Finanzkolumne RHEINPFALZ Plus Artikel Hohe Kante: Warum Sie Aktien besser nicht montags kaufen

Hartmut Walz ist Finanzprofessor an der Hochschule Ludwigshafen.
Hartmut Walz ist Finanzprofessor an der Hochschule Ludwigshafen.

Wer Wertpapiere kaufen will, sollte sich nicht von Kalenderregeln abhängig machen.

„Ich habe den Rat erhalten, Aktien oder Aktien-ETFs montags zu erwerben, da sie an diesem Tag häufig preiswerter seien. Ist das richtig?“

Dieser Rat hält sich hartnäckig und wird damit begründet, dass schlechte Börsennachrichten aus Ereignissen am Wochenende erst am folgenden Montag in die Aktienkurse einfließen könnten. Würde die Empfehlung stimmen, könnten Anleger durch Kauf an Montagen systematische Überrenditen erzielen. Jedoch: Wenn eine Geschichte zu gut klingt, um wahr zu sein, dann ist sie meistens auch nicht wahr. Die Erzählung vom Montagseffekt klingt zwar gut, jedoch ereignen sich an Wochenenden eben auch positive Dinge, die zu höheren – und damit ungünstigen – Montagskursen führen können.

Auch der Hinweis auf irgendwelche Studien, die angeblich günstige Einstiegskurse an Montagen nachweisen, sollte Sie nicht überzeugen. Denn erstens gibt es auch Studien mit genau gegenteiligem Ergebnis und zweitens ist der gerne erzählte Montagseffekt nur ein Beispiel für Kalenderregeln oder angebliche Kalenderanomalien, mit denen man gutgläubige oder abergläubische Menschen narren kann.

Glauben Sie keinen Studien zu Kalenderregeln

Auch der sogenannte Feiertags- oder Freitagseffekt (gute Stimmung vor Feiertagen oder dem Wochenende), der Monatsanfangseffekt (Menschen kaufen Wertpapiere, da sie gerade ihren Lohn erhalten haben) oder den Jahresanfangseffekt (gute Vorsätze der Anleger) sind nämlich Kalenderregeln. Hinter jeder Kalenderregel steckt eine leicht verständliche Erzählung, die jedoch entweder nicht stimmt oder zu der es gegenläufige Effekte gibt. Bemerkenswert ist, dass es meiner Kenntnis nach für jeden Kalendereffekt eine oder mehrere bestätigende Studien gibt.

Diese beweisen jedoch überhaupt nichts, da sie das Ergebnis sogenannter „Datenfolter“ sind. Denn man muss geradezu zwangsläufig auf rein zufällige Muster stoßen, wenn man viele lange Datenreihen durchsucht. Ein humorvoller Satz, der auf den britischen Ökonomen Ronald Coase zurückgeht, wird Sie künftig davor bewahren, sich mit solchen wertlosen Geschichten von klugem Langfristinvestieren (buy and hold) ablenken zu lassen: Er lautet: „Wenn Sie die Daten nur lange genug quälen, werden diese Ihnen alles gestehen!“

Sie haben Fragen rund um Ihr Geld? Schreiben Sie uns an ras-hohekante@rheinpfalz.de.

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