Iran RHEINPFALZ Plus Artikel Wer kommt nach den Mullahs?

Reza Pahlavi, Sohn des einstigen Schahs von Persien, wird von Exiliranern (hier in den USA) gefeiert.
Reza Pahlavi, Sohn des einstigen Schahs von Persien, wird von Exiliranern (hier in den USA) gefeiert.

Obwohl viel von Systemwechsel im Iran geredet wird, gibt es bisher kein Konzept. Immer wieder fällt der Namen Reza Pahlavi. Warum ist er ein Hoffnungsträger?

Der 1979 gestürzte und aus dem Land geflohene Schah von Persien, Reza Pahlavis Vater, hat indirekt ein Stück deutsche Geschichte mitgeschrieben. Bei einer Demo gegen seinen Besuch in West-Berlin wurde ein 26-jähriger Student aus Charlottenburg namens Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 von einem Polizisten erschossen. Proteste in West-Berlin und anderen Städten der Bundesrepublik eskalierten. Die studentische Opposition erhielt immer mehr Zulauf, die 68-er Bewegung war geboren.

Das Schah-Regime war nicht ohne Grund verhasst bei deutschen Studenten und in der Intellektuellenszene, und nicht nur dort. Der berüchtigte Geheimdienst Savak terrorisierte die Opposition. Verhaftungen, Inhaftierungen ohne Gerichtsverfahren, Folter und Misshandlungen waren an der Tagesordnung. Unliebsame Personen verschwanden einfach. Das Regime hielt wenig von demokratisch-rechtstaatlichen Verfahren oder gar von Presse- und Meinungsfreiheit.

Märchenhafter Reichtum

Dennoch war der autokratisch herrschende Schah (persisch: Kaiser) ein gern gesehener Gast in der Bundesrepublik. Damals wie heute war der Ölreichtum des Landes ein starkes Argument. Und in der Boulevardpresse hatten Mohammad Reza Pahlavi und seine Familie die Klatschspalten quasi abonniert. Der märchenhafte Reichtum Pahlavis, der an Geschichten aus Tausendundeiner Nacht erinnerte, seine mondänen Gattinnen (die zweite, Soraya, musste wegen Kinderlosigkeit gehen) und die drei kleinen Kinder sorgten für viel Gesprächsstoff. Ehefrau Nummer drei, die Diplomatentochter und Architekturstudentin Farah Diba, stand für westlichen Lebensstil und glamourösen Luxus.

Damit war es 1979 vorbei. Die islamische Revolution fegte das Pahlavi-Regime hinweg. Ayatollah Ruhollah Chomeini kehrte aus dem Pariser Exil nach Persien zurück, das in Iran umbenannt wurde, und übernahm die Macht. Der Schah und seine Familie flüchteten aus dem Land. Die Familie lebte danach unter anderem in Ägypten, der Schweiz und später in den USA. Und das nicht schlecht. Einen großen Teil ihres märchenhaften Reichtums hatte die Familie Pahlavi in das neue Leben retten können.

Pahlavi hat sich nie distanziert

So kann man heute auch nirgendwo einen Hinweis darauf finden, ob und wie der älteste Schah-Sohn Reza seine Brötchen verdient. Sein Privatvermögen wird auf umgerechnet etwa 50 Millionen Euro geschätzt. Er hat an der University of Southern California (USC) studiert und schloss dort ein Bachelor- und Master-Programm in Politik- und Staatswissenschaften ab. Der inzwischen 65-jährige lebt in den USA und bezeichnet sich als politischer Aktivist, Netzwerker und Kämpfer für einen demokratischen Iran. Allerdings hat er sich nie in irgendeiner Weise von der Schreckensherrschaft seines Vaters, der schon 1980 im Exil starb, distanziert.

Dennoch ist der Sohn das bisher einzige bekanntere Gesicht einer Opposition zum Mullah-Regime in Teheran, das nach den Angriffen durch die USA und Israel inzwischen fester im Sattel zu sitzen scheint als zuvor. Am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz Mitte Februar hatte Reza Pahlavi seinen großen Auftritt. In seiner Rede vor einer Demonstration von Exil-Iranern gegen die Führung der Islamischen Republik äußerte er die Absicht, seine alte Heimat in eine demokratische Zukunft führen zu wollen. „Ich bin hier, um den Übergang zu einer säkularen, demokratischen Zukunft zu gewährleisten“, sagte er vor einer jubelnden Menschenmenge. „Ich bin entschlossen, für Sie der Anführer dieses Übergangs zu sein. Damit wir eines Tages die endgültige Chance haben, über das Schicksal unseres Landes durch einen demokratischen, transparenten Prozess an der Wahlurne zu entscheiden.“

Anfang März hat Pahlavi ein Komitee zur Einrichtung einer Wahrheits- und Justizkommission im Iran gegründet. Das Komitee sei „mit der Ausarbeitung der regulatorischen Grundlagen für eine Übergangsjustiz beauftragt“, erklärte er im Onlinedienst X. Die in Großbritannien lebende ehemalige iranische Richterin, Menschenrechtsaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi (78) werde es leiten, so Pahlavi.

Anspruch auf Führung

Doch auch die Exilgruppe Nationaler Widerstandsrat Iran mit Sitz in Paris erhob vor wenigen Tagen den Anspruch, nach einem Sturz der Machthaber in Teheran eine provisorische Regierung zu bilden. Ihre Anführerin Maryam Rajavi (72) hat einen Zehn-Punkte-Plan für den Regimewechsel entwickelt. Eine Regierung unter Führung von Reza Pahlavi lehnt der Nationale Widerstandsrat ab. Dieser entstand 1981 aus den Volksmudschahedin. Die ursprünglich islamistisch-sozialistische Bewegung der Volksmudschahedin, die vom Irak aus bewaffnet gegen den Iran vorging, stand in EU und USA zeitweise auf der Terrorliste. Kritikern zufolge sind ihre Strukturen undemokratisch. Der Widerstandsrat ließ in Paris verlauten, er verfüge nicht nur über eine „Befreiungsarmee“, die überall im Iran operieren könne, sondern auch über ein großes soziales Netzwerk an Unterstützern im Land selbst sowie über Geheimdienststrukturen.

Derzeit scheint allerdings der Geheimdienst der Mullahs noch die Oberhand zu behalten. Dieser vermeldete vor wenigen Tagen, er sei erfolgreich gegen Dutzende Netzwerke von Oppositionellen vorgegangen. „111 Zellen von Monarchisten“, also Pahlavi-Anhängern, seien identifiziert worden, berichtete die Nachrichtenagentur Tasnim. Ihr zufolge wurden bei den Geheimdienstoperationen Schusswaffen „zur Auslösung von Straßenunruhen“ beschlagnahmt. Vier Personen seien außerdem wegen des Vorwurfs der Spionage festgenommen worden.

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