Rheinland-Pfalz
Tag der Deutschen Einheit in den USA: Pfälzer Wein und politische Träume (mit Bildergalerie)
Es könnte mit am Wein liegen, der an diesem Abend reichlich fließt. Jedenfalls ist die Stimmung am Dienstagabend auf dem weitläufigen Gelände der Residenz des deutschen Botschafters in Washington ausgesprochen gelöst. Mehr als 2000 Menschen sind der Einladung gefolgt, dort im Garten den Tag der Deutschen Einheit zu feiern. Rheinland-Pfalz richtet das Fest in diesem Jahr zusammen mit der Botschaft aus, deshalb ist Regierungschef Alexander Schweitzer (SPD) mit einer großen Delegation angereist.
Vor den drei Bühnen, im Biergarten, am sogenannten Veteranenstammtisch oder in den Schlangen vor den Essens- und Getränkeständen ist überwiegend Englisch, aber auch immer wieder Deutsch zu hören. Shawn Wells bemüht sich, die deutschen Namen richtig auszusprechen. Dass er Rheinland-Pfälzer, Pfälzer oder gar Kaiserslauterer an dem Abend trifft, freut ihn sichtlich. Von 2014 bis 2016 war Wells zweiter Kommandeur der U.S. Army Garrison in Rheinland-Pfalz. Damals war Schweitzers Vorgängerin Malu Dreyer (SPD) noch im Amt, jetzt will er wissen, wie der Neue ist. Den Namen der Kaiserslauterer Oberbürgermeisterin Beate Kimmel hat er sich herausgesucht, auch sie war zu seiner Zeit in der Pfalz noch nicht im Amt. Mindestens sie wird er an dem Abend kennenlernen. Es wird eine gegenseitige Versicherung der Wertschätzung, der Dankbarkeit – für die Gastfreundschaft, für die Sicherheit, für das Miteinander.
Grüße von Minister Rubio
Auf der großen Bühne geht es bei der Eröffnung genau um diese Themen: Der deutsche Botschafter Jens Hanefeld erinnert daran, dass die Deutsche Einheit vor 35 Jahren nicht möglich gewesen wäre, ohne dass auch die Amerikaner zugestimmt hätten. Er bedankt sich für Partnerschaft, Freundschaft und Schutz. Der Veteranenminister im Kabinett Trump, Douglas Collins, bedankt sich für die Gastfreundschaft und für die Großzügigkeit Deutschlands gegenüber den stationierten Truppen. Ramstein und Landstuhl im Kreis Kaiserslautern erwähnt er namentlich.
Aus dem Außenministerium bringt Staatssekretärin Allison Hooker Grüße von Minister Marco Rubio. Auch sie spricht von Freundschaften, von Nachbarn, die gemeinsam feiern. Bevor Schweitzer in fließendem Englisch seine Rede vor den Gästen hält und zum Schluss Weinkönigin Denise Stripf auf die Bühne holt, ist es der republikanische Senator Lindsey Graham, der in wenigen Worten die Menschen berührt. Als er 1988 die Rhein-Main-Airbase in Frankfurt nach mehr als vier Jahren verlassen habe, hätte er sich eine deutsche Wiedervereinigung nicht träumen lassen, sagt er. Und doch wurde sie bald darauf Realität. Deshalb könne das Unvorstellbare wahr werden. Dann könnte auch der Konflikt zwischen Gaza und Israel enden und jener zwischen Russland und der Ukraine.
Unaufgeregte Amerikaner
Zur gleichen Stunde steckt das politische Washington in einer Krise fest, und es ist schon klar, dass um Mitternacht die Haushaltssperre in Kraft treten wird. Viele Museen bleiben geschlossen, das staatliche öffentliche Leben wird auf ein Minimum reduziert, die Beschäftigten werden nach Hause geschickt – ohne Lohnausgleich. Das ist in den Gesprächen immer wieder Thema, aber die Amerikaner versetzt das ganz offensichtlich nicht in Aufregung. Die mit Spannung erwartete Rede ihres Präsidenten Donald Trump vor den Generälen am gleichen Tag ebenfalls nicht.
Er habe nichts Neues verkündet, sagt ein Mann, der sich als Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums vorstellt. Er sagt „Defense“, also „Verteidigung“, dabei ist die Umbenennung in „Kriegsministerium“ bereits ausgerufen. Darauf angesprochen, verweist er auf die fehlende Bestätigung durch den Kongress. Sagt das etwas über die Nähe oder Distanz zur Regierung von Donald Trump aus? Sicher.
1000 Flaschen Wein
Der US-Präsident spielt auf dem Botschaftsfest indirekt eine Rolle. Dem Ort, aus dem seine Großeltern einst ausgewandert sind, ist ein ganzer Raum gewidmet: Kallstadt im Kreis Bad Dürkheim. „Hiwwe wie driwwe“ steht auf einem großen Bildschirm, wo Kallstadter Wein des Weinguts Köhler-Ruprecht ausgeschenkt wird – je 60 Flaschen Riesling aus der Lage „Kallstadter Saumagen“ und Spätburgunder. Am Ende des Festes ist auch der Rotwein leer, der Riesling hat deutlich kürzer gehalten, berichtet Thomas Jaworek (CDU). Der Ortsbürgermeister von Kallstadt ist Mitglied von Schweitzers Delegation.
Doch es gibt noch viel mehr Wein aus Rheinland-Pfalz. 1000 Flaschen sind laut Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP) für das Fest über den Teich geschickt worden– plus Sekt für die Begrüßung. Dazu werden Häppchen gereicht, etwa aufgespießter Saumagen mit Sauerkraut oder auch Brezel mit Spundekäs. Shawn Wells, der frühere Kommandeur, genießt es. Er will unbedingt noch einmal nach Rheinland-Pfalz reisen, seiner Tochter das Land vorstellen – und mit ihr ein FCK-Spiel besuchen.