Pfalz
„Den Störchen in der Pfalz geht es gut, aber...“
In Rheinland-Pfalz gibt es in diesem Jahr 700 brütende Storchenpaare. Das sind so viele wie noch nie seit der Wiederansiedelung des Weißstorches in den 1990er Jahren. Die Zahlen hat das rheinland-pfälzische Storchenzentrum im südpfälzischen Bornheim (Kreis Südliche Weinstraße) in dieser Woche veröffentlicht und bezieht sich dabei auf Zählungen durch ehrenamtliche Helfer, die überall im Land Ausschau nach brütenden Störchen und ihren Nestern halten.
Die Zahlen sind als Erfolg zu werten, findet Jessica Lehmann. Sie leitet das Storchenzentrum in Bornheim. Es sei noch nicht lange her, da war der Weißstorch aus Rheinland-Pfalz verschwunden. In den 1970ern seien besonders viele Grünflächen für Industrie- und Wohngebiete versiegelt worden und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln hoch gewesen. Das habe zu einem Verschwinden der Lebensräume und einer Verschlechterung des Nahrungsangebots geführt, erklärt Lehmann.
Seit 1996 wieder heimisch
1996 gelang die Wiederansiedlung des Tieres. Seitdem wächst der Bestand von Jahr zu Jahr auf zuletzt mehrere Hundert brütende Paare und über Tausend Jungtiere im Brutjahr 2023. „Den Störchen in der Pfalz geht es gut, aber...“, sagt Lehmann. Vieles habe sich gut entwickelt, aber es gebe auch Faktoren, die den Storchenexperten Sorgen bereiten würden.
Zuerst zu den positiven Dingen. Ganz besonders wichtig sei die Arbeit der Interessengemeinschaft Queichwiesen gewesen, sagt Lehmann. Denn der Erhalt der jahrhundertealten Bewässerungstechnik sorge dafür, dass viele Störche auch in den trockenen Sommermonaten reichlich Insekten und Kleintiere auf den feuchten Wiesen finden. „Die Südpfalz und ganz besonders die Queichwiesen waren ein Ankerpunkt in der Region. Hier konnte der Storch sich wieder neu ansiedeln und ausbreiten.“ Auch der stetig sinkende Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft sei ein nennenswerter Faktor gewesen. Letztlich würden sich Störche auch zunehmend ihre Nische auf etwa auf Mülldeponien suchen und dort Nahrung finden, sagt Lehmann. Mittlerweile sind Vorder- und Südpfalz die Region, in der die meisten Störchen in Rheinland-Pfalz wieder heimisch geworden sind.
Klimawandel gefährdet Nahrungssuche
Doch die Hinterlassenschaften menschlicher Zivilisation seien gleichzeitig auch eine der größten Gefahren für die Störche, sagt Lehmann. Und das in Zeiten, in denen die Nahrungssuche aufgrund von trockenen Sommern für die Vögel immer schwieriger wird. Denn viele Störche würden auf Gemüsefelder ausweichen, die künstlich beregnet werden. Das Gemüse wird mit Gummibändern gebündelt. Viele der Ringe landen jedoch oftmals achtlos auf dem Acker. Die Störche halten sie für Regenwürmer, fressen sie und verenden später qualvoll, weil sie mit vollem Magen verhungern.
Für das Storchenzentrum in Bornheim gibt es daher noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Die jährliche Zählung der Brutpaare sei weiterhin wichtig, betont Lehmann. „Gerade jetzt, wo sich die klimatischen Bedingungen in der Pfalz ändern und sich das Nahrungsangebot durch längere Trockenperioden ändert“, sagt Lehmann. Die Daten über den Standort der Brutpaare können wichtige Hinweise darauf geben, ob die Tiere etwa ihr Verhalten bei der Nahrungssuche ändern würden. Es gebe bereits Störche, die in den kühleren und feuchteren Hunsrück oder in die Eifel ausweichen würden.
Weitere Informationen zum Storch in Rheinland-Pfalz gibt es auf der Webseite des Vereins Pfalzstorch: www.pfalzstorch.de.