Meinung
Wahlen in Frankreich: Spaltpilz scheitert
In Paris hat sich die Mehrheit der Wähler gegen Rachida Dati entschieden, gegen eine Frau, die sich von ihrem Opportunismus leiten lässt, in Korruptionsaffären verstrickt ist und die gelungene Verkehrswende zurückdrehen wollte. Die Wähler stimmten stattdessen für einen Mann, der die Verkehrswende konsequent fortführen will. Für Frankreichs Capitale ist der Sozialist Emmanuel Grégoire eindeutig die bessere Entscheidung.
In Marseille wiederum entschieden sich die Wahlberechtigten gegen einen Rechtsextremen, der einen Teil der Menschen, nämlich Einwandererkinder, ausschließen wollte: Sie sollten bestimmten Strandbereichen fernbleiben. Ein Sieg des Rassemblement National (RN) ausgerechnet in der bis jetzt so weltoffenen Metropole am Mittelmeer hätte eine fatale Wirkung entfaltet. Doch der Spaltpilz ist gescheitert.
Insgesamt schritt der RN zwar zahlenmäßig voran, aber langsamer, als es so manche Umfrage glauben ließ. Auf nationaler Ebene bleibt der RN Nummer eins, auf lokaler Ebene dominieren hingegen die traditionellen Volksparteien. Demgegenüber spielte Renaissance, die Partei von Präsident Emmanuel Macron, kaum eine Rolle. Die „pragmatische“ politische Mitte blieb eine Eliten-Idee. Stattdessen kam die Links-Rechts-Spaltung wieder zum Vorschein. Das ist auch eine Chance für die Parteien, an einem Profil zu arbeiten, das den Menschen etwas bietet – vor allem eine echte Wahl.