Politik Was Wähler zur Bundestagswahl wissen müssen
Die Wähler
Das Statistische Bundesamt schätzt, dass am Sonntag mindestens 59,2 Millionen Deutsche zur Wahl gehen dürfen, darunter 30,6 Millionen Frauen und 28,6 Millionen Männer. Die Angaben basieren auf dem Zensus von 2022. Dazu kommen noch weitere Wahlberechtigte, die im Ausland leben.
Bei der Bundestagswahl gilt, anders als bei Europawahlen oder in manchen Bundesländern auch bei Landtags- oder Kommunalwahlen, das Wahlrecht ab 18 Jahren. Laut dem Statistischen Bundesamt dürfen 2,3 Millionen Menschen, 3,9 Prozent der Wahlberechtigten, am Sonntag zum ersten Mal bei einer Bundestagswahl abstimmen. Dadurch, dass die Wahl vom 28. September in den Februar vorverlegt wurde, werden rund 400.000 junge Menschen die Gelegenheit verpassen, zum ersten Mal zur Wahl zu gehen.
Im Vergleich zur Bundestagswahl 2021 ist die Anzahl der Wahlberechtigten gesunken. Damals waren rund 61,2 Personen wahlberechtigt gewesen. Die Differenz führt das Statistische Bundesamt vor allem auf die demografische Entwicklung zurück.
Die Kandidaten
Auch wenn die Kanzlerkandidatinnen und -kandidaten auf Wahlplakaten und in den Medien allgegenwärtig sind: Bei der Bundestagswahl geht es eigentlich darum, wer die 630 Abgeordneten sein werden, die den neuen Bundestag bilden. Um diese Mandate bewerben sich 4506 Kandidatinnen und Kandidaten, wie die Bundeswahlleiterin mitteilt. Knapp ein Drittel davon sind demnach Frauen. Bei der letzten Bundestagswahl 2021 standen 6211 Personen zur Wahl.
Die jüngste Bewerberin bei der Bundestagswahl 2025 wurde erst vier Tage vor der Wahl 18 Jahre alt und kandidiert im baden-württembergischen Wahlkreis „Zollernalb – Sigmaringen“ für die Linke um ein Direktmandat; die mit 88 Jahren älteste steht auf der Landesliste der MLPD in Hamburg. Das Durchschnittsalter der Kandidatinnen und Kandidaten liegt bei 45,3 Jahren.
Zur Wahl zugelassen sind laut der Bundeswahlleiterin 29 Parteien mit 229 Landeslisten. Es werden also nicht alle Parteien in jedem Bundesland auf dem Stimmzettel stehen. 2021 gab es 338 Landeslisten von 40 Parteien. Auch die Anzahl der parteilosen Einzelbewerber ist zurückgegangen: 2021 waren es noch 197, in diesem Jahr sind es 62.
Der Stimmzettel
Auf dem Stimmzettel zur Bundestagswahl darf jeder Wähler zwei Kreuze machen: je eins für die Erst- und Zweitstimme. Mit der Erststimme wird der Direktkandidat des jeweiligen Wahlkreises gewählt. Insgesamt gibt es 299 Wahlkreise, davon liegen fünf in der Pfalz und zehn weitere im restlichen Rheinland-Pfalz. Mit der Zweitstimme entscheiden sich die Wähler für die Landesliste einer Partei. Über die Verteilung der Zweitstimmen wird bestimmt, welche Partei wie viele Sitze im Bundestag erhält. Erst- und Zweitstimme müssen nicht an dieselbe Partei vergeben werden.
Das neue Wahlrecht
Das von der Ampelkoalition beschlossene neue Wahlrecht verändert die Zuteilung der Mandate von Wahlkreisgewinnern (Erststimme). Es gibt keine Garantie mehr, dass ein Direktkandidat, der den Sieg im Wahlkreis errungen hat, auch einen Sitz im Parlament erhält. Das Ticket nach Berlin bekommt der Sieger nur dann, wenn seine Partei auch ausreichend Zweitstimmen erhalten hat. Beispiel: Haben die Direktkandidaten einer Partei 15 Wahlkreise in einem Bundesland gewonnen, während ihre Partei über die Zweitstimme aber nur Anrecht auf ein Kontingent von zwölf Mandaten erhalten hat, gehen die drei Wahlkreissieger mit dem schlechtesten Ergebnis leer aus. Nach bisherigen Schätzungen betrifft dies im gesamten Bundesgebiet rund 20 Wahlkreissieger, vor allem bei der CDU und (in Ostdeutschland) bei der AfD.
Die Fünf-Prozent-Hürde
Nicht jede Partei, die zur Wahl steht, wird auch im Bundestag vertreten sein. Damit das Parlament überschaubar bleibt, dürfen nur Parteien, die mindestens fünf Prozent der Zweitstimmen erhalten haben, in den Bundestag einziehen. Ausnahmen gibt es für Parteien, die mindestens drei Direktmandate gewonnen haben, sowie für Parteien nationaler Minderheiten. Aus diesem Grund ist die Partei der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein, der Südschleswigsche Wählerverband (SSW), seit 2021 mit einem Abgeordneten im Bundestag vertreten.
Mehr zur Bundestagswahl
Alles zur Bundestagswahl, ständig aktualisierte Zahlen am Wahltag und danach finden Sie unter rheinpfalz.de/bundestagswahl2025.