Akupressurmatten RHEINPFALZ Plus Artikel Entspannen wie ein Fakir

Entspannung pur? Der Körper braucht Zeit, um sich an die Matte zu gewöhnen.
Entspannung pur? Der Körper braucht Zeit, um sich an die Matte zu gewöhnen.

Akupressurmatten sollen Verspannungen lindern und beim Stressabbau helfen. Was ist dran am Hype um das moderne Nagelbrett?

David Beckham tut es, das Model Miranda Kerr schwört drauf, die Sängerin Pink angeblich auch und wer beim Netzwerk Instagram etwas auf sich hält, legt sich ebenfalls auf eine stachelige Matte. Rund 6200 kleine Spitzen aus Kunststoff hat eine gängige Akupressurmatte und laut den Herstellern sind die modernen Nagelbretter echte Multitalente.

Rücken-, Nacken- und Schulterschmerzen sollen gelindert und die Durchblutung gesteigert werden, Kopfschmerzen und Migräne sollen seltener auftreten. Zudem sollen Stress und Angstgefühle verschwinden, die Muskeln entspannt und ein tiefer Schlaf gefördert werden. Ach ja, glücklich machen soll das Ganze natürlich auch noch. Ganz schön viele Versprechungen für eine Matte mit Plastiknoppen.

In der Praxis ist der erste Versuch mit einer Akupressurmatte dann nicht ganz so entspannt. Man braucht eine Weile, um sich an den latenten Schmerz zu gewöhnen. Wobei das Schmerzgefühl nach einer Weile deutlich nachlässt.

Zu Beginn auf der Matte besser ein T-Shirt tragen

Die Hersteller empfehlen, bei den ersten Anwendungen ein T-Shirt zu tragen oder ein Tuch auf die Matte zu legen. Außerdem sei es sinnvoll, die ersten Male auf dem weichen Bett oder Sofa zu liegen und erst dann auf den harten Fußboden zu wechseln. Die Matte kann auch als Unterlage für Übungen genutzt werden: Man kann sich barfuß auf die Matte stellen, den Rücken, die Beine, die Hände oder auch vorsichtig das Gesicht drauf legen.

Fakire liegen auf einem „Bett aus Nägeln“, um physisches und spirituelles Wohlbefinden zu erlangen. Auch die Traditionelle Chinesische Medizin kennt die Matte als Hilfsmittel, durch das Aktivieren von Druckpunkten soll die Lebensenergie Qi wieder in Fluss gebracht werden – was wiederum die Selbstheilungskräfte anregen soll.

6200 kleine Spitzen haben die Matten in der Regel, es gibt auch Modelle mit mehr oder weniger Noppen. Wobei eine Matte mit mehr Spitzen für schmerzempfindliche Menschen gedacht ist. Denn: Je weniger Noppen eine Akupressurmatte hat, desto intensiver ist der Effekt, da mehr Gewicht auf den einzelnen Spitzen lastet.

Matten kosten zwischen 20 und 100 Euro

Die Matten gibt es von verschiedenen Herstellern: Günstige Modelle gibt es bereits ab 20 Euro, es gibt aber auch Matten für 100 Euro. Manche Hersteller preisen die fairen Arbeitsbedingungen ihrer Arbeiterinnen in Indien an, sie versprechen, dass die die Akupressurmatten aus zertifizierter Bio-Baumwolle, natürlichen Farben und recyceltem Schaumstoff hergestellt werden und auch die Plastikspitzen sollen vollständig recycelbar sein und aus giftfreiem ABS-Kunststoff bestehen. Aus diesem Kunststoff werden zum Beispiel auch Lego-Bausteine hergestellt.

Wissenschaftliche Untersuchungen, die die Wirksamkeit der Matten bestätigen, gibt es nicht. Es existieren kleinere Studien, die in der Regel von den Herstellern in Auftrag gegeben wurden, und sie bescheinigen der Akupressurmatte – wen wundert’s – durchweg positive Effekte.

Fakt ist: Die Matte regt die Durchblutung an und 20 Minuten auf einer Akupressurmatte zu liegen ist zumindest nicht unentspannt – wenn man sich an die Nadeln gewöhnt hat. Nutzen kann die Matte im Prinzip jeder, nur Schwangere sollten sich vor der Nutzung ärztlichen Rat einholen.

Übrigens können nicht nur die ersten Minuten auf der Matte ungewohnt sein, auch das Ende ist schmerzhaft. Löst man seine schwer gewordenen Glieder von den Nadeln, geht ein Kribbeln durch den ganzen Körper.

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