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Donnerstag, 13. September 2018 Drucken

Reiseziel Deutschland

Mehr als Eiche-Rustikal

Das Sauerland will Urlaubern Heimat auf Zeit bieten

Rothaarsteig

Der Rothaarsteig führt durch das Sauerland. Immer mehr - auch jüngere - Wanderer sind deshalb in der Region unterwegs. Foto: Klaus-Peter Kappest/Rothaarsteigverein e.V.

Gasthaus zu den Linden

Schlafen im Baumhaus: Das ist im «Gasthof Zu den Linden» in Oberhundem möglich. Foto: Bernd F. Meier

Aferdita Greiteman

«Tradition trifft Gegenwart» ist das Motto von Aferdita Greitemann vom «Gasthof Zu den Linden» in Oberhundem. Foto: Bernd F. Meier

Sauerländer Spezialitäten

Auch die Speisen im Sauerland stammen häufig aus der Region. Foto: Tanja Evers/Sauerland-Tourismus e.V.

Mountainbike

Auch auf zwei Rädern sind immer mehr Urlauber im Sauerland unterwegs. Foto: Manfred Stromberg/Sauerland-Tourismus e.V.

Ferienhäuser in Schmallenberg

Hygge im Sauerland: Dieses Gefühl wollen auch die zehn «Liebesgrün»-Ferienhäuser in Schmallenberg vermitteln. Foto: Bernd F. Meier

Ralf Blümer und Martin Schürmann

Ralf Blümer (l) hat die «Liebesgrün»-Ferienhütten in Schmallenberg zusammen mit Architekt Martin Schürmann entworfen. Foto: Bernd F. Meier

Juloia Seemer und Alexandra Weißenfels-Seemer

«Heimatglück»: Julia Seemer (l) und Alexandra Weißenfels-Seemer betreiben den Landgasthof in Wenholtshausen. Foto: Bernd F. Meier

Sauerländer Sauna

Heimisches Holz und Schiefer prägen den Wellnessbereich im «Hotel Nieder». Foto: Agentur Roeder GmbH & Co. KG

Ehepaar Nieder

Das Ehepaar Nieder betreibt das gleichnamige Hotel in Bestwig-Ostwig. Foto: Agentur Roeder GmbH & Co. KG

Fachwerk im Sauerland

Schwarz-weiße Fachwerkhäuser bestimmen das Aussehen vieler Dörfer im Sauerland. Foto: Bernd F. Meier

Lange Zeit dominierte in den Unterkünften im Sauerland Eiche rustikal. Daran hat sich viel geändert. Dennoch setzen die Hoteliers weiter auf Regionalität - bei den Baumaterialien und auf dem Buffet.

Schmallenberg (dpa/tmn) - Ralf Blümer kann sich noch genau erinnern: «Unser Architekt kippte einen Eimer mit kleinen Steinen vor uns aus und meinte: Das werden die Böden für die Duschen, Kieselsteine aus dem Lennefluss unten im Tal, anstelle herkömmlicher Keramikfliesen.»

Drei Jahre planten Jessica Gerritsen und Ralf Blümer gemeinsam mit dem Architekten Martin Schürmann ihre Ferienhütten am Berghang über Schmallenberg . «Liebesgrün» - diesen Namen gaben die Gastgeber ihrem Dorf mit den zehn Holzhütten.

Liebesgrün steht beispielhaft für einen Trend im Sauerland - der Hinwendung zu den Stärken der Region. Nach der Leitlinie: nicht beliebig sein, sondern den Urlaubern Heimat auf Zeit vermitteln. Mithin das so angesagte dänische Hygge, also die Gemütlichkeit, aufs Sauerland zu übertragen.

«In der 1970er und 1980er Jahren hat der nussig braune Farbton P 43, Eiche rustikal, hier viele Hotelzimmer bestimmt. Heute wird luftiger, heller und auch farbenfroher gestaltet», sagt Schürmann. Alles geschehe mit den Materialien der Region: Holz vor allem, da über die Hälfte des Gebietes aus Nadelholzwäldern besteht. Außerdem werden Schiefer und Grauwackesteine verbaut.

Auch traditionsreiche Hotels wie der über 500 Jahre alte «Gasthof Schütte» in Oberkirchen wandeln sich. Jüngst wurden dort mehrere Zimmer umgestaltet - reduziert und klar. «Durch Eichenböden unverwechselbar regional, eben typisch für uns», sagt Karl Anton Schütte, der den Gasthof in der 19. Generation führt.

Drei Tage verbleiben die allermeisten Urlauber im Sauerland. Nur zwei bis drei Auto- oder Bahnstunden von Ruhrgebiet und Rheinland sowie dem Großraum Frankfurt entfernt, gilt die Gegend als bevorzugtes Kurzreiseziel. Blitzsaubere, stille Dörfer mit schwarz-weißen Fachwerkhäusern bestimmen das Landschaftsbild.

Die Mittelgebirgslandschaft war 2017 mit über acht Millionen Übernachtungen in den mehr als 3000 Gastgeberbetrieben - von Ferienbauernhöfen über Landgasthäuser bis zum luxuriösen Fünf-Sterne-Hotel - eines der meistbesuchten Ferienziele innerhalb von Nordrhein-Westfalen.

Um das Jahr 1870 erreichten die ersten Feriengäste mit der Eisenbahn das bis dahin ziemlich abgeschiedene Bergland, wo harte Arbeit in den tiefen Wäldern, Handwerk und Milchviehwirtschaft den Menschen ein eher bescheidenes Leben sicherte. Seitdem hat sich das Land der 1000 Berge als Urlaubsziel gewandelt - im Winter rund um Willingen und Winterberg als Skigebiet, im Sommer vor allem Wanderland und immer mehr auch E-Bike-Region.

«Heimatglück» nennen die Geschwister Julia Seemer (33) und Alexandra Weißenfels-Seemer (35) ihren Landgasthof im Dorf Wenholthausen. Nach Jahren beruflicher Wanderschaft im In- und Ausland übernahmen die Schwestern den Familienbetrieb. Für sie ist der Name mehr als nur ein Wort - ihr persönliches Glück, in die Heimat zurückzukehren und dies ihren Gästen zu vermitteln. «Unser Gasthof besteht schon seit 1536, bei uns wurde im Dezember 1929 der Sauerländer Schützenbund gegründet», so Julia Seemer.

350 Schützenvereine gibt es im Sauerland - das lesen die Gäste von «Hotel Nieder» in Bestwig-Ostwig auf dem Weg zu ihren Hotelzimmern auf einem Holzbrett. «Gemeinsam mit der Innenarchitektin Michaela Voss sind wir schnell darauf gekommen: Wir präsentieren unsere Region», so Hotelier Josef Nieder. Heimisches Holz und Schiefer prägen den Wellnessbereich, auf dem Frühstücksbüffet stehen Honig und Wurstwaren vom Imker und Metzger nebenan, würziges Bier und hochprozentige Edelbrände stammen ohnehin von hier.

Grünkohl mit Mettwurst, dicke Bohnen mit Speck, Rinderrouladen und Wildschweinrücken - althergebrachte Rezepte stehen auf der Speisenkarte im «Gasthof Zu den Linden» in Oberhundem. Das Motto: Tradition trifft Gegenwart. «Essen wie bei der Oma schätzen auch unsere jüngeren Gäste», sagt Gastgeberin Aferdita Greitemann (38).

Die wandern durch die dichten Wälder und legen abends ihr müdes Haupt in den beiden Baumhäusern zur Ruhe. «Emma» und «Eliza» hat Greitemann die wohligen Holzhäuser benannt - es sind die Vornamen ihrer Töchter.

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