Alltagsmanager RHEINPFALZ Plus Artikel Abgelaufen: Essen nicht gleich wegwerfen

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Oft landen Lebensmittel im Müll, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist. Dabei ist vieles noch gut. Wer das prüft, schont auch den Geldbeutel.

Jedes Jahr werden Lebensmittel im Wert von rund 20 Milliarden Euro weggeworfen. Das hat laut der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz unterschiedliche Gründe. Mal wird zu viel gekocht und der Rest nicht weiterverwendet, mal werden Obst und Gemüse falsch gelagert und schimmeln dann. Und oft vergessen die Menschen Produkte in der Speisekammer oder im hinteren Teil des Kühlschranks und finden sie erst wieder, nachdem sie lange abgelaufen sind, das Mindesthaltbarkeitsdatum also überschritten ist.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum, kurz MHD, wird mittlerweile seit über 40 Jahren auf verpackten Lebensmitteln abgedruckt. Seit dem 22. Dezember 1981 ist es gesetzlich vorgeschrieben. Hat ein Lebensmittel das MHD überschritten, darf es im Handel nicht weiter verkauft werden.

Doch Achtung: Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist nur eine Richtlinie und nicht alles muss gleich in die Tonne. Laut Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung bedeutet dieses Datum, dass das Produkt ab diesem Zeitpunkt seinen Geschmack, seine Farbe, den Geruch und seine Nährwerte verliert. Natürlich nicht von einem Tag auf den anderen, aber eben mit der Zeit.

Nudeln, Mehl, Zucker halten ewig

Gerade Trockenprodukte wie Nudeln, Mehl und Zucker sowie Konserven sind meistens deutlich länger haltbar als auf der Packung angegeben. Das heißt: Die Nudeln können auch noch Jahre nach dem MHD gegessen werden, das Mehl kann weiterhin verbacken werden – vorausgesetzt, es wurde trocken und gut verschlossen gelagert, sodass sich keine Schädlinge wie Motten einnisten konnten.

Auch das Obst in der Dose lässt sich meist noch Jahre nach dem MHD verzehren – es kann allerdings sein, dass die Aprikosen vielleicht nicht mehr ganz so gelb in der Farbe sind. Gesundheitlich ist das aber völlig unbedenklich.

Bei Nudeln, geschlossenen Marmeladengläsern, Nüssen, Müsli, Quark, Joghurt, Schmand, Gewürzen, Tee, Keksen, Gebäck, Mehl oder dem Dosenobst kann sich der Verbraucher getrost auf seine Sinne verlassen: Auge, Nase und Mund sind in der Regel verlässliche Helfer, um abgelaufene Lebensmittel zu erkennen.

Vorsicht bei Verfärbungen

Das Produkt mit überschrittenem MHD sollte dabei ganz genau unter die Lupe genommen werden: Sieht es anders aus, als man es gewohnt ist? Hat es Verfärbungen oder gar sichtbaren Schimmel? Riecht es irgendwie komisch? Wenn das Produkt den Geschmackstest besteht, kann es getrost gegessen werden. Wenn es ranzig oder ungewohnt bitter schmeckt, gilt: lieber ab damit in die Tonne. Das gilt auch bei sichtbarem Schimmel oder modrigem oder fauligem Geruch.

Vorsichtiger sollten die Verbraucher bei frischen Lebensmitteln sein, also Eiern, Fisch oder Fleisch. Da die leicht verderblich sind, muss auf der Verpackung das sogenannte „Verfallsdatum“ stehen. Das Verfallsdatum gibt an, ab wann das Produkt krank machen könnte, und sollte daher ernst genommen werden.

Ist das Verfallsdatum überschritten, sollte das Lebensmittel in den Abfall wandern.

Bei Produkten mit Verfallsdatum ist zudem oft angegeben, bei welcher Temperatur das Produkt am besten gekühlt wird, zum Beispiel bei Hackfleisch, Geflügel oder frischen Bratwürsten. Beim Einkauf von Fleisch und Fisch ist es vor allem im Sommer gut, eine Kühlbox dabeizuhaben. So bleiben empfindliche Produkte nicht nur länger haltbar – der Kühlschrank braucht auch weniger Energie, um die eingekauften Waren wieder herunterzukühlen.

Fehlende Wertschätzung des Essens

Laut der Verbraucherzentrale werfen vor allem junge Erwachsene unter 30 Jahren, Haushalte mit mehr als zwei Personen, Verbraucher mit einem überdurchschnittlichen Einkommen und einem hohen Bildungsgrad mehr Lebensmittel weg als der Durchschnittsbürger. Besonders sorgsam gehen hingegen Ältere über 50 Jahre, Rentner und Arbeitslose mit den Lebensmitteln um.

Die Verbraucherzentrale führt die fehlende Wertschätzung von Essen darauf zurück, dass in einem Wohlstandsland wie Deutschland das Essen rund um die Uhr zur Verfügung steht und Lebensmittel in den vergangenen Jahrzehnten immer billiger geworden sind. Im Jahr 1950 lagen die Ausgaben für Nahrungsmittel bei 50 Prozent des Haushaltseinkommens. Im Juli 2022 waren es laut Statistischem Bundesamt 15 Prozent – diese Zahl dürfte aktuell durch die steigende Inflation zwar höher sein, von den 50 Prozent sind wir aber noch weit entfernt.

75 Kilogramm Lebensmittel werden in Deutschland pro Jahr und Kopf weggeschmissen. Viel zu viel, findet die Verbraucherzentrale. Um Lebensmittelabfälle zu verringern, gibt sie folgende Tipps: Beim Einkaufen einen Einkaufszettel verwenden, die Größe der Packungen beachten und nur nach Bedarf einkaufen, die Lebensmittel bewusst auswählen, die Haltbarkeit beachten, regelmäßig die Vorräte im Haus kontrollieren und nach MHD sortieren, Lebensmittel richtig lagern und angebrochene Packungen und Reste immer verwerten.

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