Rheinland-Pfalz Gremium-Prozesse: Bewährung für Rocker-Vizechef

FRANKENTHAL (jüm). Das Landgericht Frankenthal hat den Vizepräsidenten des Landauer Gremium-Rockerclubs zu einer zwölfmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt, die gegen eine Auflage von 1500 Euro zur Bewährung ausgesetzt werden soll. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der 44-Jährige aus dem Landkreis Germersheim einen Revolver und 85 Patronen erworben hat.

Das seit Ende Februar laufende Verfahren ist Teil einer Prozessserie, die durch die Aussagen eines ehemaligen Gremium-Mitglieds ausgelöst wurde. Die Kammer unter Vorsitz von Hans-Jürgen Stricker blieb mit ihrem Strafmaß deutlich unter der Forderung von Oberstaatsanwältin Doris Brehmeier-Metz, die vier Jahre und drei Monate Haft gefordert hatte. Verteidigerin Eva Lütz-Binder hatte einen kompletten Freispruch gefordert. Angeklagt war der 44-Jährige aufgrund der Behauptungen des Kronzeugen wegen umfangreicher Drogen- und Waffengeschäfte. Das Gericht sah nur zwei Vorwürfe als erwiesen an: Bei einer Razzia gegen Pfälzer Gremiummitglieder und ihr Umfeld waren Ende August 85 Patronen Kaliber 22 im Wohnhaus des Vizepräsidenten gefunden worden. In einem parallel laufenden Prozess hat ein 50-jähriger Haßlocher bestätigt, dass er unter anderem einen Revolver Kaliber 22 an den Kronzeugen verkauft habe. Dieser Ex-Rocker hatte behauptet, dass die Waffe für den Vizepräsidenten bestimmt gewesen sei. Zu der Revolver-Lieferung könne es schon deshalb nicht gekommen sein, weil ihr Mandant an dem von dem Kronzeugen genannten Übergabetag nachweislich nicht anwesend gewesen sei, hatte Verteidigerin Lütz-Binder in ihrem Plädoyer erklärt. Das Gericht hielt es jedoch für möglich, dass sich der Kronzeuge im Datum irrte. Lütz-Binder kündigte gegenüber der RHEINPFALZ an, Revision einlegen zu wollen. Außerdem prüfe sie rechtliche Schritte gegen den Kronzeugen. Ihr Mandant habe sieben Monate wegen dessen falscher Anschuldigungen in Untersuchungshaft gesessen. Als selbstständig tätiger Handwerker müsse er nun sein Geschäft vollständig neu aufbauen und noch dazu die Geldauflage des Gerichtes bezahlen.

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