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Donnerstag, 26. März 2020 Drucken

10 Dinge, die Sie zum Thema Kurzarbeit wissen müssen

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Viele Unternehmen beantragen wegen der Corina-Krise derzeit Kurzarbeit.

Viele Unternehmen beantragen wegen der Corina-Krise derzeit Kurzarbeit. (Foto: dpa)

Immer mehr Unternehmen in Deutschland beantragen wegen der Corona-Krise Kurzarbeit. Aber was heißt das genau für den Arbeitnehmer? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wer beantragt Kurzarbeit?

Kurzarbeit beantragt der Arbeitgeber. Der Bundestag hat dazu kurzfristig ein neues Gesetz auf den Weg gebracht. Rückwirkend zum 1. März können Betriebe Kurzarbeitergeld nun bereits nutzen, wenn nur zehn Prozent der Beschäftigten vom Arbeitsausfall betroffen sind. Bislang musste das ein Drittel der Arbeitnehmer sein.

Kann der Arbeitgeber mich zwingen, erstmal Urlaub abzubauen?

Die Voraussetzungen für Kurzarbeitergeld sind im Sozialgesetzbuch III genau geregelt. Kurzarbeit kann der Arbeitgeber demnach anmelden, wenn der Arbeitsausfall unvermeidbar ist und der Betrieb alles getan hat, um ihn zu vermindern oder zu beheben. „Das bedeutet, dass zunächst auch Zeitguthaben, Überstunden oder Ähnliches “abgefeiert„ werden müssen“, erklärt Fachanwalt Johannes Schipp. Zudem sei es möglich, Urlaub anzuordnen, soweit die betreffenden Urlaubstage nicht schon genehmigt sind. Urlaub, der schon genehmigt ist, könne vom Arbeitgeber nicht ohne weiteres wieder gestrichen werden.

Bekomme ich weniger Geld?

Ja, während der Kurzarbeit erhalten betroffene Arbeitnehmer 60 Prozent des Nettolohns für die ausgefallene Arbeitszeit von der Arbeitsagentur. Wer eigene Kinder im Haushalt hat, bekommt 67 Prozent. Der Arbeitgeber zahlt das Kurzarbeitergeld an seine Beschäftigten aus. Allerdings sind diese Prozentzahlen dem Fachanwalt zufolge auf die Beitragsbemessungsgrundlage in der Arbeitslosenversicherung begrenzt. Das sei aber für „Normalverdiener“ eher ohne Bedeutung.

Ab wie vielen Mitarbeitern könnten Unternehmen Kurzarbeit beantragen?

Es gibt für Kurzarbeit keine Mindestgrenzen. Unternehmen können ab einem Mitarbeiter Kurzarbeit beantragen. Ein Selbstständiger kann aber nicht für sich selbst Kurzarbeit beantragen. Das geht nur für Angestellte.

Wie lange darf die Kurzarbeit dauern?

Die längst mögliche Zeit sind zwölf Monate

Müssen die Beschäftigten in einem Unternehmen ihre Arbeitszeit um jeweils den gleichen Prozentsatz reduzieren?

Die Arbeitszeit muss nicht für alle Beschäftigten gleichermaßen reduziert werden. Wichtig ist laut Bundesarbeitsministerium, dass für alle betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Reduzierung der Arbeitszeit mit Entgeltreduzierung, also die Kurzarbeit, auf der Grundlage von Tarifverträgen, Betriebsvereinbarungen oder einzelvertraglicher Regelungen wirksam vereinbart wird.

Welchen Umfang kann der Arbeitsausfall in Kurzarbeit haben?

Ob der Arbeitsausfall Stunden, Tage oder sogar Wochen umfasst, richtet sich nach der Auftragslage und den Vereinbarungen im Unternehmen. Bei der „Kurzarbeit null“ beträgt der Arbeitsausfall 100 Prozent, das heißt die Arbeit wird für eine vorübergehende Zeit vollständig eingestellt.

Welche Rolle spielt der Betriebsrat bei der Einführung von Kurzarbeit?

Voraussetzung für die Einführung von Kurzarbeit in einem Unternehmen ist, dass der Betriebsrat zustimmt. In Unternehmen ohne Betriebsrat und ohne tarifvertragliche Regelungen zur Kurzarbeit müssen alle betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kurzarbeit zustimmen.

Verschlechtert sich für Beschäftigte durch Kurzarbeit die soziale Absicherung?

Nein. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Kurzarbeit müssen Einkommenseinbußen verkraften, bleiben aber sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Ihre soziale Absicherung in der Kranken-, Renten-, Pflege-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung bleibt erhalten.

Kann ich mir bei Kurzarbeit etwas dazu verdienen?

Ja, allerdings hat das Auswirkungen auf die Höhe des Kurzarbeitergeldes. Nehmen Beschäftigte während des Bezugs von Kurzarbeitergeld eine Nebentätigkeit auf, wird das daraus erzielte Entgelt auf das Kurzarbeitergeld angerechnet, denn es liegt eine Erhöhung des tatsächlichen erzielten Entgelts vor. Ausnahmen gibt es für Beschäftigungen in einem systemrelevanten Bereich. Auch wenn die Nebentätigkeit schon vorher bestand, wird das Entgelt nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet.

|fkk/dpa

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