Reise RHEINPFALZ Plus Artikel Drei Länder, eine Region: Wo Österreich, Italien und Slowenien verschmelzen

Am Dreiländereck kann man von Österreich nach Italien und Slowenien springen
Am Dreiländereck kann man von Österreich nach Italien und Slowenien springen

Im Alpe-Adria-Raum treffen drei Kulturwelten aufeinander. Nirgends gibt es Zäune oder Mauern, dafür ein wunderbares Panorama.

Mit einem einzigen Schritt gleichzeitig in drei Ländern stehen. So hatten sie sich das vorgestellt, als sie in die Sesselbahn hoch zum Dreiländereck stiegen. Jetzt stehen sie oben, auf dem Gipfel am Grenzpfahl, 1508 Meter über dem Meer, und stellen fest: Geht nicht, man hat ja keine drei Beine. Eine aus der Wandergruppe versucht es mit beherzten Sprüngen – vergeblich. Dann die rettende Idee: Alle auf der kleinen Plattform eng zusammenrücken und winken. Einer aus Österreich in der Mitte, eine aus Italien rechts, eine aus Slowenien links. Was für ein grenzenloser Spaß!

Drei Länder – in der Natur verschwimmen die Grenzen sowieso. Unten breitet sich das Kärntner Tal aus, oben entfaltet sich eine herrliche, von Nebelschleiern durchzogene Gebirgswelt: die schroffen Karawanken entlang der Südgrenze zu Österreich, dahinter die gezackten Gipfel der Julischen Alpen in Slowenien, die Karnischen Alpen Richtung Italien. Die Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, ein Stück unterhalb des Gipfels, sind längst überwuchert von Gras und Büschen. Und alle empfinden das Gleiche: Solch magische Orte gibt es selten in Europa.

Flora und Fauna haben hier Vorrang

Dort, im Alpe-Adria-Raum, wo drei Kulturwelten aufeinandertreffen, wo alpines und mediterranes Flair verschmelzen, wird die Wandergruppe in den nächsten Tagen unterwegs sein. Ein guter Ausgangspunkt ist Villach im Herzen der Region, die zweitgrößte Stadt Kärntens. Nur 20 bis 30 Fahrminuten und schon ist man im anderen Land. Morgens ein Stück Sachertorte aus der Konditorei Rainer in der hübschen Altstadt von Villach, mittags in Italien einen Espresso am Markt von Tarvisio – und am Nachmittag ein Abstecher nach Slowenien zu den Skisprungschanzen von Planica bei Kranjska Gora: Das ist kein Marketing-Gag, sondern gelebter Alltag. „Wir sind stolz auf diese Vielfalt. Man ist offener für andere Denkweisen, andere Bräuche, andere Genüsse. Aus den Liedern Sloweniens klingt Wehmut durch, aus Friaul-Julisch-Venetien kommt Lebensfreude, dazu mischt sich südlicheres Klima und die Gemütlichkeit von uns Kärntnern. Das macht uns ein bisschen anders als andere Österreicher“, sagt Birgit Pirchorner.

Die Biologin und Rangerin gleitet mit der Gruppe auf Schneeschuhen durch die herrliche Alpen-Winterlandschaft des Naturparks Dobratsch mit Aussicht bis hinab zum Wörthersee. Es ist Villachs über 2000 Meter hoher Hausberg gegenüber dem Dreiländereck. Während dort im Familien-Skigebiet die Lifte nach einem Konkurs saniert und Pisten beschneit werden, ist auf dem Dobratsch alles abgebaut. Dort gehört der Berg wieder der Natur, Wanderern und Tourengehern.

Fauna und Flora haben nicht ohne Grund Vorrang, sagt die Biologin. Der Dobratsch liefert Trinkwasser, beherbergt seltene Orchideenarten, Edelweiß, mediterrane Gladiolen. „Und er liegt in einem Netzwerk wichtiger Wildkorridore. Von Slowenien wandern Braunbären durch, aus Italien europäische Wildkatzen. Auch deshalb sind offene Grenzen und länderübergreifende Zusammenarbeit extrem wichtig“. Die reicht von gemeinsam konzipierten Wanderwegen über Projekte wie die Unterstützung von Bio-Bauern oder Kräuterworkshops bis hin zur Analyse von Gästezahlen, um Besucherströme sanft zu lenken. Dass das nötig ist, kann man sich an diesem schönen winterlichen Tag kaum vorstellen. Nur wenige Menschen sind unterwegs. An Wochenenden und im Sommer sieht das oft anders aus.

Eine Erbe aus der Eiszeit

Davon erzählt auch Wanderführerin Sara Ehrlich, 35 Kilometer weiter südlich, kurz hinter der italienischen Grenze an den Laghi di Fusine bei Tarvisio, zu Deutsch: Weißenfelser Seen. „Instagrammer stehen Schlange für dieses heiß begehrte Motiv“, erzählt sie. Zeitweise gebe es sogar Zufahrtsbeschränkungen. „Ich kann die Leute verstehen. Seit meiner Kindheit komme ich hierher. Und immer wieder bin ich geflasht“.

Nur ein paar Schritte hinter der Straße wird klar, warum: So unwirklich, beinahe mystisch ruhen die beiden Seen in ihrem Tal, ein Erbe aus der Eiszeit. Darüber wie ein Amphitheater fast senkrecht aufragende Felswände. Drumherum dichte Fichtenwälder. Schnee an den Ufern. Hellblau schimmert Eis, an offenen Stellen leuchtet das Wasser smaragdgrün. Am liebsten einfach nur dasitzen auf einem der Kalksteinblöcke, die wie durcheinander gewürfelt herumliegen. Die Stimmung einsaugen. Welch ein Kraftort. Bis die Kälte in einem hochkriecht und die italienische Jause in der urigen Hütte lockt.

Später dann die Therme in Warmbad-Villach, über einen Bademantelgang von den Hotels im Kurviertel erreichbar. Entspannte Badegäste teilen sich das lange Becken mit natürlichem Kies-Boden direkt über der Quelle, deren 29 Grad warmes Wasser sich alle paar Stunden erneuert. Zuhause würde man beim kleinsten Rempler unwillig murren. Dort nehmen alle Rücksicht aufeinander, entschuldigen sich deutsch, österreichisch, slowenisch, italienisch. Vielleicht liegt das am unglaublich weichen, chlorfreien Wasser, das alle miesen Gedanken davonschwimmen lässt. Oder am historischen Ambiente dieser hellen Halle. Oder an den Tagen in dieser einzigartigen und wunderschönen Drei-Länder-Region. Völkerverständigung kann so einfach sein.

Alpen

Anreise
Villach Hauptbahnhof ist per ICE gut erreichbar, www.bahn.de. Nach Warmbad braucht der Regionalzug wenige Minuten. Die Erlebniskarte ermöglicht kostenlose Fahrten mit den Öffis, auch in den Naturpark Dobratsch.
Ins italienische Tarvisio fahren Busse (1823), im Sommer auch Radbusse. Nach Kranjska Gora in Slowenien am besten ab Tarvisio mit dem Taxi oder zwölf Kilometer sehr malerisch auf dem Alpe-Adria-Radweg, www.alpe-adria-radweg.com.

Unterkunft
Vom modernen Karawankenhof in Warmbad-Villach gelangt man direkt zur Therme. Doppelzimmer mit Frühstück ab 239 Euro,www.karawankenhof.com.
Das familiengeführte Hotel Edelhof in Tarvisio hat 16 individuell eingerichtete Zimmer und ein sehr gutes Restaurant. Doppelzimmer mit Frühstück ab 140 Euro, www.hoteledelhof.it.

Aktivitäten
Neben dem Alpen-Adria-Radweg gibt es auch den Fernwanderweg Alpe-Adria Trail, in 43 Etappen vom Großglockner durch Österreich, Slowenien und Italien,
www.alpe-adria-trail.com.
Im Naturpark Dobratsch sind Wege für Wanderer und Tourengeher gewalzt, www.naturpark-dobratsch.at.
Zum Gipfel des Dreiländerecks mit der Sessel-Bahn, Berg- und Talfahrt 23 Euro, www.3laendereck.at.
Im Bergbaumuseum Cave del Predi bei Tarvisio (Bus 204) erfährt man bei einer Stollentour Spannendes über diese stillgelegte Blei- und Zinkmine, www.museitarvisio.it.
Der Eintritt in die Therme von Warmbad-Villach ist mit der Erlebniscard zwei Stunden kostenlos an Wochenenden und Feiertagen, sonst kosten drei Stunden 25 Euro,
https://kaerntentherme.com.

Allgemein
Villach Tourismus,www.visitvillach.at.
Tarvisiano Tourismus,www.tarvisiano.org.
Kranjska Gora Tourismus, https://kranjska-gora.si/de.

Info

Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.

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