Südwest Covid-19 bleibt bedeutsames Gesundheitsrisiko

Uğur Şahin
Uğur Şahin, Mitgründer und Vorstandsvorsitzender von Biontech, spricht am Biontechstandort Görzhausen I.

Die Nachfrage nach Impfstoff geht nach dem Ende der Corona-Pandemie zurück. Zur Prävention wird für die kommende Herbst-Winter-Zeit an einem angepassten Impfstoff gearbeitet.

Mainz (dpa) - Das Mainzer Biotechnologieunternehmen Biontech sieht einen anhaltenden Bedarf an Impfungen zum Schutz gegen das Coronavirus. «Wir wissen, dass der Impfschutz gegen SARS-CoV-2-Infektionen mit der Zeit nachlässt, egal ob er durch Impfungen oder auf natürlichem Wege nach einer Infektion erworben wurde», sagte Unternehmenschef Ugur Sahin am Freitag auf der virtuellen Hauptversammlung. «Wir gehen daher davon aus, dass Covid-19 eine jährlich saisonal auftretende Infektionserkrankung bleiben wird, mit den meisten Fällen in der typischen Grippe- und Erkältungszeit.»

Daten aus der vergangenen Herbst-Winter-Saison zeigten, dass Covid-19 auch nach der Pandemie ein bedeutsames Gesundheitsrisiko darstelle. In Deutschland etwa seien in der vergangenen Saison die meisten der amtlich gemeldeten Infektionen auf SARS-CoV-2 zurückzuführen gewesen, sagte Sahin. Damit verbunden habe es mehr Krankenhauseinweisungen und Todesfälle gegeben als durch Influenza.

Die Weltgesundheitsorganisation und auch das deutsche Robert Koch-Institut schätzten, dass 10 bis 20 Prozent der mit SARS-CoV-2 infizierten Personen im weiteren Verlauf Long Covid entwickeln. Daher sei die Impfung auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil in der Prävention von Erkrankungen und schweren Krankheitsverläufen im Herbst und Winter analog der Grippeimpfung, betonte der Biontech-Mitgründer.

Das Unternehmen arbeite derzeit an der Entwicklung eines neuen angepassten Covid-19-Impfstoffs für die kommende Saison 2024/2025. Gemeinsam mit Pfizer werde auch die Arbeit an einem Kombinationsimpfstoffkandidaten gegen Covid-19 und Influenza fortgesetzt.

Der Fokus bei Biontech liegt neben der Entwicklung von Corona-Impfstoffen mittlerweile auf der onkologischen Forschung. 2026 soll das erste Krebsmedikament auf den Markt gebracht werden, bekräftigte der Unternehmenslenker die Ziele. Bis zum Jahr 2030 wolle das Unternehmen zehn Zulassungen in verschiedenen Krebsindikationen erreicht haben.

«Zurzeit beinhaltet die Pipeline über 20 laufende klinische Programme in der Onkologie und sieben im Bereich der Infektionsmedizin, die in über 35 klinischen Studien untersucht werden», berichtete Sahin. «Im Bereich der Onkologie verfügen wir nun über mehrere potenziell zulassungsrelevante Studien.»

Biontech gab 2023 rund 1,8 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung aus. Im laufenden Jahr sollen es zwischen 2,4 Milliarden bis 2,6 Milliarden Euro werden. Das schrumpfende Geschäft mit Covid-19-Impfstoff hatte im vergangenen Jahr die Erlöse und den Gewinn des Unternehmens deutlich nach unten gezogen. In das laufende Geschäftsjahr starteten die Mainzer mit einem deutlichen Verlust.

2023 hatte Biontech einen Nettogewinn von 930,3 Millionen und einen Umsatz von 3,8 Milliarden Euro verbucht. Im ersten Quartal des laufenden Jahres gab es unter dem Strich einen Nettoverlust von 315,1 Millionen Euro. Die Erlöse lagen bei 187,6 Millionen Euro. Für 2024 erwartet das Unternehmen um Mitbegründer Sahin einen Umsatz zwischen 2,5 Milliarden und 3,1 Milliarden Euro.

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