Verteidigung RHEINPFALZ Plus Artikel Wehrbeauftragter: Skepsis bei Personalgewinnung der Bundeswehr

Der Wehrbeauftragte Henning Otte legte am Dienstag seinen Jahresbericht vor.
Der Wehrbeauftragte Henning Otte legte am Dienstag seinen Jahresbericht vor.

Der Wehrbeauftragte äußert sich zu den Exzessen bei den Fallschirmjägern in Zweibrücken. Und ist skeptisch, ob die Bundeswehr ohne Wehrpflicht auskommt.

Einen erneuten deutlichen Anstieg bei Vorgängen von Rechtsextremismus, sexualisiertem Fehlverhalten und Mobbing in der Bundeswehr registriert der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Henning Otte (CDU), der am Dienstag seinen Jahresbericht 2025 vorlegte. „Jeder Fall ist einer zu viel“, sagte Otte. Die Zahlen zeigten aber auch, dass es eine erhöhte Sensibilisierung bei diesen Themen gebe: „Das Meldewesen funktioniert“, stellte der Wehrbeauftragte fest. Dienstpflichtverletzungen müssten „ausnahmslos und konsequent“ geahndet werden.

Zahlreiche, schwere Verfehlungen von Soldaten im Fallschirmjägerregiment 26 in Zweibrücken hatten in den vergangenen Monaten auch bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Dabei geht es um Rechtsextremismus, Drogenmissbrauch, Diskriminierung und sexualisierte Gewalt. Die Bundeswehr sprach zuletzt von 55 Beschuldigten, elf Soldaten sind entlassen worden.

„Schiefes Bild der Bundeswehr“

„Sexismus, Extremismus hat in der Truppe keinen Platz“, sagte Otte am Dienstag. Das Wertegerüst der Bundeswehr müsse durch mehr Dienstaufsicht sichergestellt werden. Früher habe es den Wachhabenden Offizier oder den Unteroffizier vom Dienst gegeben. Sie wieder einzuführen, sei zwar eine stärkere dienstliche Belastung, „aber es erscheint notwendig“, äußerte Otte.

Der Wehrbeauftragte mahnte aber auch, dass Traditionsbewusstsein wichtig sei für die Bundeswehr. Otte begrüßte, das die Bundeswehr bis Jahresende eine Dunkelfeldstudie vorlegen werde, die sexuelle Belästigung, Fehlverhalten und Übergriffe untersucht. Sie wurde nach ersten anonymen Meldungen aus Zweibrücken an die damalige Wehrbeauftragte Eva Högl (SPD) Ende 2024 in Auftrag gegeben.

Zu Vorfällen in Zweibrücken sagte Otte aber auch, „einzelne Handlungen geben immer ein schiefes Bild der Bundeswehr in der Öffentlichkeit“. Es sei auch ganz wichtig, den guten Dienst, den die Truppe leiste, in den Vordergrund zu stellen.

Den angestrebten Personalaufwuchs von aktuell 184.000 auf 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten bis Mitte der 2030er-Jahre nannte Otte „eine große Herausforderung“. Er äußerte „eine gewisse Skepsis“, ob das über Freiwilligkeit erreicht werde. Das werde erst Ende dieses Jahres sichtbar. 2027 müsse dann entschieden werden, ob es beim freiwilligen Aufwuchs bleibe oder ob der „Weg zur Bedarfswehrpflicht“ gesucht werden müsse. Der Wehrbeauftragte beklagte, dass in der Bundeswehr „viel zu wenig“ Soldatinnen gebe. Ihr Anteil an den Uniformierten mache nur knapp 14 Prozent aus.

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