Bauen und Wohnen Daunen-Gütesiegel sollen Alptraum fürs Federvieh beenden

Daunen bei Bettwaren
In Deutschland gibt es seit Anfang 2017 das Gütesiegel Downpass mit strikten Tierschutz-Auflagen, vor allem gegen den sogenannten Lebendrupf.

Für viele gehört zum Winter die Wärme flauschiger Daunenjacken und die kuschelige Gemütlichkeit unter Daunendecken. Aber was ist mit den Gänsen und Enten, die Daunen und Federn dafür lassen? Gütesiegel sollen den Tierschutz sichern, aber das klappt nicht lückenlos.

Genf (dpa) - Glückliche Enten und Gänse leben auf großen Farmen im Freien mit Wasserzugang. Auch wenn sie zum Verzehr gezüchtet werden, rammt ihnen niemand ein Rohr zur Zwangsernährung in den Hals, damit sie Fettlebern für die Spezialität „fois gras“ bekommen.

Wenn das Ende naht, geht es auf kürzestem Weg zum Schlachter. Dort holen Daunenverarbeiter ihr Füllmaterial ab. „Wir nutzen ein Abfallprodukt der Fleischproduktion“, sagt Ina Kruchen, deren Bettwarenmanufaktur Hanskruchen seit vier Generationen in Münster besteht. Die Realität ist aber nicht überall so. Für Daunenjacken und -decken und werden mancherorts immer noch Tiere gequält.

Daunen sind anders als Federn beschaffen und dienen den Tieren wie Unterwäsche. Sie haben einen viel kürzeren Kiel und ihre Ästchen verhaken sich nicht. So bilden sich Luftpölsterchen, die eine enorme Isolation schaffen und deshalb warm halten.

In Deutschland wurden nach Angaben des Verbandes der Deutschen Daunen- und Federnindustrie (VDFI) 2019 etwa 10.000 Tonnen Daunen und Federn importiert. Der überwiegende Teil wird als Füllmaterial für Bettwaren verwendet. Zudem wurden rund 4000 Tonnen an fertigen Kissen und Zudecken eingeführt. Viel wird bearbeitet und wieder exportiert. Der Verband schätzt, dass hierzulande 2019 rund 6,3 Millionen Kissen und Zudecken gekauft wurden. Der Umsatz mit daunen- und federngefüllten Decken und Kissen lag bei 107 Millionen Euro.

Bedarf an Gänsefedern kann nicht gedeckt werden

Die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ schätzt, dass weltweit jedes Jahr rund drei Milliarden Enten und mehr als 600 Millionen Gänse in Mastbetrieben aufgezogen und geschlachtet werden. An Schlachthöfen gibt es genügend Entenfedern, aber der Bedarf an Gänsefedern, die als noch flauschiger gelten, wird dort nicht gedeckt.

Deshalb werden Gänsen in manchen Ländern bei lebendigem Leib Federn aus der Haut gerissen, rund 150 Gramm pro schmerzhafter Prozedur. Elterntiere, die nur für die Produktion von Nachkommen da sind, müssten das oft mehr als ein Dutzend mal über sich ergehen lassen. Lebendrupf ist in der EU seit 1999 verboten. In China, dem größten Federn- und Daunenlieferanten der Welt, aber nicht. Von „Qualhaltung“ spricht der Verein für artgerechte Tierhaltung „Pro Vieh“.

„Vier Pfoten“ hat nach eigenen Angaben noch 2015 und 2016 aus drei Ländern Aufnahmen solcher Tierquälerei bekommen: „China, Polen und Ungarn sind Produktionsländer, in denen Gänse noch immer lebendig gerupft werden“, sagt Yasmine Wenk von „Vier Pfoten“ Schweiz. „Wir gehen davon aus, dass es nach wie vor praktiziert wird.“

Federn und Daunen können weiterhin auch in der EU legal beim Raufen gewonnen werden, wenn die Tiere in der Mauser sind. Dann dürfen lose Daunen und Federn herausgekämmt werden. Aber nicht alle Gänse kommen zur gleichen Zeit in die Mauser. Bei der Massenabfertigung in Großbetrieben werden deshalb auch unreife, noch durchblutete Federn aus der Haut gerissen, sagen Tierschützer.

Was tun, wenn man mit blutigen Federn nichts zu tun haben will? „Zu einem guten Schlafgefühl gehört ein gutes Gewissen“, sagt Ina Kruchen. Ihre Firma arbeite direkt mit Bauern und Schlachtbetrieben zusammen. „Wir wissen, wo unsere Ware herkommt“. Das Unternehmen hat schon vor mehr als 15 Jahren ein hauseigenes Gütesiegel eingeführt, die „Grüne Gans“. Es verbietet Daunen aus Lebendrupf, Mauserrauf oder Stopfleber