Washington RHEINPFALZ Plus Artikel Forscher an US-Uni: Bis jetzt kann ich sagen, was ich will

Die historische Kapelle an der Georgetown-Universität in Washington.
Die historische Kapelle an der Georgetown-Universität in Washington.

Beim Besuch von Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) an der Georgetown University in Washington spricht ein Institutsleiter Klartext zur aktuellen Situation.

Ausländische Studierende mit Visa-Problemen, Universitäten, denen Forschungsgelder gestrichen werden. Das sind die Meldungen aus der amerikanischen Hochschullandschaft, die seit der Regierungsübernahme von Donald Trump in den USA auch in Rheinland-Pfalz ankommen. Mit einer Freundschaftserklärung, die Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) während seiner Delegationsreise an der Georgetown-Universität in Washington unterzeichnete, bekräftigten die Partner die Zusammenarbeit.

Von einem Umbruch spricht der Leiter des BMW-Centers für Deutsche und Europäische Studien an der Georgetown-Universität, der Politikwissenschaftler Abraham Newman, angesichts der neuen Weltlage – und der neuen Regierung in den USA. Nach dem Ende des Kalten Krieges vor 35 Jahren sei die Frage gestellt worden, warum die Forschung zu Sicherheitsfragen weiterhin notwendig sei und wie diese finanziert werden könne. So müsse auch jetzt erneut erklärt werden, was der Zweck der Partnerschaft sei. Das BMW-Center arbeitet mit der Atlantischen Akademie Rheinland-Pfalz in Kaiserslautern zusammen. Deren Leiter David Sirakov nahm ebenfalls an der Delegationsreise Schweitzers teil, die am Donnerstag endete.

Visa als Kontrollinstrument

Newman bezog noch deutlicher Stellung. „I’m not a politician, I can say what I want until now.“ Ich bin kein Politiker, ich kann sagen, was ich will – bis jetzt. Ein Satz, der nicht mehr selbstverständlich ist, seit die Trump-Administration Universitäten unter Druck setzt. Sein Vorteil: Er sei Amerikaner und habe eine Zehn-Jahres-Professur, sagte Newman auf Nachfrage. Bei ausländischen Professoren würden Visa als Kontrollinstrument eingesetzt. Für die Universitäten bedeute die neue Situation, dass Forschungsgelder in Frage stehen und dass es schwieriger werde, ausländische Studierende zu bekommen. Die neue Unsicherheit ist nach seinen Worten vergleichbar mit jener während der Covid-Pandemie. Nur dass sie diesmal nicht von äußeren Einflüssen abhänge, sondern politisch gewollt sei.

Mit einem Freundschaftsabkommen, das Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD), Akademie-Leiter David Sirakov und Abraham Newman vom BMW-Center unterzeichneten, soll die Zusammenarbeit bekräftigt werden. Nicht dabei waren Vertreter der Partneruni der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität (RPTU) Kaiserslautern-Landau, die Francis Marion University in Florence (South Carolina).

Drescher plädiert für globale Vernetzung

RPTU-Präsident Malte Drescher betonte an der Georgetown-University: „Exzellente Wissenschaft kann es nur geben, wenn sie global vernetzt ist.“ Trotz der nach wie vor sehr guten Zusammenarbeit mit den US-amerikanischen Partnern bemerke er eine Zurückhaltung, was den öffentlichen Auftritt angehe. Im Zentrum der institutionellen Zusammenarbeit stehe, Studierenden die Mobilität über den Atlantik zu ermöglichen. Aktuell seien weniger als zehn Studierende aus der Pfalz in South Carolina, im März erwartet die RPTU eine Gruppe aus den USA.

Spürt die Zurückhaltung der amerikanischen Partner: Malte Drescher, Präsident der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität
Spürt die Zurückhaltung der amerikanischen Partner: Malte Drescher, Präsident der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau

„Für uns alle ist es ganz wichtig, dass die US-Wissenschaft wieder zu alter Stärke zurückfindet“, sagt Drescher in seiner Rede an der Georgetown-University. Später erläuterte er auf Nachfrage, die Stärke der USA liege darin, dass der Schritt von der Grundlagenforschung zur Anwendung sehr gut funktioniert. Es gibt nach seinen Worten Signale aus der Hochschullandschaft der USA an die deutsche Hochschulrektorenkonferenz, von Abwerbungen abzusehen.

Deutschland kann nach seinen Worten von der aktuellen Situation eher davon profitieren, dass renommierte Wissenschaftler aus anderen Ländern wegen der neuen Regierung von Plänen absehen, in die USA zu gehen.

Binz: Große Angespanntheit

Unter den Druck der Trump-Administration geraten neben Hochschulen auch Kultureinrichtungen. Die rheinland-pfälzische Kulturministerin Katharina Binz (Grüne) nutzte die Tage in Washington, um Museen und Kultureinrichtungen zu besuchen. Der Plan, eine Leihgabe aus dem Arp-Museum in Remagen-Rolandseck mit dem Hirshhorn-Museum in Washington einzufädeln, ist am Mittwoch am Regierungs-Shutdown gescheitert. Das Museum musste schließen. Binz versicherte, sie werde dranbleiben, ebenso an einem Kontakt zwischen den USA, die nächstes Jahr ihr 250-jähriges Bestehen feiern, und dem Musikantenland-Museum in Kusel. „Ich habe eine große Angespanntheit erlebt“, sagte Binz. So deutlich wie Newman sei aber niemand geworden.

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