Rheinland-Pfalz Neues „Waldhof“-Gutachten?

Placeholder-Image

Köln (lrs/jüm). Die Havarie des Säuretankers „Waldhof“ auf dem Rhein mit zwei Toten wird noch einmal untersucht. Das Unglück vor vier Jahren sei möglicherweise nicht allein auf die mangelnde Stabilität des Tankers zurückzuführen, so gestern die Vorsitzende Richterin im Berufungsverfahren am Oberlandesgericht Köln, Anke Eilers. Vielleicht sei auch die Besatzung des entgegenkommenden Schiffes „Akropolis“ mitverantwortlich gewesen.

Das Urteil in erster Instanz sei „mit Verfahrensfehlern behaftet“ gewesen, sagte Eilers. Es sei daher notwendig, weitere Beweise zu erheben. Zwar stehe fest, dass die „Waldhof“ instabil beladen gewesen sei. Deshalb hätte man niemals mit ihr fahren dürfen. Aber möglicherweise sei das nicht die alleinige Ursache gewesen. Die „Waldhof“-Reederei verlangt von der Reederei des belgischen Containerschiffs „Akropolis“ 1,5 Millionen Euro Schadensersatz. Sie wirft den Belgiern vor, sie hätten den Säuretanker oberhalb der Loreley erheblich behindert. Begegneten sich doch beide Schiffe in einer engen und scharfen Linkskurve nahe einer „Betteck“ genannten Stelle. Die „Akropolis“-Besatzung, so meint die „Waldhof“-Reederei, hätte deshalb vor der Kurve stoppen und den Säuretanker passieren lassen müssen. In erster Instanz hatte das Amtsgericht St. Goar die Klage der „Waldhof“-Reederei abgewiesen: Allein die fehlende Schwimmstabilität des Tankers habe zum Unglück geführt. Der Grund: Die sieben Ladetanks der „Waldhof“ waren nicht vollständig mit Säure gefüllt. Dadurch konnte die Flüssigkeit in Kurven hin- und herschwappen. Zudem, so das Amtsgericht damals, habe eine Sogwirkung im Hochwasser führenden Rhein verhindert, dass der sich in der Betteck-Kurve stark zur Seite neigende Säuretanker wieder aufrichten konnte. Trotzdem habe die „Waldhof“ den „Akropolis“-Schiffsführer nicht über Funk gewarnt. Nur dann wären die Belgier nach Überzeugung des Amtsgerichtes verpflichtet gewesen, die Vorbeifahrt des Tankers abzuwarten. Die bei der BASF in Ludwigshafen mit 2400 Tonnen Schwefelsäure beladene „Waldhof“ war in der Nacht zum 13. Januar 2011 auf dem Mittelrhein nahe der Loreley gekentert. „Es ist bekanntlich eine der gefährlichsten Stellen des Rheins“, sagte die OLG-Richterin Eilers gestern. Nach der Havarie war diese Hauptverkehrsader 32 Tage lang gesperrt. Am 26. März will das OLG verkünden, wie es weitergehen soll. Nach der gestrigen Verhandlung ist ein Beweisbeschluss zu erwarten: Ein weiteres Gutachten dürfte eingeholt werden. Die beiden Parteien könnten sich aber auch noch außergerichtlich einigen.

x