Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Jüngster Pfälzer Landtagsabgeordneter: Freudentränen bei der Nationalhymne (mit Video)

Raymond Höptner vor dem Landtag in Mainz: Es ist sein erster Tag als Landtagsabgeordneter.
Raymond Höptner vor dem Landtag in Mainz: Es ist sein erster Tag als Landtagsabgeordneter.

Raymond Höptner ist jüngster Pfälzer Abgeordneter im rheinland-pfälzischen Landtag. Bei der ersten Sitzung wurde dem Ludwigshafener eine besondere Ehre zuteil.

Links und rechts schauen, noch eine Straße überqueren. Gleich stehen die CDU-Abgeordneten vor der St.-Peter-Kirche in Mainz. Ganz vorne der Mann, der sie nach 35 Jahren zurück in die Staatskanzlei geführt hat: Gordon Schnieder. Weit hinten läuft derjenige, der einen längeren Bann gebrochen hat. Raymond Höptner ist der erste CDU-Landtagsabgeordnete, der jemals den Wahlkreis Ludwigshafen I direkt gewann.

„Ich fühle mich sehr gut. Es ist wie eine Art erster Schultag“, sagt Höptner mit breitem Lächeln. Bevor der 26-Jährige und seine Kollegen im Landtag ihr Amt feierlich antreten, läuten um 9.30 Uhr zunächst die Kirchenglocken. Der ökumenische Gottesdienst vor der konstituierenden Sitzung des Landtags hat lange Tradition. „Jetzt holen wir uns erstmal den Segen von oben ab“, erklärt Höptner, bevor er in die Kirche eilt.

Zwischen Überraschungssieg und Vertrauensbeweis

Nach 45 Minuten öffnet sich die Kirchenpforte wieder. Vorfreude und Aufregung sind Höptner gleichermaßen anzusehen. Heute beginnt ein neues Kapitel in seinem noch jungen Politikerleben: Vom Politikwissenschaftsstudenten und Mundenheimer Ortsvorsteher zum Überraschungssieger bei der Landtagswahl. „Ich bin nicht unbedingt davon ausgegangen, dass ich gewinne. Aber gerade deswegen freue ich mich umso mehr, dass da ein riesiger Vertrauensbeweis ist“, so Höptner.

 Gordon Schnieder (links) wird während der konstituierenden Sitzung des Landtags von Rheinland-Pfalz von Landtagspräsident Matth
Gordon Schnieder (links) wird während der konstituierenden Sitzung des Landtags von Rheinland-Pfalz von Landtagspräsident Matthias Lammert als neuer Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz vereidigt. Rechts hinten ist Raymond Höptner zu sehen, links Bailey Wollenweber. Die beiden sind die jüngsten Abgeordneten im Parlament.

Der Tag ist eng getaktet. Nach Gesprächen und Händeschütteln auf dem Kirchenvorplatz führt der Weg vom Gotteshaus zum Herzstück der rheinland-pfälzischen Demokratie. Drei Minuten dauert die Strecke zum Mainzer Deutschhaus – vorbei an einer hörbaren Demonstration der „Omas gegen rechts“ – durch den Nieselregen. Auf dem Weg spricht der 26-Jährige kurz mit seiner Familie, die ihn an diesem Tag begleitet.

Plötzlich sitzt er ganz vorne

Wieder erklingt eine Glocke, dieses Mal läutet sie ein Frankenthaler. Höptner nimmt in der letzten Reihe seiner Landtagsfraktion Platz. Die Gespräche der Parlamentarier verstummen und Alterspräsident Christian Baldauf eröffnet die Sitzung. Der pfälzische CDU-Abgeordnete plädiert für ein stabiles demokratisches System, Einigkeit, Recht und Freiheit. Danach rückt sein Parteikollege Höptner in das Zentrum der Aufmerksamkeit.

Denn für eine ordnungsgemäße Sitzung muss festgestellt werden, ob überhaupt alle Volksvertreter anwesend sind. Die Ehre, 105 Namen aufzurufen – bestenfalls gefolgt von 105 vernehmbaren Jas –, kommt den beiden jüngsten Abgeordneten zu: Dem 24-jährigen AfD-Abgeordneten Bailey Wollenweber aus dem Westerwald und dem rund zwei Jahre älteren Höptner. Beide schreiten zur Tat und platzieren sich links und rechts von Baldauf. „Es war mir schon klar, dass ich das machen muss, aber dann vorne zu sitzen und das ganze Plenum sehen zu können, war schon sehr atemberaubend. Das ist ein Moment, der nicht allen zuteilwerden kann“, schildert Höptner.

Mittagessen mit der Familie

Nach gut einer Stunde ist Gordon Schnieder offiziell Ministerpräsident und eine Sitzungspause steht an. Diese nutzt Höptner für ein Mittagessen mit seiner Familie. Die erste Rede des frischgebackenen Ministerpräsidenten verfolgt der Ludwigshafener dann wieder auf der anderen Seite des Plenums – neben seinen Kollegen aus der CDU-Fraktion.

„Gordon Schnieder wird ein super Ministerpräsident. Ich bin mir sicher, dass wir in den kommenden fünf Jahren eine sehr gute Arbeit leisten werden – gemeinsam mit der SPD.“ Höptner sagt, seine zentralen Themen seien Bildung, die finanzielle Ausstattung von Kommunen und Infrastruktur. In einem Ausschuss werde er auch sitzen. Welcher das ist, ergebe sich allerdings noch. Gleiches scheint auch für seine nächsten konkreten Schritte als Parlamentarier zu gelten.

„Ich habe gehofft, dass es niemand sieht“

Das Ende der konstituierenden Landtagssitzung naht und die Abgeordneten erheben sich. Eine Sängerin tritt vor das Plenum und stimmt die deutsche Nationalhymne an. Die meisten Abgeordneten singen mit, so auch Höptner. Als die letzten Töne erklingen, nimmt der Ludwigshafener seine Brille ab und wischt sich über die Augen. „Ich habe gehofft, dass es niemand sieht“, merkt Höptner schmunzelnd an. „Das war einfach ein ganz besonderer Moment als junger Abgeordneter dazustehen und die Nationalhymne zu singen. Das ist eine große Ehre.“

Jetzt heißt es für Höptner, loszulegen. „Mein Ziel ist es jetzt erstmal, mich in der Fraktion gut einzufinden und meine politische Arbeit langsam und voll motiviert anzugehen.“ Mit erfahrenen Kollegen habe er schon den ein oder anderen Kaffee getrunken, um sich wichtige Tipps abzuholen. Bis er für seine neue Tätigkeit alles vorbereitet hat, erklärt Höptner, braucht er noch ein paar Wochen. Beispielsweise berichtet er von seinem noch ziemlich leeren Abgeordnetenbüro in Ludwigshafen. „Aber das kommt peu à peu“, sagt der 26-Jährige.

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