Meinung
Warum eine höhere Pendlerpauschale die falsche Antwort auf die Spritpreise ist
Die Spritpreise steigen, der Druck auf die Regierung wächst. Und schon steht ein alter politischer Reflex wieder im Raum: die Pendlerpauschale erhöhen. Wer täglich zur Arbeit fährt, soll entlastet werden – das klingt plausibel. Doch gerade in einer Energiekrise ist die Pauschale ein zweifelhaftes Instrument. Denn sie hilft zu spät. Entlastung käme erst mit der nächsten Steuererklärung. Wer heute an der Zapfsäule tief in die Tasche greifen muss, hat davon wenig.
Das zweite Problem ist grundsätzlicher. Die Pauschale belohnt lange Wege. Seit Jahren kritisieren Ökonomen und Umweltforscher diesen Mechanismus, weil er ein Mobilitätsmodell stabilisiert, das Deutschland überwinden muss: weite Pendelstrecken, vor allem Autoverkehr und hohe Abhängigkeit von fossilen Energien. Eine höhere Pauschale würde dieses System eher zementieren.
Allerdings wäre es zu einfach, der Regierung nur Untätigkeit vorzuwerfen. Auch die Alternativen haben ihre Tücken. Tankrabatte sind teuer, Preisdeckel greifen massiv in Märkte ein, Steuersenkungen reißen Löcher in den Haushalt.
Dennoch sollte die Pendlerpauschale nicht zum zentralen Instrument werden: Eine Energiekrise löst man nicht, indem man lange Autofahrten steuerlich stärker belohnt. Wenn der Staat entlastet, sollte er gezielt helfen – und zugleich den Weg aus der fossilen Abhängigkeit erleichtern.