Alltagsmanager RHEINPFALZ Plus Artikel Hilfe, mein Partner liebt nur sich!

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Narzissten gelten als nicht beziehungsfähig. Doch eine Studie zeigt: Das gilt nicht für jeden Selbstdarsteller.

Er wies andere zurück, verliebte sich in sein eigenes Spiegelbild und ging schließlich daran zugrunde: Der schöne Jüngling Narziss aus der griechischen Mythologie ist der Namensgeber der narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Wer darunter leidet, ist aber nicht nur egoistisch und selbstverliebt, sondern hat auch ein großes Bedürfnis nach Bewunderung und den Hang, andere zu dominieren oder gar auszubeuten.

Nicht gerade die besten Voraussetzungen für eine Beziehung auf Augenhöhe. Inwieweit narzisstische Persönlichkeitsmerkmale und Bindungsstile zusammenhängen, hat daher ein Forscherteam um Megan Willis von der Australian Catholic University näher untersucht.

33 Studien mit insgesamt über 10.500 Teilnehmern flossen in die detaillierte Auswertung ein. Sie stammten unter anderem aus Australien, Japan, Indien, Deutschland, der Türkei und den Vereinigten Staaten.

Die Auswertung ergab, dass nur der Typus des „vulnerablen“ Narzissten mit einem unsicheren Bindungsstil in Verbindung steht. „Seine Beziehungen sind oft von Ängsten, Zweifeln und Rückweisungen geprägt und dementsprechend labil“, erläutert Forscherin Willis.

Das Pikante: Der vulnerable Typ ist nicht ohne weiteres als Narzisst zu erkennen, weil er sich zwar für großartig hält und Bewunderung sucht, andererseits aber auch introvertiert, unsicher und mit einem schwankenden Selbstwert ausgestattet ist.

Grandioser Typ neben Selbstzweiflern

Demgegenüber entspricht der „grandiose“ Narzisst – extrovertiert, charmant und dominant – eher dem Bild, das sich die meisten Menschen von einem Selbstverliebten machen. Doch ausgerechnet der ist laut Studie durchaus beziehungsfähig. „Im Gegensatz zum verletzlichen Narzissten fanden wir bei ihm keine Zusammenhänge mit einem unsicheren Bindungsstil“, sagt Willis.

Für den Berliner Psychologen Ramzi Fatfouta ist dieser Befund keine Überraschung: „Die Forschung der letzten Jahre zeigt, dass man beim Narzissmus nicht auf das allgemeine Konstrukt, sondern auf seine unterschiedlichen Sub-Typen schauen sollte.“ Und beim grandiosen Typen sei es allein wegen seiner Charakterzüge naheliegend, dass er eine Beziehung aufbauen kann: „Denn er hat ein positives Weltbild, ist aufgrund seiner charismatischen Art eher in der Lage, Beziehungen zu initiieren.“

Außerdem sucht er sich dabei meistens einen Gegenpart, der sein überzogen positives Selbstbild permanent bestärkt. Und dieser Gegenpart wiederum findet es oft anziehend, jemanden bei sich zu haben, der besonders selbstbewusst in Erscheinung tritt. Das kann dann im Wechselspiel – zumindest am Anfang – durchaus die Grundlage für eine solide Beziehung sein.

Die vulnerablen Typen wirken dagegen introvertiert. „Sie kämpfen oft mit der Sorge vor Rückweisungen und Verletzungen“, erläutert Fatfouta. Sie blieben dadurch chronisch skeptisch in der Beziehung und könnten sich nicht auf sie einlassen.

Psychisch gestört sind nur 1 Prozent

An einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung im klinischen Sinn leiden Schätzungen zufolge nur etwa 0,4 bis ein Prozent der Bevölkerung. Dass die Störung, wie oft behauptet, in den letzten Jahren zunimmt, ist empirisch nicht belegt. Experten beklagen oft, dass der Begriff des Narzissmus heute zu inflationär gebraucht wird. Dadurch entstehe der Eindruck, dass er – insbesondere bei Männern – überaus weit verbreitet ist. Tatsächlich ist er jedoch, auch wenn viele Menschen den einen oder anderen narzisstischen Zug aufweisen, selten.

Seine Wirkung ist jedoch enorm, er kann gerade für Beziehungen sehr belastend sein. Und das gilt auch für den grandiosen Narzissten, und zwar spätestens dann, wenn der Partner merkt, dass er in der Beziehung nicht über die Rolle des devoten Bewunderers hinauskommt.

Er könnte zwar darauf hoffen, dass sich der Narzisst beizeiten ändert oder sogar – durch liebevolles Zutun des Partners – ändern lässt. Doch das ist laut Fatfouta eher illusorisch: „Wer eine Zwangsstörung hat, merkt, das etwas nicht stimmt. Doch ein grandioser Narzisst hält das ja schlichtweg für unmöglich, das ist ein Kernmerkmal seiner Psychodynamik.“ Und so werde er kaum Veranlassung haben, sich zu ändern.

Beziehung endet von selbst

Vor diesem Hintergrund erscheint es am besten, wenn die Beziehung einfach zu Ende geht, und das muss nicht aktiv vom Partner des grandiosen Narzissten in die Wege geleitet werden. Denn ihr Verhältnis hat quasi ein eingebautes Verfallsdatum. „Sofern der Narzisst glaubt, dass ihm der Partner nicht mehr die Bestätigung gibt, die er braucht, wird er meistens selbst den Schlussstrich ziehen“, sagt Psychologe Fatfouta.

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Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.

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