Rheinland-Pfalz Kampf gegen Krankenhaus-Keime

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BAD DÜRKHEIM (pet). In Deutschland infizieren sich jährlich rund 600.000 Menschen mit Keimen, die sie sich im Krankenhaus einfangen. Alfons Görg aus dem Westerwald ist einer von ihnen. Bei einer Routine-Operation zog er sich im Juni 2008 den Krankenhauskeim MRSA zu. Er erkrankte so schwer, dass sein rechtes Bein amputiert werden musste. Der 76-Jährige prozessiert derzeit gegen die Klinik, im Oktober geht das Verfahren weiter.

Görgs Fall hat auch in Rheinland-Pfalz einen Stein ins Rollen gebracht. Krankenhäuser und Behörden ziehen inzwischen an einem Strang und versuchen, die Zahl der Infektionen zu verringern. Auch das MRE-Netzwerk Pfalz hat der weiteren Ausbreitung multiresistenter Erreger den Kampf angesagt. Multiresistente Erreger (MRE) sind Krankheitserreger, die kaum noch auf Medikamente ansprechen. Es gibt viele verschiedene Krankenhauskeime, MRSA ist der bekannteste. „Mindestens ein Drittel der MRE-Erkrankungen wäre durch konsequente Händedesinfektion vermeidbar“, sagt Dr. Thomas Kienbaum, stellvertretender Amtsarzt beim Gesundheitsamt Bad Dürkheim. Bei ihm laufen die Fäden des im November 2011 gegründeten Netzwerks zusammen. Kienbaum lobt die Hygiene-Kampagne der Weltgesundheitsorganisation WHO. Er hofft, dass die Aktion „Saubere Hände“ weite Kreise im Gesundheitswesen zieht. Ein solides Hygienemanagement sieht Kienbaum als wichtigstes Instrument, um die Anzahl der Infektionen dauerhaft zu senken. Er schätzt, dass bundesweit jährlich 30.000 Patienten an Krankenhaus-Infektionen sterben. Zwar ist in Rheinland-Pfalz nach Angaben des Robert-Koch-Instituts die Zahl der gemeldeten Infektionen im Blut und in der Hirnflüssigkeit mit dem gefährlichen MRSA-Erreger von 156 (2012) auf 110 Fälle (2013) leicht rückläufig, doch die Experten sehen noch kein Licht am Horizont, da es sich hier laut Kienbaum „nur um die Spitze des Eisbergs handelt“. MRSA ist ein Hautkeim, der unter anderem den Nasen-Rachen-Raum besiedeln kann. Gesunde Menschen bemerken das Bakterium überhaupt nicht, während es bei geschwächten Menschen schwere Infektionen verursachen kann. Bestimmte Antibiotika sind bei MRSA wirkungslos geworden, so dass die Erkrankungen sehr schwer zu bekämpfen sind. Übertragen werden die Bakterien hauptsächlich über Hände und Hautkontakt. „Die Krankenhauskeime sind teilweise schon gegen mehrere Antibiotikagruppen resistent“, sagt Kienbaum. Dies sei problematisch. „Wenn sich solche Bakterien zum Beispiel an einem zentralen Venenkatheter festsetzen, können Patienten an einer Blutvergiftung sterben.“ Der Gesetzgeber habe das Problem erkannt und die Hygienevorschriften entsprechend verschärft. Jetzt gebe es in den Kliniken deutlich mehr Hygienepersonal. Kienbaum hofft, dass sich die Akzeptanz der Händedesinfektion noch steigern lässt: „Ärzte und Pflegepersonal sollten die Hände nur noch wenige Male am Tag waschen, sie dafür aber regelmäßig desinfizieren.“ In vielen Krankenhausfluren gebe es inzwischen Händedesinfektionsmittelspender, so dass sich auch Patienten und Besucher wirksam schützen könnten. Kritisch sieht Kienbaum, dass das Pflegepersonal vielerorts überlastet ist. „Wenn die Pflegekräfte rotieren, kann es vorkommen, dass sie sich die Hände vor einer medizinischen Behandlung nicht desinfizieren.“ Im MRE-Netzwerk Pfalz haben sich Kreise und kreisfreie Städte zusammengeschlossen, um den Informationsaustausch zwischen ambulanten und stationären Diensten zu verbessern. Der Rhein-Pfalz-Kreis sowie die Städte Ludwigshafen, Frankenthal und Speyer haben sich aus dem gleichen Grund zu einem länderübergreifenden Verbund in der Rhein-Neckar-Region zusammengetan. Federführend sind die Gesundheitsämter. Für den Öffentlichen Gesundheitsdienst seien die multiresistenten Krankheitserreger eine der großen Herausforderungen, sagt Kerstin Stiefel, Sprecherin des Landesuntersuchungsamtes in Koblenz. Neben MRSA gebe es andere Keime, die den Fachleuten noch mehr Sorgen bereiteten. „Die regionalen Netzwerke sollen dabei helfen, die Zahl der Infektionen dauerhaft zu verringern.“ Erste Aktion des Pfälzer Netzwerks war laut Kienbaum eine Umfrage zur MRE-Problematik bei den Rettungsdiensten, Krankenhäusern, niedergelassenen Ärzten, ambulanten Pflegediensten und Altenheimen. Dabei habe sich gezeigt, dass Fortbildungs- und Informationsveranstaltungen überall erwünscht seien. „Wichtigstes Anliegen ist es, die Kommunikation untereinander zu verbessern“, so Kienbaum. Dazu seien in der Pfalz verschiedene Runde Tische geplant. Netzwerkpartner sind neben Krankenhäusern, ambulanten OP-Zentren, Altenheimen und Arztpraxen auch Reha-Kliniken, Dialysezentren, Laboratorien, ambulante Pflegedienste und Rettungsdienste. „Sie sollen in Zukunft eng zusammenarbeiten, damit bei Infektionsfällen alle Informationen rasch weitergegeben werden können“, sagt Kienbaum. Übergabebögen und Patientenpässe sollen den Informationsfluss verbessern. „Bei Krankentransporten muss das Personal wissen, wo sich der Keim angesiedelt hat, damit die passenden Schutzmaßnahmen ergriffen werden können“, so Kienbaum. „Wenn resistente Bakterien die Nase besiedelt haben oder jemand ein chronisches Geschwür am Oberschenkel hat, müssen die Rettungskräfte keinen Vollschutz tragen, wenn sie Patienten aus dem Krankenhaus nach Hause bringen. Sonst heißt es gleich, die Seuche ist im Dorf.“ Oft herrsche auch in Altenheimen Unsicherheit, wie mit betroffenen Patienten nach der Entlassung aus der Klinik umgegangen werden müsse. „Nicht selten wird ein Bewohner im Heim dann streng isoliert, obwohl einfache Hygienemaßnahmen ausreichen würden.“

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