Meinung
AfD-Treffen in Gauersheim: Regional – das war einmal
Viele Bürger in Gauersheim haben seit Eröffnung des „Treffpunkt Nordpfalz“ das Gefühl, in eine Art Geiselhaft der AfD geraten zu sein. Die Partei bezeichnet ihre Filiale in dem winzigen Donnersberg-Dorf zwar als „lebendigen Kontrapunkt“, als Ort der Geselligkeit. Tatsächlich aber stellt er das friedliche Zusammenleben in Gauersheim auf eine harte Probe. Spätestens nach diesem Sonntag bedarf die Einschätzung des Verfassungsschutzes, der Treffpunkt habe „eher regionaleren Charakter“, einer Überprüfung.
Das graue, nasskalte Wetter jedenfalls hat perfekt zu dem gepasst, was sich in dem kleinen Ort abgespielt hat. Das ist vor allem eins: traurig. Letztlich ist der AfD mit dem Gründungstreffen für den Landesverband ihrer Nachwuchstruppe „Generation Deutschland“ erneut gelungen, was sie ohnehin gut beherrscht: die Inszenierung als Opfer.
Ihre Botschaft lautet: „Seht her! Hunderte von Polizeibeamten müssen uns schützen, damit wir uns treffen können!“ Die mit süffisantem Lächeln begleiteten Kurzauftritte von Parteipromis vor dem Versammlungsort unterstreichen das. Bilder wie die aus Gießen mit Wasserwerfern und Gewalt – die hätten sich die Funktionäre wohl ebenfalls gewünscht. Die haben ihnen die Gegendemonstranten in Gauersheim aber nicht geliefert. Sie haben bei widriger Witterung am dritten Advent dafür mit deutlichen Worten ausgedrückt, was sie von den Aktivitäten der AfD hier halten: nichts.
Im RHEINPFALZ-Liveblog können Sie die Ereignisse vom Sonntag in Gauersheim nachlesen.
