Fragen und Antworten RHEINPFALZ Plus Artikel Wer ist Modschtaba Chamenei, der neue oberste Führer Irans?

Die Unterstützer des iranischen Regimes feierten in der Nacht zum Montag in Teheran die Wahl von Ajatollah Modschtaba Chamenei z

Der Sohn des getöteten iranischen Revolutionsführers übernimmt das Spitzenamt des Regimes. Was die Entscheidung für die Zukunft des Landes und den Krieg in Nahost bedeutet.

Mit Fahnen und Autokorsos feierten Anhänger des iranischen Regimes in der Nacht zum Montag die Wahl des 56-jährigen Ajatollahs Modschtaba Chamenei zum neuen Anführer der Islamischen Republik. Der Sohn des getöteten Revolutionsführers Ali Chamenei werde als neuer Mann an der Spitze des Staates seinen Vater rächen und keine Kompromisse eingehen, sagte eine Teilnehmerin der Feiern in Teheran der Nachrichtenagentur AP. Auch Iran-Experten rechnen mit der Fortsetzung der harten Linie in der Innen- und Außenpolitik. Der neue Staatschef sei „der ausgestreckte Mittelfinger des Regimes“, sagte Ali Alfoneh vom Arab Gulf States Institute in Washington. Modschtaba Chamenei hat als dritter Revolutionsführer nach Staatsgründer Ruhollah Chomeini und seinem Vater nicht viel Spielraum, denn er regiert ein Land im Krieg und ein wankendes Regime. Israel und die USA trachten ihm nach dem Leben.

Was ist über den neuen Regimechef bekannt?
Für die meisten Iraner ist der neue Revolutionsführer ein Unbekannter. Millionen Bürger haben noch nie seine Stimme gehört, denn bisher mied der 56-Jährige öffentliche Auftritte. Modschtaba Chamenei wurde als zweitältestes der sechs Kinder Ali Chameneis im September 1969 in Maschhad geboren, der Heimatstadt seines Vaters. Die Chameneis signalisieren mit dem Ehrentitel Seyed und schwarzen Turbanen ihren Anspruch, vom Propheten Mohammed abzustammen.

Modschtaba Chamenei schlug früh die Laufbahn eines Geistlichen ein und schloss sich gegen Ende des Irak-Krieges in den 80er Jahren der Revolutionsgarde an; nach einigen Berichten wurde er im Krieg verwundet. Aus dieser Zeit stammen Modschtabas enge Verbindungen zur Garde, der Elitetruppe des Regimes. Sein Vater setzte ihn früh für politische Aufgaben ein. So soll Modschtaba auf Weisung seines Vaters vor der Präsidentenwahl von 2005 den damaligen Präsidentschaftskandidaten und späteren Wahlsieger Mahmud Ahmadineschad unterstützt haben.

Der neue Revolutionsführer bekleidete bis zu seiner Wahl ins höchste Staatsamt durch den sogenannten Expertenrat aus 88 konservativen Geistlichen nie ein Wahlamt, sondern arbeitete im Stab seines Vaters, wo er sich politischen Einfluss verschaffte. Die iranische Opposition wirft ihm vor, an der Niederschlagung von Aufständen gegen das Regime beteiligt gewesen zu sein. Die USA setzten ihn bereits 2019 auf die Sanktionsliste. Modschtaba Chamenei soll mehrmals zu medizinischer Behandlung in London gewesen sein. In der Endphase der 37-jährigen Herrschaft des älteren Chamenei wurde Modschtaba häufig als Favorit für die Nachfolge genannt.

Am ersten Tag des neuen Iran-Krieges am 28. Februar verlor Motschdaba bei den amerikanisch-israelischen Luftangriffen in Teheran laut Medienberichten nicht nur Vater und Mutter, sondern auch seine Frau und mindestens eines seiner drei Kinder.

Was sagt die Wahl von Modschtaba Chamenei über den Zustand des Regimes aus?
„Der Aufstieg von Modschtaba in die Position des obersten Führers wird die ohnehin schon einflussreiche Rolle der Revolutionsgarde im Staat festigen und stärken“, sagt der Iran-Experte Arman Mahmoudian von der Universität Süd-Florida. „Die Garde war schon länger Modschtabas wichtigster institutioneller Unterstützer“, betont Mahmoudian.

Wie schwer das Wort der Garde bei der Auswahl des neuen Regimechefs wog, zeigt ein Tabubruch bei Modschtaba Chameneis Wahl: Eine dynastische Nachfolgeregelung widerspricht den ideologischen Prinzipien der Islamischen Republik, die 1979 als Antwort auf die Schah-Dynastie gegründet wurde. Dass diese ideologische Leitlinie über Bord geworfen wurde, zeigt die Machtstellung der Revolutionsgarde. Es bedeutet aber auch, dass es Widerstände im Regime gegen ihn geben wird, was seine Abhängigkeit von der Garde weiter verstärkt. Mit der Entscheidung für Modschtaba Chamenei und gegen gemäßigtere Kandidaten signalisiert das Regime seine Entschlossenheit, die Theokratie gegen Israel und die USA, aber auch gegen die iranische Reformbewegung zu verteidigen. „Ihr habt einen Chamenei getötet, aber wir wählen einen neuen“, laute die Botschaft, meint Alfoneh.

Wie wird Modschtaba Chamenei regieren?
Anders als sein Vater, der über Jahrzehnte seine Seilschaften aufbauen konnte, dürfte Modschtaba Chamenei den Staat nicht von Anfang an im Griff haben. Iran-Experte Alfoneh erwartet, dass neben der Revolutionsgarde auch Präsident Massud Peseschkian, Justizchef Gholam-Hossein Mohseni-Ejei und Kommandeure der regulären iranischen Armee bei Entscheidungen mitreden werden.

Hinzu kommt, dass Modschtaba die Zügel mitten im schwersten militärischen Konflikt des Iran seit dem Krieg gegen den Irak vor 40 Jahren übernimmt. „Das Land ist im Krieg, und es ist nicht einmal sicher, ob das Regime überleben wird“, sagt Mahmoudian.

Wird Modschtaba Chamenei versuchen, den Krieg rasch zu beenden?
Weil nur wenig über die politischen Ziele des neuen Regimechefs bekannt ist, sind Voraussagen über seine Haltung im Krieg schwierig. Einerseits könnte er unter dem Einfluss der Hardliner in der Revolutionsgarde und aus persönlichen Gründen den Krieg weiter vorantreiben und versuchen, den Tod seines Vaters und seiner Familienangehörigen zu rächen.

Andererseits liege es im Interesse des neuen Manns an der Staatsspitze, den Krieg zu beenden, sagt Mahmoudian. Ohne Deeskalation und eine Beendigung des Kriegs werde Modschtaba Chamenei weder sein bereits schwer vom Krieg gezeichnetes Land wieder aufbauen noch seine eigene Macht festigen können. „Er braucht ein gewisses Maß an Stabilität.“

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