Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Wahl mit Sprengkraft: Wer Macrons Nachfolger in Frankreich werden könnte

Im nächsten Jahr sind die Präsidentschaftswahlen in Frankreich.
Im nächsten Jahr sind die Präsidentschaftswahlen in Frankreich.

Der Kampf um die Nachfolge von Emmanuel Macron droht zum inhaltsleeren Showdown der Egos zu werden. Dabei hat Frankreich etwas ganz anderes bitter nötig.

Frankreich steht ein bewegtes Jahr bevor. Der Kampf vor der Präsidentschaftswahl im April 2027 dürfte hart werden. Ein drittes Mal in Folge darf Emmanuel Macron nicht kandidieren. Das Ergebnis ist auch für Europa entscheidend.

Ein klarer Nachfolger ist derzeit nicht zu erkennen. Wahrscheinlich wird die Person, die der rechtsextreme Rassemblement National (RN) ins Rennen schickt, die Stichwahl erreichen. Das gilt sowohl für die Fraktionschefin Marine Le Pen, als auch für den Parteivorsitzenden Jordan Bardella.

Auch wenn sie es nicht mehr laut sagen, unterhalten sie eine ideologische Nähe zur russischen wie auch der US-Regierung, also zu erklärten Gegnern der EU. Das macht diese Wahl so riskant für die Gemeinschaft. Bei einem Sieg des RN droht der EU eine Voll-Blockade.

Vom Ziehsohn zur ersten Wahl

Wer von den beiden antritt, entscheidet sich am 7. Juli. Dann fällt das Pariser Berufungsgericht das Urteil gegen Le Pen im Prozess wegen der massiven Veruntreuung von EU-Geldern. Sollte es die Strafe der fünfjährigen „Nichtwählbarkeit“ sowie Hausarrest mit elektronischer Fußfessel bestätigen, würde der Weg endgültig frei für Bardella, der längst beliebter ist als seine Mentorin.

Durch sein höfliches Auftreten versucht er der Partei, einen respektablen Anschein zu geben. Doch der grundlegende Ausländerhass ist geblieben. Es wäre fatal, würden die Franzosen dem dann 31-jährigen Bardella die Schlüssel für den Élysée-Palast anvertrauen.

Mögliche Herausforderer

Die besten Chancen, den Rechtsextremen etwas entgegenzusetzen, hat aktuell Édouard Philippe, Macrons erster Regierungschef, der durch sein ruhiges Krisenmanagement während der Corona-Pandemie viel Vertrauen gewann. Er gehört demselben proeuropäisch-konservativen Lager an, unterstützt mit seiner Partei Horizons die Regierung, ging zugleich auf Distanz zu Macron.

Ähnlich positioniert sich Gabriel Attal, ein weiterer Ex-Premierminister, der ebenfalls mit dem Präsidenten gebrochen hat, so sehr er ihm mit seinem Kommunikationstalent ähnelt. Im selben Feld befindet sich der frühere Premier- und Außenminister Dominique de Villepin, berühmt geworden durch ein donnerndes „Non“ zum Irak-Krieg der USA 2003. Auch heute äußert sich der 72-Jährige oft zu internationalen Krisen. Weniger sagt er zur Rentenreform oder zu Problemen in Schulen und Krankenhäusern.

Richtungsentscheidung für Frankreich

Rechts der Mitte kürten die Republikaner ihren Parteichef Bruno Retailleau zum Kandidaten. Der innenpolitische Hardliner setzt auf Themen wie Sicherheit, Autorität und eine restriktive Einwanderungspolitik. Auch seine Wahl wäre ein schlechtes Signal für die europäischen Partner.

Das linke Lager kann sich bislang nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen. Da gibt es nicht nur Jean-Luc Mélenchon, den charismatischen und streitbaren Frontmann der Linksaußen-Partei LFI, sondern auch den sozialdemokratischen EU-Abgeordneten Raphaël Glucksmann, ein absoluter Liebling der Medien.

Den Franzosen droht in der Wahlkampagne ein Kampf der Egos, bei der Ideen und Programme untergehen und der RN die Agenda setzt. Dabei steht eine Richtungsentscheidung bevor. Sie erfordert mehr denn je eine wirklich ernsthafte Debatte über die Werte, die Frankreich vertreten will.

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