Pfalz / Ludwigshafen / Pirmasens Integrationskräfte für Schüler: Ausgaben fast verdoppelt – wen das ärgert

Manche Kinder brauchen neben Ranzen, Stiften und Büchern zusätzlich eine Unterstützungskraft im Unterricht. Das steht ihnen zu,
Manche Kinder brauchen neben Ranzen, Stiften und Büchern zusätzlich eine Unterstützungskraft im Unterricht. Das steht ihnen zu, wenn sie geistig oder körperlich beeinträchtigt sind oder etwa unter ADHS oder Autismus leiden. Das Ziel: Integration. Doch weil dies individuell pro Schüler beantragt und abgerechnet werden muss, sind die Kosten dafür explodiert.

Kindern mit Beeinträchtigung stehen I-Kräfte zu. Damit können sie häufig erst den Schulunterricht bewältigen. Doch an dem Kostenanstieg gibt es heftige Kritik.

Die Ausgaben für Unterstützungskräfte von beeinträchtigten Schülern und Schülerinnen sind in den vergangenen fünf Jahren auch in der Pfalz kräftig gestiegen. Hinzukommt: Der Bedarf, der in Schulen entsteht, wird von den Kommunen gezahlt. Das wird kritisiert.

Die Anzahl der Fälle, in denen Kinder wegen geistiger, körperlicher oder seelischer Beeinträchtigungen eine sogenannte Integrationskraft (I-Kraft) im täglichen Unterricht an der Regelschule brauchen, sind in der Stadt Ludwigshafen von 2020 bis 2024 um rund 70 Prozent gestiegen. Die Ausgaben dafür haben sich in der Zeit fast verdoppelt, wie die Stadtverwaltung auf Anfrage informiert: 252 Fälle statt zuvor 151.

Die Kosten für das Personal, das Eltern je nach Erkrankung oder Beeinträchtigung ihres Kindes individuell entweder beim Jugend- oder beim Sozialamt beantragen müssen, sind in Ludwigshafen von 5,1 Millionen Euro (2020) auf 9,6 Millionen Euro (2024) gestiegen.

„Überbeanspruchte Lehrkräfte“ und die Stadt als „Ausfallbürge“

Für diese Entwicklung macht die Stadt „in Teilen auch verändertes Verhalten von Eltern in der Erziehung der Kinder“ verantwortlich, wie die Verwaltung schreibt. In den Grundschulen spiele zudem die Schulordnung für den inklusiven Unterricht seit 2024 eine Rolle. Ziel der Regelung ist, möglichst auch Kinder mit einem Förderbedarf nicht in eine Förderschule, sondern eine sogenannte Regelschule zu bringen. Mit der Konsequenz: „vielerorts überbeanspruchte Lehrkräfte“ sowie Kommunen „als Ausfallbürge“, bemängelt die Stadt.

Markus Zwick (CDU), der Vorsitzende des Städtetages Rheinland-Pfalz und Oberbürgermeister von Pirmasens, kritisiert nicht nur den generellen Anstieg der Sozialausgaben um 44 Prozent, unter dem die Kommunen stöhnen. Er bezieht sich konkret auch auf die Kosten und vor allem die Regelung für die individuelle Unterstützung, mit der Kinder teilweise überhaupt erst an einem regulären Schulunterricht teilnehmen können. „Wir müssen also ehrlich darüber reden, wo und wie wir Kosten reduzieren können. Ein Weg könnte sein, von der individuellen Betrachtung wieder zu strukturellen Angeboten zurückzugehen.“ In Pirmasens sind die Ausgaben für diese Hilfen innerhalb von drei Jahren um rund ein Drittel gestiegen auf 890.000 Euro in 2025.

Einen gewaltigen Ausgabensprung von 88 Prozent binnen vier Jahren gab es auch im Kreis Bad Dürkheim bei Inklusionshelfern für Kinder mit körperlichen Beeinträchtigungen (zuständig: das Sozialamt) – einem Teil der Kosten für Integrationskräfte. Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU) sagt: „Hinter den Zahlen stecken individuelle Fälle und teils schwierige Schicksale. Aber uns galoppieren die Ausgaben davon.“ Die Stadtverwaltung Kaiserslautern hat bis Redaktionsschluss dazu keine Fragen beantwortet.

Zum Weiterlesen: Integrationskräfte können auch Kindern helfen, die Teilzeit zur Schule gehen – das bringt andere Probleme mit sich.

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