Rheinland-Pfalz Ein neues Kapitel

. Das Anwesen am Ortseingang von Hornbach (Kreis Südwestpfalz) kann wahrlich auf eine lange Geschichte zurückblicken. 1521 wurde es erstmals erwähnt, vermutlich ist es noch ein paar Jährchen älter. Einst war der Gebäudekomplex, zu dem heute sieben Hektar Land gehören, der landwirtschaftliche Betrieb des Hornbacher Benediktinerklosters. Mönche gibt es in der Gemeinde direkt an der französischen Grenze schon seit Jahrhunderten nicht mehr. Der Oberbeiwalderhof befindet sich im Besitz der Zweibrücker Herzog-Wolfgang-Stiftung. Die hatte das Anwesen lange Jahre an einen Landwirt verpachtet. Vor fünf Jahren endete diese Episode. Aus emissionsrechtlichen Gründen war an dieser Stelle innerhalb des kleinen Städtchens keine Tierhaltung mehr möglich. Derzeit wird dort ein neues Kapitel aufgeschlagen. Der Dornröschenschlaf des Gebäudeensembles, das in seiner jetzigen Form großteils aus dem 18. Jahrhundert stammt, ist vorbei. Die Planungen für die „Parkklinik Hornbach“ laufen auf Hochtouren, Anfang 2016 sollen die Bauarbeiten beginnen. Mitte 2017 sollen die ersten Patienten kommen. Das kündigt Thomas Schiwek an. Der Wormser ist der Projektentwickler und hat Erfahrung mit Privatkliniken. Unter anderem zeichnet er für die Realisierung der Schlossparkklinik Dirmstein (Kreis Bad Dürkheim) verantwortlich, die demnächst eröffnen soll. Für die architektonische Umsetzung ist das Zweibrücker Ingenieur- und Architekturbüro Grub zuständig. Schiweks Firma „Image.Select GmbH“ und Grub werden später – gemeinsam mit anderen Kapitalgebern – zu den Betreibern der Klinik gehören. Stichwort Kapital: Die Finanzierung stehe, die Verträge müssten nur noch unterschrieben werden, sagt Schiwek. 34 Arbeitsplätze sind geplant, die ersten Stellen schon vergeben: Zwei Chefärzte haben laut dem Wormser Projektentwickler schon Verträge unterschrieben. Sie arbeiten bei der Erstellung des medizinischen Konzeptes bereits mit. Die Parkklinik Hornbach braucht ein klares Profil, vor allem mit Blick auf Konkurrenten im Gesundheitssektor, lässt Schiwek durchblicken. Das Alleinstellungsmerkmal der Hornbacher Einrichtung soll einmal die Tiertherapie werden. Dabei, so sehen zumindest die momentanen Pläne aus, kommen Pferde, Dromedare, Esel und Hunde zum Einsatz. Bis es so weit ist, steht noch etliche Arbeit bevor. Zwei Flügel des Anwesens (Schuppen und Wirtschaftsgebäude) werden abgerissen. Neue Gebäude müssen errichtet werden – dabei soll jedoch das historische Grundensemble wieder hergestellt werden, erklärt Architekt Martin Grub. „Denkmalpflegerische Priorität“ hätten das ehemalige Wohnhaus sowie ein großer Sandsteinbau, den Grub als „Herzstück der Anlage“ bezeichnet. Während das Wohnhaus künftig als Verwaltungssitz fungieren soll, wird das Sandsteingebäude für die Patienten hergerichtet. In dem von Säulen dominierten Bereich im Erdgeschoss, in dem früher die Kühe standen, sollen die Patienten in Tischgruppen die gemeinsamen Mahlzeiten genießen. Das Dachgeschoss beeindruckt durch sein Gebälk, ein imposantes Zeugnis der Zimmermannskunst. Hier sind Therapieräume geplant. Neubauten ersetzen die teils heruntergekommenen Schuppen und Wirtschaftsgebäude. Links sollen Küche, Personalbereich und weitere Therapieräume untergebracht werden. Hinzu kommen Räume für die Ärzte. Auf der rechten Seite ist ein Wellnessbereich geplant (mit Schwimmbad) sowie Patientenzimmer – mit Blick in die Talaue. Zusätzlich soll ein zweigeschossiger Trakt in Fahrtrichtung Mauschbach errichtet werden. Auch hier sollen ab Mitte 2017 Patienten wohnen. Bautechnische Herausforderungen des Projekts sind laut Grub vor allem die Sandsteinsanierung und der Hochwasserschutz. Beim sogenannten Jahrhunderthochwasser 1993 war der Oberbeiwalderhof betroffen. Eine Art Damm soll das künftig verhindern. Bevor das Projekt startete, gab es eine Markterkundung. Die förderte zutage, dass es in der Region rund 126.000 Privatversicherte gibt – möglichst viele von ihnen sollen bei psychosomatischen Problemen künftig in den 56 Zimmern der Parkklinik Hornbach unterkommen und dort genesen. Vorgesehen ist zudem, dass eine Akademie an die Klinik angegliedert wird. Aus der dortigen wissenschaftlichen Arbeit sollen Beiträge entstehen, die in medizinischen Fachjournalen publiziert werden. Außerdem planen die künftigen Betreiber, Seminare für Unternehmen anzubieten: zur Burn-out-Prophylaxe. Noch ist das alles Zukunftsmusik – aber die Mönche des Hornbacher Klosters hätten daran im 16. Jahrhundert noch nicht einmal in ihren kühnsten Träumen gedacht.