Leitartikel Brennpunkt Schule: Was ist an Schulen in der Pfalz los?
Als die RHEINPFALZ 2023 erstmals berichtet hat, dass eine Vielzahl der Erstklässler an der Gräfenauschule in Ludwigshafen das Klassenziel nicht erreicht, war der Aufschrei enorm. Mit großem Unglauben und noch viel größeren Augen blickte die halbe Bundesrepublik auf die Stadt am Rhein, schüttelte den Kopf über die dortigen Zustände. ZDF-Talkmaster Markus Lanz zitiert noch heute die Recherchen.
Unglauben an Schulen hielt sich in Grenzen
Im Gegensatz zu Markus Lanz und anderen hielt sich der Unglaube bei den Menschen, die sich Tag für Tag im System Schule bewegen, in Grenzen. Und zwar nicht nur bei jenen aus Ludwigshafen, wo gerade ein Protestbrief von Lehrkräften an die Öffentlichkeit geraten ist. Landauf, landab drehen sich schon lange Gespräche in Lehrerzimmern und auf Elternabenden um gravierende Probleme an Schulen. Probleme, die den Versuch eines Unterrichtens mitunter zu einem Treppenwitz machen. Probleme, die manche an einer guten Zukunft zweifeln lassen.
Waren vor ein paar Jahren die bis heute vielerorts maroden Gebäude, die abfallenden Leistungen der Schüler oder die häufig mangelhafte technische Ausstattung die Themen, die für Kopfschütteln sorgten, sind es längst auch die Verrohung der Sitten, der Einfluss von Extremisten auf Pausenhöfen sowie die Hilflosigkeit von Kindern sowohl mit als auch ohne Migrationshintergrund, die beim Start in die Schullaufbahn nicht ausreichend Deutsch können, damit schon früh auf verlorenem Posten stehen. Der Ort, der auf das Leben vorbereiten soll, wird allzu oft zur frühen Sackgasse.
Ein offenes Geheimnis
Für Lehrer, Eltern und Schüler ist all das, was nun aus Schulen an die Öffentlichkeit dringt, nichts Neues. Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich auch der Beruf der Lehrerinnen und Lehrer erheblich verändert hat. Schon immer sind Lehrkräfte Überzeugungstäter. Sie geben Kinder nicht auf, versuchen Wege aus der Misere zu finden, kommen allzu oft selbst an ihre Grenzen. Seit Jahren hören sie, dass Linderung naht, dass es etwa eine Kitapflicht geben soll, Sprachtests vor der Einschulung, Unterstützung für Fördermaßnahmen. Doch vieles dauert viel zu lang. Kinder verlieren den Anschluss, ehe sie das Wort Anschluss überhaupt buchstabieren können.
Bildung ist Ländersache. Seit 1991 regiert die SPD in Rheinland-Pfalz. Die ganze Zeit über lag das Ressort in ihren Händen. Der Status quo geht also deutlich mit der SPD heim. Bildung wird im Vorfeld der Landtagswahl 2026 ein wichtiges Thema, gehört zu jenen Bereichen, in denen jeder Tag zählt. Wer jetzt nicht entschieden Missstände benennt, sondern etwa wie die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Maulkörbe an Lehrkräfte verteilt, der läuft Gefahr, sich an der heranwachsenden Generation zu versündigen.
Viele Menschen aus dem System Schule möchten unbedingt, dass sich etwas ändert. Die RHEINPFALZ widmet dem Thema „Brennpunkt Schule“ in den kommenden Wochen einen Schwerpunkt. Lehrer, Eltern und sonstige Betroffene können sich bei uns melden. Wir erzählen ihre Geschichten aus den Städten und Dörfern – auch anonymisiert. Eine Mail an chefredaktion@rheinpfalz.de genügt.
Kinder und Jugendliche haben ein Bildungsumfeld verdient, das ihnen die Möglichkeit gibt, zu wachsen. Eines, das Neugierde auf die Vielfalt des Lebens macht, dabei gewalt- und ideologiefrei bleibt.


