Künstliche Intelligenz
KI als Traum und Albtraum
Der Nutzen, den Künstliche Intelligenz (KI) erbringen soll, wird gerne als Zahl in den Raum gestellt. 330 Milliarden Euro könnte generative KI – also Systeme, die neue Inhalte schaffen – in Zukunft zur deutschen Bruttowertschöpfung beitragen, etwa durch Produktivitätssteigerungen. Das stellte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kürzlich fest. Voraussetzung: Über 50 Prozent der Unternehmen müssten KI nutzen. Rund 17 Prozent tun es laut IW bisher, knapp die Hälfte plant Investitionen. Dabei wollen zwei von drei Unternehmen dann ihre Angestellten für Aufgaben einsetzen, die mehr Wertschöpfung bringen. 75 Prozent der Arbeitnehmer glauben, dass KI ihnen dabei hilft, produktiver zu arbeiten.
Dass die Akzeptanz steigt, stellt auch die Beratungsgesellschaft EY fest. Zugleich benennen die dort befragten Angestellten aber Herausforderungen: Datenschutz, ethische Fragen, die Sorge um den Arbeitsplatz.
Weltweiter Wettbewerb
KI ist zum Wettbewerbsfaktor geworden. Hauptakteure sind die USA und China. Dazwischen die Europäer, die in der Anwendung noch ihre Rolle finden müssen. Geforscht wird in diesem Teilgebiet der Informatik seit den 1960er-Jahren, längst sind KI-Programme in der Industrie oder der Medizin im Einsatz. Populär gemacht hat KI aber die Einführung des Sprachmodells ChatGPT von Open AI Ende 2022.
Seitdem ist „die“ KI vielfältig präsent. Sie plant Urlaube, schreibt Arztbriefe, findet Fehler. In Seniorenheimen entlasten KI-gestützte Roboter Arbeitskräfte, autonom entscheidende KI-Agenten sind auf dem Vormarsch, „Humanoide“, also menschenähnliche Roboter, stehen vor Fabriktüren. Für uns Menschen verändert sich vieles. Nicht nur Arbeitsplätze. Auch Fähigkeiten können uns abhanden kommen – beispielsweise, wenn wir uns beim Schreiben ständig auf Chat-Modelle verlassen und das eigene Gehirn nicht mehr bemühen. Wir müssen uns also damit beschäftigen und die Technik mit Vernunft nutzen. Das heißt auch: Wir dürfen Neues nicht von vornherein ablehnen. Aber wir müssen uns fragen, wie wir damit umgehen. KI unterstützt uns in vielem, kann aber auch Schaden anrichten. Das wissen wir nicht erst seit dem Deepfake-Skandal um die Schauspielerin Collien Fernandes.
Chancen, aber auch Gefahren
Der Mainzer KI-Forscher Stefan Kramer, ein KI-Lotse des Landes Rheinland-Pfalz, hat es mit seinem finnischen Forscher-Kollegen Hannu Toivonen so formuliert: KI verkörpere Träume und Albträume. Träume wie: KI verleihe „Superkräfte“, um zu helfen; sie erledige Arbeit, sie rette die Welt, indem Ressourcen geschont, globale Probleme gelöst würden. Ängste wie: KI manipuliere uns, zerstöre sozialen Frieden, indem sie Ungleichheiten verschärfe. Sie bringe die Welt in Gefahr, wenn sie in kritischen Systemen unvorsichtig eingesetzt werde und einen Stromnetzkollaps oder gar einen Weltkrieg verursache.
Die RHEINPFALZ am SONNTAG will in den kommenden Wochen und Monaten immer wieder ausloten, wo Chancen und wo Gefahren bei KI liegen. Heute gibt KI-Forscher Andreas Dengel aus Kaiserslautern unter anderem einen Überblick, wo Deutschland bei diesem Megathema steht. In künftigen Berichten schauen wir zum Beispiel auf Regeln für KI, ethische Fragen, auf KI in der Schule oder auch darauf, wie KI dabei hilft, dass es uns beim autonomen Fahren nicht schlecht wird. Alle Folgen unserer losen Serie werden nach Erscheinen in einem digitalen Dossier verfügbar sein.
Info
Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.
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