rheinland-pfalz
„Panik bringt nichts“: Was ein Energie-Experte empfiehlt
Welche Alternativen beim Heizen gibt es?
„Mittelfristig müssen wir weg von Heizöl und Erdgas“, sagt Hans Weinreuter, 62, Fachbereichsleiter Energie und Bauen der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Für Hausbesitzer ist die Wärmepumpe die wichtigste Alternative beim Heizen – und Wärmedämmung sinnvoll. Die Heizungsregelung sollte optimiert werden. Energie sparen können alle, auch Mieter: etwa die Raumtemperatur senken, Heizzeiten den Anwesenheitszeiten anpassen – programmierbare Thermostatventile können helfen. Und: kürzer duschen.
Machen mobile elektrische Heizlüfter Sinn?
Mobile Heizgeräte mit Strom können nur eine Notlösung sein und auch nicht für die ganze Wohnung. Das macht nur dann Sinn, wenn kein Erdgas mehr fließt oder wenn Gas teurer als Strom sein sollte. Beides ist im Moment nicht der Fall.
Was ist beim Einbau von Pellet-/Holzbrennöfen zu beachten?
Auf jeden Fall mit dem Schornsteinfeger abstimmen, damit die Abgase sicher abgeleitet werden. Außerdem muss der Brandschutz beachtet werden. Der Experte empfiehlt raumluftunabhängige Öfen möglichst mit einem eingebauten Feinstaubfilter oder Staub-Abscheider.
Was bringen Solarkollektoren?
Solarkollektoren für Warmwasser und Heizungsunterstützung können nur einen eher geringeren Teil der Wärme liefern: beim Warmwasser 50 Prozent und bei Anlagen für Heizung und Warmwasser insgesamt zwischen zehn und 30 Prozent.
Wie schnell ist das machbar?
Größere Umbauten dürften kaum noch in diesem Jahr umsetzbar sein. Experte Weinreuter rechnet für das Umrüsten auf Wärmepumpen sogar damit, dass dies nicht vor 2024 realistisch ist. „Es sei denn, Sie haben einen guten Draht zu einem Handwerker.“ Hinzu kommen aber die bekannten Lieferschwierigkeiten von Material.
Wie sinnvoll sind Vorräte?
Die Psychologie und die Angst spielen jetzt eine große Rolle, sagt der Experte. Baumärkte leer zu kaufen bringe aber nichts – auch nicht Panik.
Ist ein Vorrat an Gasflaschen dennoch sicher und sinnvoll?
Gasflaschen machen aus Sicht Weinreuters wenig Sinn – allenfalls, wenn man mit Gas kocht und ein passendes Kochfeld hat. Eine technische Herausforderung sind die richtigen und sicheren Anschlüsse, die Profis einbauen sollten. Für die Heizung sind Gasflaschen keine Option – sie sind zudem teurer als Erdgas.
Hilft es, sich jetzt Notstromaggregate zu kaufen?
Aus Expertensicht ist das nicht sinnvoll, da die Stromversorgung kein Problem darstellt.
Wie groß ist die Nachfrage von Rheinland-Pfälzern bei den Energie-Experten?
Die Verbraucherzentrale wird eigenen Angaben zufolge überrannt mit Anfragen. „Wir sind am Anschlag“, sagt der 62-jährige Physiker Weinreuter. Beratungstermine sind langfristig ausgebucht. Meist geht es bei den Sorgen ums Geld und eine tragfähige Entscheidung für die Zukunft. Neben den klassischen Fragen nach Alternativen zur Gas- oder Ölheizung steht die Photovoltaik hoch im Kurs oder die Wärmedämmung. Hinzu kommen Fragen nach kurzfristigen Alternativen, falls im Winter die Gasversorgung eingestellt wird.
Info
www.Verbraucherzentrale-rlp.de
Termine zur Energiesparberatung sind unter 0800 60 75 600 oder energie@vz-rlp.de zu vereinbaren.
Wie sich Pfälzer Kommunen auf die Energiekrise vorbereiten, lesen Sie hier