Pfälzische Geschichte RHEINPFALZ Plus Artikel Falsche Akten und erfundene Bischöfe

Um den geht’s letztendlich: Speyerer Bischofsstab, im Bild die aktuelle Variante von Bischof Karl-Heinz Wiesemann.
Um den geht’s letztendlich: Speyerer Bischofsstab, im Bild die aktuelle Variante von Bischof Karl-Heinz Wiesemann.

Im 10. Jahrhundert erfindet man ein Konzil. Wegen eines Rangstreits. Mit Auswirkungen auch auf Worms und Speyer.

Es wäre dies die erste Erwähnung der Diözesen Speyer und Worms – wenn’s denn stimmen würde: 12. Mai 346 – und in Köln wird angeblich einem Häretiker der Prozess gemacht. Unter Vorsitz des Trierer Bischofs soll demnach der Kölner Oberhirte Euphrates abgesetzt werden – weil er die göttliche Natur Christus leugnet, riecht nach Arianismus. Als Zeugen treten 14 andere Bischöfe auf, unter anderem ein Victor aus Worms, der bestätigt, dass Euphrates „Christus als Gott leugnet“, der Bischof Iessis aus Speyer will dies ebenfalls und „mit meinen eigenen Ohren“ gehört haben. Und so hätten die Gemeinden am Oberrhein also schon im vierten Jahrhundert den Status eines Bischofssitzes – wenn die Akten der Synode echt wären. Sind sie aber wohl nicht.

Es streiten sich Trier und Köln

Jene Akten finden sich in einer Sammelhandschrift aus dem 10. Jahrhundert – und der Text wärmt im Grunde einen alten Rangstreit zwischen den Bistümern Trier und Köln wieder auf: Die Behauptung, man habe die Absetzung eines häretischen Kölner Oberhirten betrieben, taucht schon im 8. Jahrhundert auf – und sie stammt aus dem Dunstkreis des Bistums Trier. Man schlägt sich um die Ehre, Erzbistum sein zu dürfen, einschließlich der Aufsicht über ganze Kirchenprovinzen. Trier wird um die Jahrhundertmitte Erzbistum, Köln gegen Ende des 8. Jahrhunderts. Der Rangstreit kocht im 10. Jahrhundert wieder hoch – und ein angeblich häretisches Oberhaupt beschädigt da natürlich das Ansehen.

Eine Fälschung ist jedenfalls sehr wahrscheinlich: Der historische Euphrates war durchaus Gegner des Arianismus. Selbst bei den im 4. Jahrhundert sicher existierenden Diözesen stimmen die Bischofsnamen in den „Akten“ teilweise nicht. Und nicht zuletzt ist deren Sprachstand mittelalterlich – und nicht spätantik.

Einen „Iessis“ kennt nicht einmal die im 11. Jahrhundert redigierte Speyerer Bischofsliste. Und so datiert die erste halbwegs sichere Erwähnung des Bistums Speyer auf das Jahr 614.

Die Kolumne

Die „Pfälzische Geschichte“ erscheint alle 14 Tage in der RHEINPFALZ am SONNTAG. Rund 300 Folgen gibt es inzwischen. Die Texte versuchen, über die Geschichte der Region hinaus auch Schlaglichter auf größere Zusammenhänge zu werfen. Im Bewusstsein, dass die Gegenwart kaum zu verstehen ist, wenn man ihre Genese nicht kennt. Die vorige Folge der „Pfälzischen Geschichte“ finden Sie hier: „Kaiserliche Massenware“.

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