Naturschutz
Land: Kaum Erfolge gegen invasive Arten
In der EU gibt es mindestens 114 invasive Arten, also Tiere oder Pflanzen, die hier nicht heimisch sind, sich jedoch ausbreiten. 46 davon sind auch in Rheinland-Pfalz angekommen und in vielen Fällen offenbar nicht mehr zu stoppen. Zu den bekanntesten Beispielen gehören die Asiatische Hornisse, die Nilgans und der Waschbär. Beim Ochsenfrosch ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, aber auch bei ihm stehen die Zeichen offenbar schlecht, obwohl das Land sehr viel Geld in die Bekämpfung steckt.
Das geht aus den Antworten auf eine Kleine Anfrage des Hunsrücker Landtagsabgeordneten Ralf Schönborn (AfD) hervor, der insbesondere bei Waschbär und Nilgans eine verschärfte Bejagung und bei Pflanzen wie dem Riesenbärenklau und Japanischem Staudenknöterich „vertiefende Eindämmungsmaßnahmen“ fordert. Der Abgeordnete ist Sprecher der AfD-Fraktion für Umwelt und Forsten, Landwirtschaft und Weinbau sowie Tierschutz.
Minihirsche ausgebüxt
Wenig Sorgen muss man sich offenbar wegen des Chinesischen Muntjaks machen, einem nur etwa 40 Zentimeter großen Hirsch, der in einigen Zoos gezeigt wird, unter anderem in Landau. Nach Angaben des Umweltministeriums sind in den vergangenen fünf Jahren zwei einzelne Tiere in freier Wildbahn nachgewiesen und eines oder beide, da sind die Aussagen widersprüchlich, erlegt worden. Die Landesregierung vermutet, dass sie aus illegalen Haltungen entwischt sind oder ausgesetzt wurden. In Großbritannien, Irland, Belgien und den Niederlanden haben sie sich allerdings schon ausgebreitet, wie das Ministerium auf eine frühere Anfrage Schönborns 2023 mitgeteilt hatte.
Auch die aus den USA stammende Kettennatter stellt noch kein echtes Problem dar: Von ihr sind 2025 nur zwei vermutlich ausgesetzte Einzeltiere gefunden worden. Anders sieht es beim Ochsenfrosch aus, der sich in Gewässern im Kreis Germersheim breitmacht. Die Tiere sind gefürchtet, weil sie heimischen Amphibien wie Laubfrosch, Springfrosch und Moorfrosch schaden. Sie werden mit großem Aufwand bekämpft. Das hat zwar eine Ausbreitung bisher unterbunden, aber noch keinen echten Rückgang der Bestände bewirkt. Hochwasser oder Starkregen und manchmal wohl auch Sabotage haben dazu geführt, dass Ochsenfrösche sich in bereits von ihnen befreiten Gewässern wieder ausgebreitet haben.
Froschbekämpfung extrem teuer
Allein die Ochsenfroschbekämpfung hat in den vergangenen fünf Jahren fast 884.000 Euro verschlungen – bei gut 1,5 Millionen Euro Gesamtkosten aus dem Landeshaushalt für die Bekämpfung invasiver Arten. Gegen die Asiatische Hornisse waren 227.000 Euro aufgewandt worden. Bei ihr ist das Problem zwar nicht gelöst, aber dennoch irgendwie abgestellt: Die EU hat sie im März 2025 zur „etablierten Art“ hochgestuft. Ihr Nest muss seitdem nur noch in Einzelfällen bekämpft werden. Die Landesregierung konstatiert lapidar: „Ausbreitung trotz aufwendiger Maßnahmen nicht aufhaltbar, flächendeckende Beseitigung von Nestern nicht umsetzbar und mit hohen Kosten verbunden, trotz intensiver Bekämpfung kaum Einfluss auf Ausbreitung und Bestand.“
Auch Waschbären sind durch Bejagung offenbar nicht aufzuhalten, so das Umweltministerium. Darauf deuten die stark steigenden Abschusszahlen von knapp 1400 im Jahr 2020/21 auf 4200 im Jagdjahr 2024/25 hin. Auch beim ähnlich aussehenden Marderhund ist das Land wenig optimistisch. 2024/25 sind nur 21 Exemplare erlegt worden, gleichwohl ist das Pelztier in Europa längst weit verbreitet. Es steht auch deshalb nicht im allerbesten Ruf, weil es jener Zwischenwirt gewesen sein könnte, der es dem Covid-Virus ermöglicht haben könnte, auf den Menschen überzuspringen. Ohne dies weiter auszuführen, setzt die Landesregierung bei Waschbär und Marderhund auf das „Prädatorenmanagement“, also auf natürliche Feinde wie Luchs oder Wolf.
Die Nilgans schmeckt
Bei der Nilgans – die mit dem dunklen Augenfleck – gibt es relativ hohe Abschusszahlen (2749 im Jagdjahr 2024/25). Immerhin gilt der Wasservogel als wohlschmeckend. Aber seine Ausbreitung konnte laut Ministerium bisher nicht gestoppt werden. Daher soll nun die Schonzeit verkürzt werden. Laut Landesjagdverband dürfen Nilgänse und die ebenfalls weit verbreiteten Kanadagänse von Mitte Januar bis Ende Oktober nicht bejagt werden.
Als weitere nicht ganz unproblematische Zuwanderer im Tierreich listet das Umweltministerium etliche Krebsarten auf, Nutria und Bisam, die Buchstaben-Schmuckschildkröte und den Sonnenbarsch, im Pflanzenreich unter anderem das Drüsige Springkraut, den Japanischen Staudenknöterich, Riesenbärenklau und Götterbaum sowie die Karolina Haarnixe, eine Wasserpflanze. Auch für deren Bekämpfung sind jeweils einige Zehntausend Euro aufgewandt worden, aber in der Regel kann man die Ausbreitung nur verlangsamen, aber nicht stoppen.
„Bürger besser informieren“
Schönborn bewertet die Aussagen mit den Worten: „Es ist nicht hinnehmbar, dass gebietsfremde Invasoren in immer größerer Anzahl in heimische Ökosysteme vordringen und das ökologische Gleichgewicht stören.“ Er fordert, dass das Land mehr tut, insbesondere über die Erleichterung der Bejagung. Zuvor müssten Prävention und Früherkennung eine noch wichtigere Rolle spielen, und dazu müsse auch die Öffentlichkeitsarbeit ausgebaut werden, damit die Bürger zwischen invasiven und heimischen Arten unterscheiden könnten, über etwaige Gesundheitsgefahren Bescheid wüssten und invasive Arten melden könnten.