Meinung
AfD: Münzenmaier macht ernst
Wer sich auf Parteitagen der rheinland-pfälzischen AfD umgehört und auf den persönlichen Umgang der wichtigsten Protagonisten untereinander geachtet hat, dem konnte nicht entgehen: Jan Bollinger war ein Partei- und Fraktionsvorsitzender ohne Hausmacht. Oft saß der Mann aus Neuwied allein auf dem Podium, bekam für verbale Kraftmeierei höflichen Applaus, den inhaltlichen und organisatorischen Ablauf steuerten aber mehr oder weniger offensichtlich andere.
Zu den Leuten im Hintergrund zählt Landtagsabgeordneter Damian Lohr ebenso wie Michael Büge, der Bollinger als Fraktionschef abgelöst hat. Zentrale Figur im Machtgefüge der AfD in Rheinland-Pfalz ist allerdings Sebastian Münzenmaier. Der in der Südpfalz aufgewachsene 36-Jährige ist seit 2017 im Bundestag und seit 2023 Vize-Vorsitzender der AfD-Fraktion dort. Bei der Bundestagswahl 2024 hätte er um ein Haar den Wahlkreis Kaiserslautern gewonnen.
Stramm rechts und gut vernetzt
Mit diesem Erfolg und den knapp 20 Prozent bei der Landtagswahl im Rücken übernimmt Münzenmaier nun offiziell die Macht im Landesverband. Seine Ziele hat er im Frühjahr in einem Papier formuliert: „Ziel ist es, bei der nächsten Bundestagswahl in über 50 Prozent der Kreise stärkste Kraft zu werden. Die AfD wird die Partei des ländlichen Raums.“ Bewerkstelligen will Münzenmaier das mit Anlaufstellen in allen Wahlkreisen.
Dass er wie Bollinger oder dessen Vorgänger Michael Frisch von den eigenen Leuten vom Hof gejagt wird, muss Münzenmaier kaum fürchten. Er wird die Partei inhaltlich und strategisch nach seinen Vorstellungen ausrichten – stramm rechts und gut vernetzt mit dem Vorfeld bei Burschenschaften und Identitären. Sollten die anderen Parteien in Rheinland-Pfalz die AfD bisher nicht so richtig ernstgenommen haben, jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, diese Wahrnehmung zu ändern und die eigene Strategie kräftig nachzuschärfen.
