Reise RHEINPFALZ Plus Artikel Griechenland: Zwischen Mönchsrepublik und Meeresidylle

Mit ihren zwanzig Großklöstern – im Bild das Kloster Simonos Petras – zählt die Mönchsrepublik Athos zum Weltkulturerbe der Unes
Mit ihren zwanzig Großklöstern – im Bild das Kloster Simonos Petras – zählt die Mönchsrepublik Athos zum Weltkulturerbe der Unesco.

Sithonia, der mittlere „Finger“ der Halbinsel Chalkidiki, bildet die Essenz des ländlichen Griechenlands, einem einstigen Hippie- Paradies.

Von Von Stefanie Bisping

Der Berg Athos ragt 2033 Meter am Ende der nach ihm benannten Halbinsel empor. Neben ihm hängen Klöster an der steilen, grünen Küste. Zum Schutz vor Piraten, die es auf Ikonen und goldene Messgefäße abgesehen hatten, wurden die ältesten in möglichst großer Höhe erbaut; Fenster finden sich erst zweieinhalb Meter über dem Boden. Häuschen kleben an Hängen, Eremiten leben in Höhlen. Mit ihren zwanzig Großklöstern zählt die Mönchsrepublik Athos zum Unesco-Weltkulturerbe. Straßen gibt es nicht, nur Schotterpisten. Eine Fähre bringt Pilger, Lebensmittel und Baustoffe dorthin. Frauen sind nicht zugelassen. Selbst im Boot vor der Küste kreuzend müssen sie einen Mindestabstand einhalten.

Wie die Finger einer Hand ragen die drei Ausläufer der Halbinsel Chalkidiki in die tiefblaue Ägäis. Kassandra, die westlichste, hat sich mit sorgloser Bebauung, Beach Bars und Clubs einen Ruf als Party-Halbinsel erarbeitet. Sithonia, die mittlere, war einst das Traumziel für Aussteiger und hat deutlich weniger unter touristisch motivierter Bebauung gelitten. Mit unberührten Küsten, Pinienwäldern, Weinbergen, Berg- und Fischerdörfern sieht diese Halbinsel vielerorts kaum anders aus als vor 100 Jahren. Und so verbringen Paare, die sich auf Kassandra fanden, später nicht selten auf Sithonia ruhige Familienurlaube.

Hier können Männer nach einer gescheiterten Ehe Zuflucht suchen

Schwalben segeln durch die vom Summen der Insekten und süßem Blütenduft erfüllte Luft. Bougainvillea leuchtet in knalligem Pink. Die Strände sind zahlreich und selten voll, die Tische in den Tavernen biegen sich zuverlässig unter köstlichen Speisen. Als an der Westküste Sithonias einem Hotelbau weitere Villen folgen sollten, stoppte der Fund eines Friedhofs aus der Antike das Projekt, noch bevor das Fundament gelegt war – als wehrte sich das alte Griechenland gegen den Einbruch der Moderne.

Die östlichste Halbinsel ist noch einmal deutlich ruhiger. „Auf Athos können Männer Zuflucht suchen, wenn ihre Ehe gescheitert ist“, sagt Kimon Riefenstahl, Hotelier auf Sithonia, vergnügt. Denn wer nach Athos möchte, muss ohne Frau anreisen. Männer benötigen ein Visum, das bei der Botschaft der Mönchsrepublik in Thessaloniki zu bekommen ist. Mit ihr dürfen sie Athos bei Besuch oder Aufenthalt in einem der orthodoxen Klöster kennenlernen. Auch Kimon Riefenstahl hält engen Kontakt zu Athos. Sein Vater Otto hat es ihm vorgelebt: Der Mittachtziger ist seit Jahrzehnten regelmäßig dort, nimmt auch Hotelgäste mit dorthin – einmal zeigte er Frank Elstner die Halbinsel – und gehört einer Bruderschaft an, die zur Förderung des Verständnisses für Athos gegründet wurde.

Seit Riefenstahl Junior 1998 von einer beruflichen Station auf Bali zurückkehrte, leitet er, unterstützt von seinen Schwestern Julia und Angelika, das Fünf-Sterne-Hotel bei Nikiti. Mutter Danai hatte es eher zufällig begründet; eigentlich hatte sie das Land 1970 für ein Haus am Meer für die Familie gekauft. Dreieinhalb Stunden fuhr man damals von Thessaloniki dorthin, mitten ins ländliche Griechenland. Land an der Küste war billig; die Olivenhaine des Hinterlands besaßen größeren Wert.

„Den werde ich heiraten“

Ein Freund der Familie fragte, ob er für ein paar Tage einen Diplomaten bei ihnen unterbringen könne, und kam mit anderen Botschaftsangehörigen wieder. „Fünf Jahre lang kamen nur Botschafter“, erzählt Danai. 1975 eröffnete sie dann ein kleines Hotel. 1992 hatte es 120 Zimmer und 30 Beschäftigte. Sohn Kimon hat es beständig weiterentwickelt – und verkleinert. Heute besitzt das Resort 55 Suiten und Villen und beschäftigt 180 Menschen, darunter fünf Sommeliers. Es sei nicht leicht gewesen, die Mutter von seiner Idee eines ersten Luxushotels auf Sithonia zu überzeugen, so Riefenstahl: „Meist sagt sie nein.“ Der Erfolg des Hauses, das zu den Leading Hotels of the World gehört, erleichtere ihm heute manche Argumentation. Denn nach wie vor realisiert er in jedem Winter ein neues Projekt, während Mrs. Danai, wie sie dort genannt wird, noch immer jedes Detail der Interieurs konzipiert. Womöglich ist die Lage des Resorts auf halber Strecke zwischen dem Göttersitz Olymp – den man an klaren Tagen von der Terrasse aus sehen kann – und dem Berg Athos das Geheimnis seines fünfzigjährigen Erfolgs; vielleicht ist es aber auch die Romanze, mit der alles begann. Danai stand einst mit der Frau ihres Bruders in den Überresten des antiken Knossos auf Kreta, als ihr unterhalb des Palasts ein von einem Schwarm Flugbegleiterinnen umgebener Mann auffiel. „Den werde ich heiraten“, erklärte sie ihrer Schwägerin, die einen Sonnenstich vermutete.

Doch die junge Griechin und der junge Deutsche aus Berlin kamen ins Gespräch. Sie studierte Psychologie und Architektur in Frankfurt, er wohnte in Bad Homburg; man sollte sich wieder sehen. Sie heirateten und lebten in München, bevor sie 1970 nach Griechenland zogen, wo Otto als Ingenieur in Athen und später in Thessaloniki arbeitete. Die Familie ist das Fundament des Resorts. Die bekannteste Trägerin des Namens gehörte indes nicht zum inneren Kreis: Die Verwandtschaft mit Leni Riefenstahl sei entfernt, erklärt der Senior, er habe sie nie kennengelernt. Er und Danai leben mit Kindern und Enkeln auf dem Grundstück am Meer, wie Danai es vor über einem halben Jahrhundert geplant hat.

Ein Städchen erlebt eine Renaissance

Ruhe ist auf Sithonia der ständige Begleiter des Reisenden. Im älteren, auf einem Hügel gelegenen Teil des Dorfs Nikiti sind einige der im 19. Jahrhundert im traditionellen Stil Mazedoniens erbauten Häuser restauriert worden. Andere erwarten überwuchert ihren Verfall – oder einen Käufer. Früher lebten die Bewohner des Dorfs dort oben von Olivenanbau, Imkerei und Viehzucht; dann verlagerte sich ihr Leben an die Küste. Mittlerweile gibt es am Platz des alten Dorfs im Schatten hoher Bäume wieder eine Bar.

Urlauber schlendern durch die gewundenen Sträßchen und besuchen winzige Kapellen, bevor sie unten am Meer zu Abend essen. Auch das Dorf Parthenonas ruht, von dichtem Grün fast völlig versteckt, kaum gestört auf seinem Hügel. 1970 war es aufgegeben worden, die letzten Bewohner waren ins fünf Kilometer entfernte Hafenstädtchen Neos Marmaras übersiedelt. Seitdem sind einige der Häuser von Parthenonas restauriert worden. Es gibt ein Gästehaus, Tavernen und ein Café. Von dessen Terrasse öffnet sich der Blick über den Golf von Kassandra bis zur benachbarten Halbinsel.

Denn immer siegt dort der Magnetismus des Meeres. In einer Bucht im Südwesten Sithonias ist das Fisch-Restaurant Panos am fortgeschrittenen Nachmittag noch voll besetzt. Einige Gäste gingen dort nach dem Bootsausflug an Land, andere haben den Landweg genommen. Vor der Küste liegt Kelyfos, die Schildkröteninsel. Ihrem Beinamen zum Trotz, den sie ihrer Form verdankt, bewohnen wilde Ziegen das Inselchen. Nach gegrilltem Tintenfisch, Auberginen, Zucchini, Salaten und dem einen oder anderen Souvlaki-Spießchen sammeln die Gäste der Taverne Kraft für die köstlichen Kuchen des Hauses. Der Küchenchef eilt zum Steg und begutachtet Fische und Hummer eines Fischers. Das Abendessen ist gesichert.

Chalkidiki

Anreise
Flug zum Beispiel mit Eurowings nonstop ab Stuttgart nach Thessaloniki, www.eurowings.com.

Unterkunft
Im Danai Beach Resort & Villas gibt es mehrere Restaurants, einen Privatstrand, Gym und Baby- und Kinderclub sowie Kochkurse mit Kimon Riefenstahl. Eine Suite für zwei mit Frühstück kostet ab 504 Euro, www.thedanai.com.
Im Gästehaus Parthenon im Bergdorf Parthenonas kostet ein Studio für zwei Personen ab 115 Euro, www.parthenonas-chalkidiki.com/parthenon_de.

Essen & Trinken
Im am Meer gelegenen Restaurant Mezervoir in Nikiti serviert Kellner Kyriakos zu griechischen Spezialitäten kulturhistorische Anekdoten. Es ist täglich von 14 bis 23 Uhr geöffnet, https://haven-seaside-bar.my.canva.site/mezervoir-site. Die Fisch-Taverne Panos liegt in Neos Marmaras am Strand und ist täglich von 13 bis 23 Uhr geöffnet, www.instagram.com/restaurant.panos/.

Allgemein
Griechenland Tourismus,
www.visitgreece.gr.

Info

Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.

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