Naher Osten RHEINPFALZ Plus Artikel Waffenruhe zwischen Israel und Libanon wackelt

Rauchschwaden am Rande der südlibanesischen Stadt Nabatieh: Der Waffenstillstand zwischen Israel und der Hisbollah ist fragil.
Rauchschwaden am Rande der südlibanesischen Stadt Nabatieh: Der Waffenstillstand zwischen Israel und der Hisbollah ist fragil.

Die Waffenruhe in Gaza und dem Libanon ist instabil. Die Hisbollah setzt Israel mit neuen Waffen zu. Ändern könnte das Donald Trump, doch der sitzt selbst in der Sackgasse.

Von einer Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon lässt sich kaum noch sprechen. Bei israelischen Luftangriffen am Wochenende starben laut dem libanesischen Gesundheitsministerium mindestens 13 Libanesen. Das israelische Militär forderte am Sonntag die Bewohner elf weiterer Ortschaften im Süden des Landes auf, ihre Dörfer zu räumen. Die proiranische Hisbollah schoss ihrerseits mehrfach Raketen und Drohnen auf israelische Soldaten im Libanon sowie auf israelisches Gebiet.

Das Vorgehen der israelischen Armee sorgt zudem für Kritik: Ähnlich wie im Gazastreifen werden Grenzgemeinden teils vollständig zerstört. Israels Verteidigungsminister Israel Katz spricht pauschal von „Terrorinfrastruktur“ und zählt dazu offenbar auch Orte wie ein beliebtes Ausflugsrestaurant südlich von Tyros, das jüngst kontrolliert gesprengt wurde. Trotz Warnungen durch Generalstabschef Eyal Zamir kommt es auch weiterhin zu Plünderungen verlassener Häuser durch Soldaten.

Christliche Einrichtungen wiederholt das Ziel

Immer wieder trifft es zudem christliche Einrichtungen, wie am Samstag ein katholisches Kloster im Dorf Jarun. Die Armee sprach von einem Hisbollah-Angriff aus dessen Nähe. Die französisch-katholische Hilfsorganisation L`Oeuvre d`Orient, zu deren Orden auch das Kloster zählt, sprach hingegen von Zerstörung mit dem Ziel, „die Rückkehr der Zivilbevölkerung zu verhindern.“

Israels Armee steht aber nicht nur in der öffentlichen Wahrnehmung unter Druck. Die Hisbollah setzt dem weit überlegenen Gegner auch militärisch zu. Jüngst nahmen Angriffe mit Quadrocopterdrohnen zu. Die mit einem dünnen Kabel gesteuerten Flugkörper kosten nur zwischen einigen hundert und 4000 Dollar und lassen sich schwer orten. Binnen einer Woche starben zwei Soldaten durch solche Drohnenangriffe. Bei einem weiteren Drohnenangriff kam ein Angestellter einer privaten israelischen Baufirma ums Leben, während er mit einem Bulldozer Häuser im Südlibanon abriss.

Hoffnungen ruhen auf US-Präsident Trump

Die am 16. April auf Druck der USA verkündete Waffenruhe ist damit de facto bereits Geschichte, sorgt aber noch für Kämpfe mit niedrigerer Intensität als zuvor.

US-Präsident Donald Trump sagte dem US-Nachrichtenportal Axios, er habe dem israelischen Regierungschef Netanjahu gesagt, er „soll es chirurgischer machen“. Ganze Gebäude zu zerstören, lasse „Israel schlecht aussehen“. Das Weiße Haus gibt sich hoffnungsvoll mit Blick auf Gespräche zwischen Israel und der libanesischen Regierung. Die aber hat kaum Macht über die Hisbollah, die Verhandlungen ablehnt. Die Waffenruhe läuft offiziell Mitte Mai aus.

Die Hoffnungen bei diesem doch etwas düsteren Ausblick liegen letztlich erneut bei US-Präsident Donald Trump. Der aber hat sich mit seinem Krieg gegen den Iran selbst in eine Sackgasse manövriert: Wenig deutet darauf hin, dass er in Verhandlungen mit Teheran mehr herausholen kann, als bereits das von ihm gekündigte Atomabkommen von 2015 vorsah.

Vor diesem Hintergrund häufen sich nun wieder die Drohungen aus dem Weißen Haus. Wie das Teheran zum Umdenken bewegen soll, ist unklar.

Dass eine Rückkehr zum Krieg im Iran auch die Kämpfe im Libanon und womöglich in Gaza weiter anfachen könnten, ist hingegen sehr wahrscheinlich.

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