Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel US-Zölle: Für Winzer keine Hoffnung auf Lockerung

In Washington trifft die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP) Daniel Whitley, der im US-Landwirtscha
In Washington trifft die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP) Daniel Whitley, der im US-Landwirtschaftsministerium für Außenhandel zuständig ist. Journalistenfragen lässt die Administration nicht zu.

Für die Weinwirtschaft und andere Unternehmen bleiben die USA ein von Unsicherheiten geprägter Markt. Welche Hilfe die Landesregierung anbietet.

In den Gesichtern steht Ernüchterung, als Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) und Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP) während ihrer Delegationsreise nach Washington von einem Gespräch in der Außenhandelskammer der USA zurückkommen. Die Botschaft ist klar: Zölle, das Lieblingsinstrument aus dem politischen Werkzeugkasten von US-Präsident Donald Trump, werden sicherlich nicht zurückgenommen.

Für Winzerinnen und Winzer ist das nicht neu. Im Gegenteil: Die 15 Prozent, die zwischen der Europäischen Union und den USA ausgehandelt wurden, bedeuten sogar eine Reduktion. Denn 2021 wurde ein Aufschlag von 25 Prozent auf Wein eingeführt, den die Regierung von Joe Biden nicht zurückgenommen hat.

Rückgang der Exporte

Diese Zollpolitik ist nach Darstellung des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministeriums ein Grund dafür, dass der Export deutscher Weine zurückgegangen ist. Lag er im Jahr 2020 noch bei 143.000 Hektolitern im Wert von rund 67 Millionen Euro, so waren es 2023 nur noch 130.000 Hektoliter im Wert von 62 Millionen Euro. Trotzdem erholten sich die Ausfuhren im vergangenen Jahr leicht auf 133.000 Hektoliter im Wert von 63 Millionen Euro.

Wenn von deutschen Weinexporten in die USA die Rede ist, dann bedeutet das den Angaben nach, dass etwa 85 bis 90 Prozent davon aus den Anbauregionen Mosel, Rheinhessen, Pfalz und Nahe kommen. Gefragt sei vor allem der Riesling. Nach den Niederlanden sind die USA mit 16 Prozent der zweitgrößte Importeur deutscher Weine, danach folgt Polen.

Ein Termin, den Schmitt im Agrarministerium für ein Gespräch über Absatzchancen in den USA nutzen wollte, offenbarte wohl noch einmal die Realitäten in der Regierung Trump.

Kein Wort zu Journalisten

Öffentlich wollte sich Daniel Whitley, der im Landwirtschaftsministerium für die Außenbeziehungen zuständig ist, allerdings gar nicht äußern. Als er bei der Begrüßung Schmitts und der Delegation, der auch Landtagsabgeordnete angehörten, mit einer Journalistenfrage konfrontiert wurde, kam sofort eine Mitarbeiterin und unterbrach mit dem Hinweis, nun müsse ein Gruppenfoto gemacht werden. Bei den Gesprächen in der Außenhandelskammer oder bei anderen Terminen mit Regierungsvertretern kamen die mitgereisten rheinland-pfälzischen Journalistinnen und Journalisten nicht einmal in die Nähe, um einen Frageversuch zu unternehmen. Auch das ist eine Erfahrung in den USA im Jahr 2025.

Amerika bleibt attraktiver Markt

Die Hoffnung auf eine Lockerung der Zölle haben die Gespräche mit der Trump-Administration nach Angaben der Teilnehmenden zwar zunichtegemacht, dennoch bleibt Schmitt davon überzeugt: „Amerika ist ein attraktiver Markt mit Potenzial für qualitativ hochwertige Weine.“ Insbesondere junge Winzer und Winzerinnen seien gerade dabei, sich den Markt neu zu erschließen. Hilfe dafür gibt es aus dem Ministerium: Der Etat für die Weinwerbung wurde im Doppelhaushalt 2025/26 von einem sechsstelligen Betrag auf drei Millionen Euro erhöht.

Es gibt Werbekampagnen mit Titeln wie „Prost every Moment“ und auf einem rheinland-pfälzischen Gemeinschaftsstand auf der „Vinexpo America“ in Miami/Florida waren nach Ministeriumsangaben 16 Aussteller vertreten. Nicht zuletzt das von Rheinland-Pfalz zusammen mit der deutschen Botschaft in Washington ausgerichtete Fest zum Tag der Deutschen Einheit, das bereits am 30. September mit mehr als 2000 Gästen gefeiert wurde, kann als Werbeaktion für rheinland-pfälzischen Wein gelten. „Er wurde als Kulturgut, als Genussmittel präsentiert“, sagte Schmitt.

LVU-Vizepräsident: Erratisches Verhalten der Regierung

Die Zoll- und Wirtschaftspolitik der USA macht in Rheinland-Pfalz längst nicht nur der Weinwirtschaft zu schaffen. Sebastian Schäfer, Vizepräsident der Landesvereinigung der Unternehmerverbände (LVU) Rheinland-Pfalz, und Geschäftsführer des Katalysatorenherstellers Grace Europe Holding GmbH mit Sitz in Worms und in den USA nimmt ebenfalls an der Delegationsreise teil. „An die Zölle versuchen wir uns zu gewöhnen“, sagt Schäfer. Es seien auf beiden Seiten des Atlantiks herausfordernde Zeiten.

Schwieriger als das Thema Zölle sei ein anderer Part. „Es gibt eine Verunsicherung aufgrund des erratischen Verhaltens der neuen Regierung. Das verlangsamt den wirtschaftlichen Prozess und macht Investitionen schwerer planbar.“ Aus den Gesprächen mit Regierungsvertretern, die er in Schweitzers Delegation wahrnehmen konnte, habe er eine neue Erkenntnis gewonnen. „Unterhalb der politischen Ebene versucht die Arbeitsebene, die Bedingungen zu stabilisieren.“

Schweitzer: Blicke unruhig auf Wirtschaftspolitik

Ministerpräsident Schweitzer sagte am Mittwoch im Gespräch mit Journalistinnen und Journalisten vor dem Rückflug nach Deutschland: „Ich blicke auf die Wirtschaftspolitik so unruhig, wie ich gekommen bin.“ Die Unsicherheit für die Unternehmen sei da, sie habe sich nicht gelegt. Was er gegenüber der Bundesregierung anregen wolle, sei ein Austausch für Auszubildende oder Arbeitnehmer.

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