Schule Bio-Unterricht: Den Hüpferlingen auf der Spur
Das Grundwasser ist einer der größten Lebensräume der Erde. Doch es ist bisher erstaunlich wenig erforscht. Und das, obwohl sauberes Wasser eine der wichtigsten Ressourcen auf der Erde ist. Mit dem neu entwickelten Grundwasserkoffer sollen nun Schülerinnen und Schüler ab der 10. Klasse dieses Ökosystem kennenlernen und gleichzeitig wichtige wissenschaftliche Daten gesammelt werden. Denn: „Wer eine neue Art finden will, der braucht nicht in den Marianengraben abzutauchen. Es genügt, das Grundwasser zu analysieren“, sagt Tilmann Hahn, Mitarbeiter des Instituts für Grundwasserökologie in Landau, bei der Vorstellung des Materialkoffers am Gauß-Gymnasium in Worms.
Und so tauchten die Schülerinnen und Schüler der beiden Biologie-Leistungskurse als erste ein in die faszinierende Welt des Grundwassers. Sie testeten das Material, das ein Team um den Wissenschaftler Hans Jürgen Hahn (Rheinland-Pfälzische Technische Universität Landau-Kaiserslautern, Institut für Umweltwissenschaften) zusammen mit dem Pädagogischen Landesinstitut entwickelt hat. Finanziert wurde das etwa 3000 Euro teure Materialset im Rahmen der MINT-Strategie des Landes Rheinland-Pfalz, also der Förderung der Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.
Praktische Erfahrung wichtig
Lehrerinnen und Lehrer können diesen Grundwasserkoffer in Zukunft beim Pädagogischen Landesinstitut in Speyer ausleihen, nachdem sie dort eine zweitägige Fortbildung absolviert haben. Der Themenschwerpunkt Grundwasser und die bereitgestellten Materialien sind an den neuen Lehrplan Biologie in der Oberstufe angepasst, der verstärkt auf praktische Erfahrungen bei „fachlichen Verfahren“ setzt. Mit dem zur Verfügung gestellten Material können Schülerinnen und Schüler an den unterschiedlichsten Stellen Proben entnehmen: an den Ufern von Flüssen und Bächen, in Quellen und in Grundwassermessstellen und an sogenannten Schwengelpumpen.
Eine solche Schwengelpumpe steht auf dem Gelände des Wormser Schwimmvereins Poseidonbad. Dort heißt es erst mal schuften für die elf Schülerinnen und Schüler. Insgesamt 300 Liter Wasser müssen hochgepumpt werden. Die laufen dann durch einen Filter, mit dem Kleinstlebewesen und alle anderen festen Bestandteile herausgesiebt werden. Vor Ort werden Sauerstoff und Temperatur des Wassers gemessen. Die Bestimmung des pH-Werts und die Untersuchung all dessen, was aus dem Wasser herausgefischt wurde, erfolgen später im Gauß-Gymnasium.
Mit der Schöpfkelle in der Pfrimm
Dort wird auch untersucht, was Ilhan Sönmez zuvor aus dem Grundwasser im Uferbereich der Pfrimm, die am Gauß-Gymnasium vorbeifließt, zutage gefördert hat. Mit einer Schöpfkelle hat der Schüler Proben entnommen, aus denen die festen Bestandteile herausgesiebt wurden.
Das Wasser in Fließgewässern unterscheide sich merklich vom Grundwasser, an das man durch Graben im Uferbereich komme, erläutert Stefan Schreiner, der das Projekt seitens des Pädagogischen Landesinstituts betreut. Der Vergleich der beiden Ökosysteme sei nicht nur für Schülerinnen und Schüler sehr interessant. Im Moment gehe es vor allem darum, den Lebensraum Grundwasser zu untersuchen. Aber das Projekt sei ausbaufähig. Die Werte, die hier erhoben würden, seien beispielsweise auch geeignet, die Wasserqualität zu bestimmen. Und schon jetzt plane man im Pädagogischen Landesinstitut, den Grundwasserkoffer so weiterzuentwickeln, dass er auch bei jüngeren Schülern eingesetzt werden könne.
Fadenwürmer und Krebse
Zurück in der Schule geht es dann ans Mikroskopieren. Was haben die Schülerinnen und Schüler aus dem Grundwasser gefischt? Da gab es Hüpferlinge, also einen halben Millimeter große Ruderfußkrebse, aber auch Fadenwürmer, Muschelkrebse und einige andere Krebstierchen. Noch winzigere Tierchen einzufärben, um sie sehen zu können, darauf habe man verzichtet. Denn dadurch würden die Lebewesen abgetötet, erklärt Schreiner.
Annette Modl, Lehrerin am Gauß-Gymnasium und Leiterin der dortigen Forscherwerkstatt, ist mit dem Probelauf zufrieden. Als regionale Fachberaterin für Biologie hat sie ursprünglich den Anstoß dafür gegeben, Schulen einen Materialkoffer für Grundwasseruntersuchungen anzubieten. Sie sei immer auf der Suche nach neuen Methoden im Unterricht, erzählt sie. Dass Schülerinnen und Schüler hier selbst die Natur untersuchen könnten, sei sehr wichtig.