Alltagsmanager RHEINPFALZ Plus Artikel Barrierefrei: Den Umbau rechtzeitig angehen!

KfW-Kredite von 50.000 Euro pro Wohneinheit, auch für Mietobjekte und den Kauf bereits modernisierter Immobilien, und Umbauzusch
KfW-Kredite von 50.000 Euro pro Wohneinheit, auch für Mietobjekte und den Kauf bereits modernisierter Immobilien, und Umbauzuschüsse von bis zu 4180 Euro von der Pflegekasse gibt es.

Die meisten Menschen möchten in den eigenen vier Wänden alt werden. Welche Fördermöglichkeiten man nutzen kann und warum bereits junge Familien profitieren.

Die meisten Menschen wollen im Alter dort leben, wo sie heute wohnen. Laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Altersfragen wünschen sich 81 Prozent der Deutschen, in den eigenen vier Wänden alt zu werden.

Wer das durchziehen möchte, muss allerdings beizeiten die Voraussetzungen dafür schaffen, dass das Familienhaus auch dann noch nutzbar ist, wenn man nicht mehr so gut zu Fuß und auf barrierefreie Zugänge und ein altersgerecht ausgestattetes Bad angewiesen ist.

Der Verband privater Bauherren rät Hausbesitzern deshalb dazu, rechtzeitig vor Eintritt in den Ruhestand zu prüfen, was saniert oder umgebaut werden sollte. Größere Investitionen könnten dann nämlich noch einfacher aus dem laufenden Einkommen bezahlt werden statt später aus der schmaleren Rente.

Zumal der Abbau von Stolperfallen und Hindernissen im Eigenheim längst nicht nur für Ältere ein Thema ist. Auch junge Familien oder Menschen mit eingeschränkter Mobilität profitieren von schwellenlosen Zugängen oder breiteren Türen, die im Alltag mit Kinderwagen oder Gehhilfe den Unterschied machen können.

Auch der Komfort steigt

„Wer früh modernisiert, erhöht nicht nur die Sicherheit, sondern auch den Alltagskomfort in jeder Lebensphase“, sagt Ralf Oberländer, Baufinanzierungsexperte bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall.

Welche Veränderungen man vornimmt, hängt neben dem Geldbeutel vor allem von der Immobilie und den Bedürfnissen ab. Barrieren im Wohnraum lassen sich durch schwellenlose Zugänge und Rampen, breitere Türen und größere Flächen reduzieren.

Auch der Umbau des Badezimmers mit einer ebenen Dusche und Haltegriffen sowie Treppen- und Plattformlifte sorgen für mehr Sicherheit. Höhenunterschiede zwischen verschiedenen Bodenbelägen und hochstehende Türschwellen sollten so weit wie möglich ausgeglichen werden, zum Beispiel durch Leisten.

Auf Treppenstufen können Antirutsch-Streifen sinnvoll sein. Und Strom-, Telefon- und Fernsehkabel legt man am besten direkt an der Wand oder über dem Türrahmen entlang, um sich nicht zu verheddern.

Auch den Außenbereich muss man in den Blick nehmen: Eine Rampe neben der Außentreppe bauen zu lassen, sodass das Haus im Fall der Fälle auch mit einem Rollstuhl erreichbar ist, kann sinnvoll sein.

Die Haustür mit Fingerabdruck öffnen

Zudem können Smart-Home-Technologien das Leben in den eigenen vier Wänden erleichtern: „Um Stürze zu vermeiden, sind beispielsweise Bewegungsmelder für Lampen oder intelligente Türöffnungssysteme sinnvoll“, sagt Birger Mählmann, Pflegeexperte der Ideal-Versicherung.

Auch die Haustür lässt sich mit digitaler Technik nachrüsten: „Mit einer vernetzen Türklingel können Pflegebedürftige nicht nur sehen, wer vor dem Eingang steht, sondern diese auch bequem per Smartphone oder Tablet öffnen“, so Mählmann.

Ein Haustürschloss mit Fingerabdruckscanner erleichtert bei zittrigen Händen, einem Rollator, Gicht oder Arthritis das mühsame Suchen des Schlüssels und das Aufsperren. Ein solcher Fingerabdruck-Türöffner bietet ebenso für Familien mit Kindern Vorteile – denn mit Kindern hat man immer alle Hände voll.

Wichtig für alleinlebende Senioren ist ein Hausnotruf-System. Früher musste man sich dafür ein ziemlich klobiges Gerät um den Hals hängen – heutzutage gibt es Smartwatches für das Handgelenk, die mit einer Sim-Karte ausgestattet und mit den Hausnotrufzentralen etwa des Deutschen Roten Kreuzes gekoppelt sind.

Notrufknopf am Handgelenk

Drückt man den Knopf, stellt die Uhr automatisch die Verbindung her, ermöglicht das Telefonieren via Freisprecheinrichtung und übermittelt automatisch die jeweiligen GPS-Standortdaten an die Notrufzentrale.

„Der Rettungsdienst ist dann jederzeit in der Lage, auf die Schlüssel der Teilnehmenden zuzugreifen, um bei einem medizinischen Notfall schnell helfen zu können“, sagt Marion Simonis, Leiterin des Hausnotrufs beim Roten Kreuz. Derartige Smartwatches gibt es auch in abgespeckter Variante ohne gekoppelten Hausnotruf – in einer App sind dann die Telefonnummern von Angehörigen oder anderen Vertrauten als Notfallkontakte hinterlegt und werden im Fall der Fälle automatisch alarmiert. Das vermittelt den Senioren ein Stück Sicherheit in den eigenen vier Wänden.

Baumaßnahmen, die Barrieren abbauen, werden gefördert – unabhängig vom Alter der Antragsteller. Die bundeseigene Förderbank KfW vergibt etwa innerhalb ihres Programms „Altersgerecht Umbauen“ zinsgünstige Kredite von bis zu 50.000 Euro pro Wohneinheit – auch für Mietobjekte und den Kauf bereits modernisierter Immobilien.

4180 Euro pro Maßnahme von der Pflegekasse

Menschen mit anerkanntem Pflegegrad erhalten zudem einen Umbau-Zuschuss von bis zu 4180 Euro pro Maßnahme von ihrer Pflegekasse – etwa für bodengleiche Duschen, Haltegriffe, Türanpassungen, Rampen oder Lifte. Bei mehreren Pflegebedürftigen im Haushalt sind bis zu 16.720 Euro möglich.

Einige Bundesländer und auch Gemeinden fördern das Umbauen durch zusätzliche Zuschüsse oder Beratungshilfen. Hier lohnt sich der Blick in die Förderdatenbank des Bundes und der Länder oder in das Angebot der kommunalen Förderstellen. „Oft ist es die clevere Kombination verschiedener Programme, die eine Modernisierung wirtschaftlich attraktiv macht“, erklärt Baufinanzierungsexperte Oberländer.

Wichtig sind eine vorausschauende Planung, die richtige fachliche Beratung – und vor allem die rechtzeitige Antragstellung. So müssen Förderanträge grundsätzlich immer vor dem Baubeginn auf den Weg gebracht worden sein. „Der häufigste Fehler ist, erst mit dem Umbau zu starten und sich dann um die Förderung zu kümmern. Dann ist es meist zu spät“, warnt Oberländer.

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Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.

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