Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzer Weine für Deutsche Botschafter

Deutsche Botschafter bekommen jedes Jahr eine Weinliste mit Empfehlungen: Sie können diese Weine und Sekte dann für Empfänge im
Deutsche Botschafter bekommen jedes Jahr eine Weinliste mit Empfehlungen: Sie können diese Weine und Sekte dann für Empfänge im Ausland bestellen.

Das Auswärtige Amt gibt jedes Jahr eine Liste mit Weinempfehlungen für Diplomaten heraus. Pfälzer Winzer sind dort gut vertreten.

Kasachstan, Mexiko und Serbien – die Deutschen Botschaften dieser Länder in Zentralasien, Mittelamerika und Südeuropa haben vor einiger Zeit Pakete aus der Pfalz bekommen. Gefüllt waren sie mit Wein des Weinguts Petri aus Herxheim am Berg. Denn ein im Holzfass ausgebauter Chardonnay des Familienbetriebs im Kreis Bad Dürkheim stand im vergangenen Jahr auf einer Empfehlungsliste mit Weinen und Sekten, die das Auswärtige Amt den Deutschen Botschaften in aller Welt zur Verfügung stellt. Diese Liste wird jedes Jahr neu ausgearbeitet.

Nach einem zweistufigen Auswahlverfahren, an dem das Deutsche Weininstitut als Marketingorganisation der Deutschen Weinwirtschaft und das Auswärtige Amt beteiligt sind, bleiben von mehr als 400 Anmeldungen etwa zwei Dutzend Weine und Sekte übrig, die es als „flüssige Botschafter“ auf die Diplomatenliste schaffen. Vier der 27 gelisteten Weine und Sekte kamen 2024 von Pfälzer Betrieben. Vergangenes Jahr kamen von den 24 Weinempfehlungen sogar sieben aus der Pfalz. Die aktuelle Ausschreibung läuft – diese Woche konnten die Winzer ihre Probeflaschen einreichen. Es sind nicht nur hochpreisige Erzeugnisse gefragt, sondern solche aller Preiskategorien. „Die Liste umfasst sowohl Weine für hochrangige gesetzte Essen als auch solche, die sich für größere Empfänge, etwa Sommerveranstaltungen mit vielen Gästen, eignen“, heißt es vom Auswärtigen Amt.

Winzer Petri: „Cool, wenn jemand Freude mit unserem Wein hat“

Winzer Maximilian Petri sagt, der Herxheimer Betrieb habe sich in den vergangenen Jahren „immer mal wieder“ an der Ausschreibung beteiligt, sei 2025 erstmals zum Zug gekommen. Für das Weingut sei das eine gute Sache: „Es ist immer cool, wenn man weiß, dass an irgendeinem Zipfel der Welt jemand Freude mit unseren Weinen hat.“ Es sei auch Werbung, wenn der eigene Wein auf der Diplomatenliste stehe, und die Privatkunden fühlten sich in ihrer Wahl bestätigt. Natürlich habe mit der Listung auch die Hoffnung mitgeschwungen, dass ein Weinhändler bei einem Botschaftsempfang den Chardonnay probiere und bestelle, erzählt Petri. Er bleibt aber realistisch: „Das wäre viel Glück, wenn das passieren würde.“

Apropos Glück: Dass ein Wein auf der Liste des Auswärtigen Amtes landet, bedeutet nicht, dass die 154 Deutschen Botschaften, 50 Generalkonsulate und sieben Konsulate ihn dann auch bestellen. „Eine Verpflichtung, ausschließlich die gelisteten Weine zu beziehen, besteht nicht“, sagt ein Sprecher des Auswärtigen Amtes und fügt an: „Die Liste wird von den Auslandsvertretungen jedoch als hilfreiches Instrument geschätzt und regelmäßig genutzt.“

Die Hoffnung auf Bestellungen hat sich nicht erfüllt

Hört man sich bei Pfälzer Winzern um, die auf der Diplomatenliste stehen und standen, sind die Erfahrungen unterschiedlich. Während die Bioland-Weinmanufaktur Schwarztrauber in Neustadt-Mußbach (2024 auf der Liste mit einem Chardonnay) von „positiver Zusammenarbeit“ mit dem Auswärtigen Amt berichtet, sind die Erfahrungen anderer Weingüter ernüchternd. So heißt es vom Weingut Kneisel in Grünstadt-Asselheim (Kreis Bad Dürkheim), dessen Blanc de Noir 2024 auf der Liste stand, dass gar keine Bestellung eingegangen sei. „Wir hatten die Hoffnung, dass etwas bestellt wird“, sagt Agathe Kneisel.

Beim Weinhaus Zöller in Kirrweiler (Kreis Südliche Weinstraße), das 2023 mit einem Gewürztraminer Spätlese vertreten war, blieb die Anzahl der Bestellungen ebenso überschaubar wie beim Weingut Wilker in Pleisweiler-Oberhofen (Kreis Südliche Weinstraße), das mit einem Sauvignon blanc auf der 2023-Liste vertreten war. „Unserem Weingut hat’s nichts gebracht“, resümiert Cordula Scholz vom Weingut Wilker, es habe lediglich eine „kleine Bestellung“ gegeben. Und Judith Zöller aus Kirrweiler sagt: „Wir haben auf ein Folgegeschäft gehofft“, aber es sei bei einmalig 60 Flaschen für Paris geblieben.

Weine des Kindenheimer Weinguts Neiss waren sowohl 2025 als auch 2024 auf der Liste (Cabernet Sauvignon, Rotwein-Cuvée) – und Katja Neiß hat an die Botschaften in Mexiko und Italien Weine verschickt, pro Bestellung 60 oder 90 Flaschen. Sie sagt aber auch: „Es hat so gut wie keine Außenwirkung.“ Mehr bringe es, wenn die Weine des Weinguts aus dem Kreis Bad Dürkheim bei Händlern in Deutschland gut platziert seien.

In Berlin wird deutscher Wein gereicht. Und anderswo?

Dass bei Banketten in Berlin Wein aus Deutschland gereicht wird, versteht sich von selbst. Als Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Februar in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, zu einem Empfang in ein Hotel geladen hatte, wurden allerdings Weine aus Neuseeland und Argentinien serviert. Die Weinauswahl habe das Hotel getroffen, das auch für das Catering verantwortlich war, hieß es im Nachgang als Erklärung.

Aber wie ist es sonst im Ausland? Müssen Deutsche Botschaften Weine aus der Heimat einfliegen lassen, oder dürfen sie auch Wein aus anderen Ländern ausschenken? Der Sprecher des Auswärtigen Amtes sagt: „Grundsätzlich wird deutscher Wein von den Auslandsvertretungen bevorzugt ausgeschenkt, da er für hohe Qualität steht und zugleich ein wichtiges kulturelles Aushängeschild Deutschlands darstellt. Eine verpflichtende ausschließliche Verwendung deutscher Weine besteht jedoch nicht. Insbesondere in Ländern mit eingeschränkter Verfügbarkeit oder logistischen Herausforderungen beim Import kann dies nicht immer umgesetzt werden.“

Die RHEINPFALZ hat auch bei drei Botschaften nachgefragt, ob sie die Weinempfehlungslisten des Auswärtigen Amtes nutzen und wie viel Wein im Schnitt in der jeweiligen Botschaft ausgeschenkt wird. Die Antwort war ein diplomatisches Schweigen.

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