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Freitag, 18. Oktober 2019 Drucken

Beruf & Bildung

Studie IQB-Bildungstrend

Viele Neuntklässler verfehlen Mindeststandard in Mathematik

Vorstellung IQB-Bildungstrend 2018

Die Schulleistungsstudie untersucht die Kompetenzstände der Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen in Mathematik, Biologie, Chemie und Physik im Ländervergleich. Foto: Fabian Sommer/dpa

Forscher fragen nach Zahlen, der Stromstärke und Metallen - und vergleichen die Leistungen der Schüler in Deutschland. Mehrfach geht der Trend nach unten. Trotzdem zeigen sich Politiker zufrieden.

Berlin (dpa) - Neuntklässler sind in ihren Leistungen in Mathematik und den Naturwissenschaften in den vergangenen Jahren in Deutschland teilweise deutlich zurückgefallen.

Rückgänge gab es vor allem in den ostdeutschen Bundesländern, wie die an diesem Freitag in Berlin präsentierte Studie IQB-Bildungstrend 2018 zeigt. Insgesamt blieben die Leistungen zwischen 2012 und 2018 aber bundesweit weitgehend stabil, obwohl die Schulen in der Zeit «exorbitante Zuwächse an Herausforderungen» schultern mussten, wie der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU), sagte.

Denn der Anteil der Schüler aus zugewanderten Familien ist seither um rund sieben Prozentpunkte auf rund ein Drittel gestiegen. Bei mehr als 40 Prozent liegt er außer in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen mittlerweile auch in Baden-Württemberg und Hessen. Zudem besuchen immer mehr Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf Regelschulen. Obwohl die Ergebnisse «insgesamt durchwachsen» seien, gäben sie vor diesem Hintergrund doch «Anlass für Zufriedenheit», sagte Lorz.

Auf und ab der Länder:

Teils deutlich gesunken sind die Leistungen in den untersuchten Fächern Mathematik, Biologie, Chemie und Physik zwischen 2012 und 2018 in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Auch in Thüringen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und dem Saarland gibt es in jeweils mehr als einem der gemessenen Fächer Verschlechterungen.

«Wir haben kaum positive Trends zu verzeichnen», stellte Studienleiterin Petra Stanat vom Berliner Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) fest. Verbesserte Leistungen der Schüler im Schnitt gab es in einigen Bereichen in Bayern und Nordrhein-Westfalen.

Mindeststandard verfehlt:

Bundesweit blieb im vergangenen Jahr fast jeder vierte Neuntklässler unterhalb des für den mittleren Schulabschluss (MSA) nötigen Mindeststandard in Mathematik. Hier werden allerdings auch Schüler mitgezählt, die nur einen Hauptschulabschluss anstreben. Fast 45 Prozent erreichten bereits in dieser Jahrgangsstufe ein Jahr vor dem MSA dagegen sogar den höheren Regelstandard. Zwischen den Ländern sind die Unterschiede groß: So blieben unter dem Mindeststandard in Mathematik nur 14 Prozent Schüler in Sachsen, 17,2 in Bayern und 19,5 in Thüringen - aber 40,6 Prozent in Bremen und 31,2 Prozent im Saarland.

In Biologie, Chemie und Physik lagen die Anteile der Schüler unterhalb des Mindeststandards bei 5 bis 17 Prozent.

Weitere Trends bei den Ländern:

Mit dem Absacken ostdeutscher Länder markiert die Studie eine deutliche Veränderung: 2012 hatten die Schüler aus den fünf neuen Ländern Bestwerte in Mathematik und Naturwissenschaften erzielt. Nun sind sie zwar immer noch im oder sogar über dem bundesweiten Durchschnitt, ragen aber nicht mehr so deutlich heraus - mit einer Ausnahme: Sachsen ist neben Bayern das einzige Land, in denen die Schüler einen erheblichen Vorsprung aufweisen.

Thüringen folgt etwa in der Liste der besten Länder bei Mathematik auf Platz 3. Hinten liegen Bremen, Berlin und das Saarland. Stanat betonte allerdings: «Es geht hier nicht um einen Wettlauf der Länder.» Mit den von ihr beauftragten IQB-Studien will die KMK vielmehr Verbesserungen insgesamt ermöglichen.

Gymnasien und Geschlechter:

Auffällig sind Verschlechterungen an Gymnasien: So stießen die Forscher hier bundesweit auf Negativtrends - am stärksten in Chemie, aber auch in Biologie, Mathematik und Physik. Die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) regte eine mögliche Rückkehr zur Empfehlung der Grundschulen für eine bestimmte weiterführende Schulart an.

Zudem zeigt die Studie, dass die Mädchen im Vergleich zu den Jungen etwas aufgeholt haben. Ungünstige Entwicklungen gehen häufiger auf Jungen zurück.

Was Neuntklässler können sollten:

Die Schüler sollten zum Beispiel folgende Aufgabe lösen:

Ein Fußballstadion hat 14.600 Plätze, davon 5300 Sitz- und 9300 Stehplätze. Ein Sitzplatz kostet 14, ein Stehplatz 5 Euro. Welche Belegungen des Stadions ergeben eine Einnahme von 100.000 Euro? «Es gibt mehrere Möglichkeiten. Gib zwei davon konkret an.»

In Chemie geht es zum Beispiel darum, warum Zink nach der Reaktion mit Sauerstoff mehr wiegt als vorher, in Physik darum, in welcher Einheit elektrische Stromstärke gemessen wird.

Pfalz-Ticker