität. Schülervertretern reicht das nicht.

Menstruationsprodukte sollten selbstverständlich zur Grundausstattung jeder Schule gehören, fordert die Landesschülerinnen- und Landesschülervertretung Rheinland-Pfalz im Gespräch mit der RHEINPFALZ am SONNTAG. Bislang gebe es nur vereinzelt Angebote, häufig dort, wo engagierte Schulgemeinschaften sich dafür stark machen. „Der Zugang zu Menstruationsprodukten darf nicht vom Zufall abhängen“, findet Sprecherin Isabelle Seltenreich. Es brauche landesweit verbindliche Regeln und eine gesicherte Finanzierung. Für Seltenreich ist die kostenlose Abgabe von Tampons und Binden auch eine Frage der Bildungsgerechtigkeit zwischen den Geschlechtern. „Wenn der Zugang zu notwendigen Hygieneartikeln nicht gesichert ist, entstehen reale Hürden, sei es durch Fehlzeiten, Unsicherheiten oder Einschränkungen im Alltag.“

Zuständig für die Ausgabe von kostenlosen Menstruationsprodukten ist laut Bildungsministerium der Schulträger, also in den meisten Fällen die Stadt oder der Landkreis. Das Ministerium selbst hat laut einem Sprecher bereits 2023 allen eigenen weiterführenden Schulen Mittel zur Beschaffung von ein bis zwei Spenderautomaten nebst Erstausstattung bereitgestellt. „Alle vier Landesgymnasien haben jeweils zwei Spender beschafft, ein Kolleg in Koblenz einen“, heißt es auf Nachfrage. Die Erfahrungen seien überwiegend positiv, der organisatorische Aufwand überschaubar. „Die Wirkung liegt insbesondere im sozialen Bereich: Schülerinnen werden im Schulalltag entlastet, zugleich trägt die Maßnahme zur Enttabuisierung des Themas Menstruation bei“, sagt der Sprecher des Bildungsministeriums.

Südliche Weinstraße: Kaum Vandalismus

Auch an kommunalen und privaten Schulen in der Pfalz gibt es kostenlose Angebote für Schülerinnen. Entweder auf Initiative Einzelner oder mit Unterstützung des Trägers. So hat beispielsweise der Kreis Südliche Weinstraße an allen seinen Schulen Spendersysteme für Tampons und Damenbinden in den zentralen Damentoiletten installiert. Zusätzlich gibt es in den Schulsekretariaten Tampons und Binden. Dafür zahlt die Kreisverwaltung jährlich einen niedrigen vierstelligen Betrag, sagt eine Sprecherin auf Anfrage. Das Angebot werde ordentlich genutzt, es gebe kaum Vandalismus. Auch deshalb will man an dem zweigleisigen System festhalten.

Im Landkreis Germersheim hat man andere Erfahrungen. Eine Befragung von Schulen und Schülervertretungen habe gezeigt, dass es keinen Bedarf an Automaten gebe. Wo diese bereits vorhanden waren, seien sie häufig in kurzer Zeit geleert gewesen. Die Ausgabe erfolge deshalb in der Regel über das Sekretariat.

Gerade Kinder aus einkommensschwachen Familien sowie Auszubildende und Studierende mit wenig Einkommen müssten vom Staat unterstützt werden, fordert die Hilfsorganisation Plan International. „Der Zugang zu Sanitärversorgung und Hygiene ist ein Menschenrecht“, heißt es auf der Webseite. Für Periodenprodukte einschließlich Schmerzmittel kommen laut der Organisation je nach Einzelfall jährlich Ausgaben von bis zu 650 Euro zusammen. Gerade für Mädchen und junge Frauen könne das viel Geld sein.

Mädchen riskieren bewusst Infektion

Jede Zehnte zögert den Wechsel von Tampons oder Binden deshalb bewusst hinaus und geht damit wissentlich das Risiko einer Infektion ein: Das ist das Ergebnis einer Umfrage von Plan International zu „Periodenarmut“ in Deutschland. Fast drei Viertel der 16- bis 24-Jährigen würden sich demnach besser versorgen, wären Hygieneprodukte preisgünstiger. Jede dritte Befragte gab an, während der Periode manchmal zu Hause zu bleiben, um keine schlecht ausgestattete oder schmutzige Toilette benutzen zu müssen. Die Erhebung zeigt auch: Das Thema ist nach wie vor stark schambehaftet, so gut wie alle Befragten fürchten sich vor sichtbaren Flecken auf der Kleidung. Andere Personen nach Binden und Tampons zu fragen, empfinden viele junge Frauen laut einer Studie der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg als unangenehm. Bei Bedarf keine Menstruationsartikel zur Hand zu haben, erzeuge bei den Studierenden Stress.

Vorreiter im Kampf gegen Periodenarmut ist Schottland. Dort ist das Bereitstellen von Hygieneprodukten in Bildungsinstitutionen und städtischen Einrichtungen seit fast vier Jahren gesetzlich vorgeschrieben. In Tschechien müssen Schulen seit diesem Jahr solche Artikel kostenlos bereitstellen – um Fehlstunden von Mädchen zu reduzieren. „Keine Schülerin soll deswegen zu Hause bleiben, mit Toilettenpapier improvisieren oder sich schämen müssen, um Hilfe zu bitten“, argumentiert Gesundheitsminister Vlastimil Valek. Geschätzte Kosten für die Initiative: knapp fünf Millionen Euro pro Jahr.

Eine gezielte Förderung für Jugendeinrichtungen in Höhe von jährlich bis zu 16.000 Euro hat das rheinland-pfälzische Familienministerium 2022 auf den Weg gebracht. 26 sogenannte „Häuser der offenen Tür“ nutzen diese, darunter acht in der Pfalz. Es gehe um eine würdevolle Grundversorgung und Teilhabe sowie ein Umfeld für offenen Austausch zu Fragen rund um die Periode. Ob das Programm nach dem Regierungswechsel 2027 fortgesetzt wird, kann eine Sprecherin des Familienministeriums auf Nachfrage nicht beantworten. Im gerade verabschiedeten Koalitionsvertrag von CDU und SPD findet sich dazu kein Hinweis.

Zuschuss für Vereine

Der Landesjugendring Rheinland-Pfalz hat für seine Mitgliedsverbände 2025 vom Land einmalig 5000 Euro zum Kauf von Binden und Tampons sowie für Aufklärungsmaterial erhalten. Die Förderung von jeweils maximal 210 Euro könne jeder Verband in der Geschäftsstelle beantragen, sagt Nadya Konrad vom Vorstand des Landesjugendrings. Der kostenfreie Zugang zu Menstruationsprodukten ermögliche insbesondere jungen Menschen eine unbeschwerte Teilhabe am sozialen Leben, ohne Angst haben zu müssen, aufgrund ihrer Periode in eine unangenehme Situation zu geraten. Dennoch gebe es in Teilen der Gesellschaft nach wie vor Unverständnis gegenüber dieser Forderung. „Kostenlose Menstruationsprodukte im gesamten öffentlichen Raum sind kein Luxus, sondern ein notwendiger Schritt hin zu mehr Chancengleichheit, Gesundheitsschutz und gesellschaftlicher Teilhabe“, sagt Konrad.

Ob sie aus eigenen Mitteln Studierenden Hygieneartikel zur Verfügung stellt, entscheidet jede rheinland-pfälzische Universität laut Wissenschaftsministerium selbst. Die Hochschule Mainz hat nach eigener Darstellung beispielsweise an allen Standorten Spender mit kostenlosen Tampons und Binden installiert. Auch im Saarland ist das der Fall. „Menstruationsprodukte gehören zum täglichen Bedarf wie Seife und Papierhandtücher“, sagte die Gleichstellungsbeauftragte der Universität Saarbrücken 2021 zur Einführung.

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Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.

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