Bundestagswahl 2025 RHEINPFALZ Plus Artikel AfD bei Jüngeren in der Pfalz auf Platz 1: RHEINPFALZ-Umfrage zeigt Entwicklung

Die Parteien werben bis zuletzt um Stimmen bei der Bundestagswahl. Viele Pfälzer haben sich offenbar schon auf ihren Favoriten f
Die Parteien werben bis zuletzt um Stimmen bei der Bundestagswahl. Viele Pfälzer haben sich offenbar schon auf ihren Favoriten festgelegt.

Die Pfalz ist anders – politisch aber eher nicht. Verglichen mit bundesweiten Umfragen stehen die Parteien den RHEINPFALZ-Daten zufolge ähnlich gut (oder schlecht) da.

Die Pfalz war seit 1949 mal ritzerot, mal tiefschwarz, ganz oft aber eine Mischung aus CDU- und SPD-dominierten Wahlkreisen. Wie wird das politische Farbenspiel nach der Bundestagswahl am 23. Februar aussehen? Am Sonntagabend in einer Woche sind wir alle ein bisschen schlauer. Eine grobe Richtung lässt sich aus den Zahlen, die das Mannheimer Meinungsforschungsinstitut Communication- & Marketing-Research (CMR) Ende Januar/Anfang Februar im Auftrag der RHEINPFALZ erhoben hat, trotzdem ablesen. Denn: 86 Prozent der 1000 Befragten haben bereits entschieden, wem sie ihre Stimme geben wollen.

An dieser Stelle finden Sie Statistiken von 23degrees.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netzwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Auf Basis dieser Angaben zeichnet sich für die Pfalz mit ihren fünf Wahlkreisen folgendes Bild ab: Stärkste politische Kraft sind die Christdemokraten mit 29 Prozent. In bundesweiten Umfragen sehen die Demoskopen die CDU seit einem Dreivierteljahr stabil jenseits der 30 Prozent. Wenn die Noch-Regierungspartei SPD hingegen am Wahlabend in Hochrechnungen das Ergebnis der RHEINPFALZ-Umfrage erreicht, würden im Willy-Brandt-Haus wohl die Sektkorken knallen: 21 Prozent und damit sechs Punkte mehr, als der Partei von Meinungsforschern aktuell zugetraut werden.

SPD über Bundesniveau

In anderer Hinsicht liegen die Pfälzerinnen und Pfälzer mit ihrem beabsichtigten Stimmverhalten voll im Bundestrend: Auf satte Gewinne darf insbesondere die AfD hoffen, die sich damit auf Augenhöhe der SPD bewegt: 21 Prozent der bereits Entschiedenen wollen die in Teilen als rechtsextrem eingestufte Partei mit ihrer Stimme unterstützen. Bündnis 90/Die Grünen bleibt mit elf Prozent in der Pfalz hinter dem Rest der Republik (14 Prozent) zurück. Die weiteren Werte im RHEINPFALZ-Wahlbarometer: Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW, 7 Prozent), FDP (4), Linke (2), Freie Wähler (2) und Sonstige (2).

CMR-Geschäftsführer Werner Dieing interpretiert die Umfrageresultate so: „Die CDU bleibt stärkste Kraft, aber die AfD hat stark aufgeholt. Das neu gegründete BSW zeigt ein bemerkenswertes Potenzial, während traditionelle kleinere Parteien wie Die Linke und FDP schwächeln.“ Letzteres sei mit dem Sturz unter die Fünf-Prozent-Marke im Vergleich zur Bundestagswahl 2021 „besonders auffällig“, so Dieing.

AfD polarisiert stark

Aus dem Anteil an sicheren Stimmen, dem Abschneiden bei der Sonntagsfrage und dem Umfang der Ablehnung hat CMR für die möglicherweise im neuen Bundestag vertretenen Parteien deren Potenzial analysiert. Die CDU darf demnach in der Pfalz auf eine „solide Basis“ vertrauen, viel Luft nach oben sei aber regional nicht. Den Sozialdemokraten bescheinigt Werner Dieing ein größeres Potenzial, aber inzwischen eine Schwäche, Wähler langfristig zu binden. Die AfD hat dem Experten zufolge die meisten sicheren Stimmen. Trotzdem: „Ihr Potenzial ist begrenzt, da die Ablehnung sehr hoch ist“, sagt der Experte. 55 Prozent der Befragten schließen kategorisch aus, die umstrittene Partei zu wählen.

Die Grünen könnten seinem Eindruck nach deutlich mehr Unterstützer mobilisieren, müssten aber mit einer recht hohen Ablehnung (35 Prozent) leben, sagt Dieing. Das könnte auf polarisierende Themen wie etwa die Klimapolitik zurückzuführen sein. Der FDP, die um den Wiedereinzug in den Deutschen Bundestag bangen muss, rät der CMR-Chef, Positionen klarer zu kommunizieren, um das beim Ampelausstieg verlorene Vertrauen zurückzugewinnen. Das Potenzial der Liberalen sei jedenfalls größer als die vier Prozent bei der Sonntagsfrage. Beim als Abspaltung der Linken neu gegründeten BSW sieht Dieing ein ähnliches Problem wie bei der AfD: eine über die treue Kernwählerschaft hinaus „breite gesellschaftliche Ablehnung“.

Eine Frage des Alters

Der sich für die Bundestagswahl abzeichnende Erfolg der AfD in der Pfalz ist bei genauer Analyse allerdings ein Phänomen, das bei den Mitbewerbern für ernsthafte Besorgnis sorgen sollte: Mit Ausnahme der CDU schaffen es die Parteien nicht mal ansatzweise, Jüngere für ihre Politik zu begeistern. Die AfD ist bei den 18- bis 29-Jährigen mit 31 Prozent und bei den 30- bis 49-Jährigen mit 30 Prozent die klare Nummer eins. Zum Vergleich: In der Generation 70 plus würden die Rechtspopulisten nur fünf Prozent der Stimmen sammeln. Die Senioren sehen sich noch zu fast drei Vierteln bei den Volksparteien CDU (39 Prozent) und SPD (33 Prozent) aufgehoben.

Und noch etwas geht aus den CMR-Zahlen klar hervor: Die insgesamt auf 21 Prozent taxierte AfD ist Männersache. Bei keiner anderen Partei fällt die Zustimmung nach Geschlechtern so unterschiedlich aus. 24 Prozent der bereits entschiedenen Männer möchten AfD wählen, aber nur 19 Prozent der Frauen. Unterm Strich kommt Meinungsforscher Dieing für die Pfalz zu dem Fazit: „Die Umfrage zeigt eine fragmentierte politische Landschaft mit wachsender Polarisierung. Die etablierten Parteien stehen unter Druck durch neue Akteure wie das BSW sowie durch den Aufstieg der AfD.“

Zur Sache

Das Mannheimer Meinungsforschungsinstitut CMR hat für eine Umfrage zur Bundestagswahl 1000 Wahlberechtigte ab 18 Jahren telefonisch und online befragt. Die Auswahl der Haushalte erfolgte mittels eines Zufallsverfahrens. Es berücksichtigt Unterschiede zwischen kreisfreien Städten und Landkreisen in der Pfalz und die Tatsache, dass nicht alle Haushalte in öffentlichen Telefonverzeichnissen gelistet sind. Befragt wurde jeweils das wahlberechtigte Haushaltsmitglied, das zuletzt Geburtstag hatte. Angewählt wurden ausschließlich Festnetznummern, da Mobilfunknummern nicht eindeutig örtlich zuzuordnen sind. Die erhobenen Daten wurden anhand aktueller Zahlen des Statistischen Landesamts Rheinland-Pfalz nach Merkmalen wie Alter, Geschlecht und Bildung gewichtet. Stichprobengröße, Befragungszeitpunkte sowie das Verfahren gewährleisten laut CMR ein repräsentatives Ergebnis für die Pfalz.

x