Rheinland-Pfalz Warum ist Kaiserslautern ...?

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Manchmal spuckt Googles Autovervollständigung wirklich bizarre Seltsamkeiten aus.

Etwa drei Jahre dauerte es, bis Bettina Wulff Google bezwungen hatte. Wer bei der Internet-Suchmaschine etwas eintippt, bekommt automatisch weitere, vermeintlich passende Begriffe angezeigt. Und die waren im Falle der Mittlerweile-wieder-Gattin des Mittlerweile-nicht-mehr-Bundespräsidenten Christian Wulff vor allem rotlichtig: Auf dem Bildschirm erschienen Andeutungen zu, nun ja, unbürgerlichen beruflichen Tätigkeiten, obgleich sie denen nach eigenen Angaben niemals nachgegangen war.

Google gibt sich unschuldig

Google allerdings gab sich unschuldig: Angezeigt würden die anzüglichen Wörter in diesem Moment doch nur, weil Nutzer sie nun einmal besonders oft mit Bettina Wulffs Namen kombinierten. Erst angesichts eines drohenden Gerichtsurteils gab der Internetkonzern nach und bereinigte seine Ergänzungsautomatik. Wer heute das Netz nach der 43-Jährigen durchforsten will, bekommt zu ihrem Namen zum Beispiel „Neuer Freund“, „Hochzeit“ und „Tattoo“ geliefert. Doch wer sich nicht so beharrlich wie die PR-Beraterin wehrt, kann weiterhin in schlüpfrigem Kontext landen.

Warum nur?

Das widerfährt etwa einem deutschen Wort, das, ausgerechnet, vor allem Kinder lieben. Wer „warum“ in die Google-Suchmaske tippte, bekam bis vor wenigen Tagen dazu die Worte „liegt hier Stroh rum“ angezeigt. So bildete sich ganz von selbst ein Fragesatz, der aus dem im Jahr 2002 veröffentlichten Film „Achtzehneinhalb 18“ stammt. Dort spricht ihn ein maskierter Mann, der sich von einer jungen und sehr knapp bekleideten Frau in einem offenbar landwirtschaftlich genutzten Kabuff zunächst einen Stromverteilerkasten zeigen und dann die Hose öffnen lässt.

Warum ist DIE RHEINPFALZ ...?

Im Nachhinein wurde die Szene zum oft zitierten Musterbeispiel für Dialoge, die in Pornos ebenso bemüht wie erfolglos so etwas wie Handlung jenseits der eigentlichen Handlung vorgaukeln sollen. Was erklärt, warum ausgerechnet das Herumliegen von Stroh so viele Google-Nutzer zu quälen scheint. Andere Ergänzungsvorschläge hingegen bleiben beständig rätselhaft. Wer beispielsweise das wichtigste deutsche Interrogativadverb mit dem Namen der wichtigsten Pfälzer Zeitung kombiniert, kann die sinnlose Frage lesen: „Warum ist DIE RHEINPFALZ aufgebaut?“

Warum ist Mainz ...?

Die Kombination mit dem Namen der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt hingegen führt zu ausgesprochen guten Fragen. Nur dass es auf sie keine sinnvollen Antworten gibt, jedenfalls nicht aus außerrheinhessischer Perspektive: „Warum ist Mainz so teuer?“, dafür wird einem Pfälzer genauso wenig eine Erklärung einfallen wie für: „Warum ist Mainz eine besonders wichtige Stadt in Rheinland-Pfalz?“ Unterm Strich kommt Mainz mit diesen Infragestellungen seiner Bedeutung aber immer noch besser weg als die andere Dom- und Fasnachtsstadt am Rhein.

Warum ist Ludwigshafen ...?

Denn über das altehrwürdige Köln wollen Internet-Nutzer offensichtlich vor allem wissen, warum es „so hässlich“ ist. Dabei hätten zumindest ein paar wenige und besonders bösartige Menschen just diese Kombination naheliegender Suchbegriffe vielleicht doch eher in Zusammenhang mit Ludwigshafen erwartet. Aber die größte Stadt der Pfalz kommt bei den Warum-Fragen auf Google recht schadlos weg: „Warum ist Ludwigshafen eine bedeutende Stadt?“ „Warum ist die BASF in Ludwigshafen?“ „Warum ist der Europaplatz in Ludwigshafen gesperrt?“

Warum ist Google ...?

Den Satz „Warum ist Kaiserslautern“ hingegen möchte Google am liebsten mit „die Stadt der Inzucht“ vervollständigen. Was nicht nur herabwürdigend, sondern auch noch schlüpfrig ist. Die Westpfalz-Metropole ist somit quasi die Bettina Wulff unter den Großstädten. Doch selbst die PR-Beraterin musste fast drei Jahre lang kämpfen, ehe Google seine Ergänzungsautomatik bereinigte. Vielleicht sollte sich Kaiserslautern einen Verbündeten suchen: einen großen, mächtigen und reichen Internet-Konzern, den die Suchmaschine ebenfalls schmäht. Zum Beispiel als „dumm“. Dieses Adjektiv schlägt Google vor, wenn man „Warum ist Google“ eingibt.

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