Pfälzische Geschichte RHEINPFALZ Plus Artikel Auf dem Pulverfass

Blick auf die Air Base Ramstein. Ein Teilstück der Autobahn Mannheim – Saarbrücken bildet im Übrigen in den 1950ern die erste La
Blick auf die Air Base Ramstein. Ein Teilstück der Autobahn Mannheim – Saarbrücken bildet im Übrigen in den 1950ern die erste Landebahn.

Wiederbewaffnung und Westintegration schlagen auch in der Pfalz Wellen. Sogar in der DDR interessiert man sich in den 1950ern für das Leben in der Region.

Wenn’s drauf ankommt, nimmt man, was man kriegen kann – und lässt Patriotismus anklingen: „Der Zustand in der Pfalz ist ein Signal für jeden Deutschen, alles daranzusetzen, um die tödliche Kriegsgefahr abzuwenden, die nicht nur die Rheinpfalz, sondern ganz Deutschland bedroht“, so eine Schrift der DDR-Parteienorganisation („Pulverfass Rheinland-Pfalz“).

Man schreibt das Jahr 1954 – und die Pläne für die deutsche Wiederbewaffnung und die Integration einer neuen deutschen Armee in den Kreis der Westmächte werden konkreter. Die sollten ursprünglich im Rahmen der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft EVG stattfinden. Das Projekt scheitert 1954 am Widerstand Frankreichs – letztlich an der Frage, wie viel nationale Souveränität man abgeben will und wie stark man Deutschland im Rahmen des Bündnisses kontrollieren soll. In die Verhandlungen hatte sich die Sowjetunion schon 1952 mit der berühmten „Stalin-Note“ an die Westmächte eingemischt – also dem Angebot der deutschen Wiedervereinigung als neutraler, blockfreier Staat. Ob das Angebot ernst gemeint war, wird bis heute kontrovers diskutiert.

NATO statt Europäischer Lösung

Faktisch wird dann 1954 auf der Londoner Neunmächtekonferenz der NATO-Beitritt Deutschlands im folgenden Jahr vorbereitet. Und Fakten hatten die USA ja schon zuvor mit ihrer verstärkten Militärpräsenz auch in der Pfalz geschaffen, da hat die DDR-Schrift, obschon Propaganda, nicht völlig unrecht. Die heutige Air Base Ramstein beispielsweise wird schon ab 1951 aufgebaut.

Aus dem Spätjahr 1953 stammt die Handreichung „An American Airman in the French Zone“, kleiner Reiseführer für die neu in der Pfalz stationierten US-Piloten. Und auch der ist ziemlich aufschlussreich dafür, wie man auf die Region blickt. „Um diese Leute zu verstehen, muss man mit ihnen reden und sie so behandeln, wie wir unsere Großmütter und Großväter behandeln würden“, so die Schrift.

Die Kolumne

Die „Pfälzische Geschichte“ erscheint alle 14 Tage in der RHEINPFALZ am SONNTAG. Rund 300 Folgen gibt es inzwischen. Die Texte versuchen, über die Geschichte der Region hinaus auch Schlaglichter auf größere Zusammenhänge zu werfen. Im Bewusstsein, dass die Gegenwart kaum zu verstehen ist, wenn man ihre Genese nicht kennt. Die vorige Folge der „Pfälzischen Geschichte“ finden Sie hier: „Die Elektrifizierung der Pfalz: Es werde Strom!“.

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