Gauersheim AfD eröffnet neues politisches Zentrum in der Pfalz
In dem 650 Einwohner zählenden Ort hatte die AfD bei der Bundestagswahl 35 Prozent der Zweitstimmen geholt. Für diese Unterstützer, aber auch andere Interessierte sei der neue „Treffpunkt Nordpfalz“ gedacht, sagte der AfD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Münzenmaier (Wahlkreis Kaiserslautern) gegenüber der RHEINPFALZ. Zuerst hatte die Allgemeine Zeitung (AZ) am Freitagnachmittag darüber berichtet. Auf RHEINPFALZ-Anfrage bestätigte am Abend ein weiterer AfD-Abgeordneter sowie Ortsbürgermeister Reiner Schlesser (parteilos) die Gründung des politischen Stützpunkts in einem früheren Gasthaus.
Laut AZ werden viele der dortigen Gäste dem „Netzwerk Münzenmaier“ zugerechnet, ein bundesweit einflussreicher Kreis aus jungen, karriereorientierten AfD-Funktionären. Gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten Damian Lohr und dem Bundestagsabgeordneten Thomas Stephan habe Münzenmaier Mitte Juli den Treff im Donnersbergkreis eröffnet. Den Termin bestätigte auf Anfrage auch Lohr, 31, der von 2018 bis 2021 Vorsitzender der Jugendorganisation Junge Alternative (JU) für Deutschland war. Die JU ist seit April 2023 vom Bundesamt für Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft.
Bürgermeister fürchtet um guten Ruf des Dorfs
Die drei Politiker wollen verstärkt persönlich vor Ort sein. Gedacht seien auch, so Lohr, kulturelle Veranstaltungen wie ein Oktoberfest oder Abende mit Zwiebelkuchen und Wein. Ende August werde Alexander Sell, EU-Parlamentarier der AfD, erwartet. Sell befürwortet unter anderem die Auflösung der EU und nannte Geflüchtete auch schon „Barbaren“.
Gauersheims Ortsbürgermeister Schlesser ist der AfD-Treff ein Dorn im Auge, er fürchte um den guten Ruf des Dorfs und befürchte Verkehrschaos bei AfD-Veranstaltungen. „Das ist eine Schande für unseren Ort“, sagte der 68-Jährige gegenüber der RHEINPFALZ. Die meisten Gäste im Treff kommen seiner Kenntnis nach von außerhalb und mit dem Auto. Er sei im Juni 2024 nochmals bei der Kommunalwahl angetreten, um den AfD-Kandidaten zu verhindern. Damals hatte Schlesser klar gewonnen.