Südwest Drei Monate E-Rezept-Pflicht: Kampf mit Technik-Problemen

Elektronisches Rezept
Ein Mitarbeiter einer Apotheke steckt eine Gesundheitskarte in ein Lesegerät.

Das E-Rezept macht manchen Gang in die Praxis überflüssig, soll Abläufe erleichtern. Doch Praxen und Apotheken schlagen sich auch mit technischen Schwierigkeiten herum und spüren Unmut von Patienten.

Mainz (dpa/lrs) - Rund drei Monate nach dem Start verpflichtender Vorgaben zum E-Rezept sehen sich Arztpraxen, Apotheker und Patienten in Rheinland-Pfalz trotz aller Vorteile der elektronischen Verordnung noch mit Schwierigkeiten konfrontiert. Das Gesundheitsministerium in Mainz verweist vor allem auf die Vorteile, sieht an der ein oder anderen Stelle aber auch noch Nachbesserungsbedarf.

Bundesweit sind seit 1. Januar 2024 alle Praxen verpflichtet, Rezepte als Standard elektronisch auszustellen. Anstelle der bisher üblichen rosa Zettel können sie über drei Wege eingelöst werden: Indem man die elektronische Gesundheitskarte der Krankenkasse in der Apotheke in ein Gerät steckt, über eine spezielle E-Rezept-App oder mit einem ausgedruckten QR-Code auf Papier.

Von technischen Problemen beim E-Rezept berichten in Rheinland-Pfalz die Landesärztekammer, der Hausärzteverband, die Landesapothekerkammer und die Kassenärztliche Vereinigung (KV). Die Landesärztekammer etwa hat von vielen Seiten von erheblichen Schwierigkeiten gehört. Die technische Infrastruktur stürze wiederholt ab oder funktioniere teils gar nicht, auch gebe es Probleme mit der elektronischen Signatur. Wegen der Probleme müssten Ärztinnen und Ärzte immer wieder auf Papierrezepte zurückgreifen.

Praxen stecken viel Mühe in Aufklärungsarbeit

Einer nicht-repräsentativen Umfrage der KV Rheinland-Pfalz unter ihren Mitgliedern von Januar zufolge berichten mehr als 65 Prozent der ungefähr 390 Befragten von Schwierigkeiten beim Erstellen des E-Rezepts. Mehr als 62 Prozent sprachen von Problemen mit der technischen Infrastruktur, rund 80 Prozent von einem großen Zeitaufwand für die Aufklärung von Patientinnen und Patienten.

Diese sind nach Meinung von KV-Vorstandsmitglied Andreas Staub schlecht auf das E-Rezept vorbereitet worden. Mitarbeiter in Praxen leisteten Aufklärungsarbeit, die eigentlich Aufgabe von Politik und Krankenkassen sei. Technische Ausfälle seien vollkommen inakzeptabel, monierten kürzlich die Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, Barbara Römer, und der Vorsitzende des Apothekerverbandes Rheinland-Pfalz, Andreas Hott, gemeinsam. Praxen- und Apothekerteams bekämen den Frust von Patientinnen und Patienten ab, weil elektronische Rezepte nicht ausgestellt werden könnten.

Der Präsident der Landesapothekerkammer, Pharmazierat Peter Stahl, sieht auch Schwierigkeiten im Ablauf. Teils gäben Ärzte Rezepte erst mit Verzögerung frei, Apotheken könnten die aber erst dann über die Krankenkassenkarten des Versicherten abrufen. Das sei knifflig, denn Kunden stünden gleich nach einem Arzttermin vor Apothekern und diese könnten zunächst nichts tun.

Anteil der elektronisch eingelösten Rezepte stark gestiegen

Ein großes Thema sei für Patientinnen und Patienten auch, dass sie anders als beim Rezept in Papierform nicht mehr direkt sehen können, was draufsteht. Wenn aus Versehen etwas Falsches verschrieben worden sei, falle das erst beim Abrufen des E-Rezepts in der Apotheke auf. Wenn das System funktioniere, könne eine fehlerhafte Verordnung zwar direkt zurück an die Praxis gehen und von dort eine neue geschickt werden, berichtete Stahl. Voraussetzung für eine solch schnelle Lösung sei aber, dass es dem Apotheker gelinge, zeitnah mit der Praxis zu kommunizieren, dort also jemanden zu erreichen.

Trotz aller Probleme wird das elektronische Rezept mittlerweile breit genutzt. Hat der Anteil der eingelösten E-Rezepte im November 2023 in Rheinland-Pfalz laut KV noch bei zwei Prozent gelegen, habe er im Januar 2024 dann schon 69 Prozent erreicht. Damit rangiere Rheinland-Pfalz nur hinter dem Saarland bundesweit auf dem zweiten Platz.

Das Gesundheitsministerium in Mainz verweist seinerseits auf die inzwischen große Zahl an ausgestellten elektronischen Rezepten. Das System als Ganzes funktioniere und es habe wichtige Vorteile gebracht. Patienten müssten beispielsweise bei Folgerezepten oft nicht mehr in eine Praxis und in Praxen brauche es in vielen Fällen keine händische Unterschrift der Ärztin oder des Arztes mehr. Auch Behandlungen aus der Ferne seien nun vollständig digital möglich, im Anschluss an eine Videosprechstunde könne digital ein E-Rezept ausgestellt werden.

Ministerium hat Pflegeeinrichtungen im Blick

An einigen Punkten wünscht sich das Gesundheitsministerium dennoch eine Anpassung gesetzlicher Rahmenbedingungen. Als ein Beispiel nennt ein Sprecher die Versorgung von Bewohnern von Pflegeeinrichtungen. Hier brauche es schnell standardisierte und praktikable Übermittlungswege für E-Rezepte aus Praxen unter Einbeziehung dieser Einrichtungen in die Apotheken. «So kann die Versorgung mit Arzneimitteln verbessert und eine Benachteiligung von Versicherten in Pflegeeinrichtungen vermieden werden», teilte das Ministerium mit.

Die Landesregierung setze sich auf Bundesebene dafür ein, dass notwendige Anpassungen zeitnah in Abstimmung mit den maßgeblichen Akteuren angegangen werden, sagte Daniel Stich (SPD), Ministerialdirektor im Gesundheitsministerium. Unter dem Strich sei der Start des E-Rezepts nichtsdestotrotz ein Erfolg und ein wichtiger Schritt zur digitalen Transformation des Gesundheitswesens. «Es ist wichtig, den Menschen im Land die Vorteile einer solchen Digitalisierung zu vermitteln und alle Beteiligten bei dieser Entwicklung mitzunehmen.»

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