Glosse RHEINPFALZ Plus Artikel Vogelgezwitscher zum Stressabbau: Der Kuckuck aus dem Kopfhörer

Amsel, Kuckuck (unser Bild) und vielleicht ein Rascheln im Unterholz helfen beim Entspannen.
Amsel, Kuckuck (unser Bild) und vielleicht ein Rascheln im Unterholz helfen beim Entspannen.

Keine Zeit für einen Spaziergang? Laut Studie kann schon eine Minute Waldgeräusch im Kopfhörer Stress senken.

Es gibt Nachrichten, die sind beruhigend. Und es gibt Nachrichten, die beruhigen sogar wissenschaftlich. Eine davon kommt jetzt aus Jena. Forscher haben herausgefunden: Wer Waldgeräusche hört, fühlt sich danach besser. Weniger Stress, bessere Konzentration, mehr Wohlbefinden. Eine Minute genügt!

Das ist eine gute Nachricht für alle, die zwar gern in den Wald gehen würden – aber gerade im Stau stehen, im Büro sitzen oder mit der Bahn fahren. Der Wald kommt jetzt einfach über Kopfhörer. Ein kurzer Ausflug ins Grüne, ganz ohne Wanderschuhe.

Vorstellungskraft reicht fürs Wohlbefinden

Die Forscher aus dem waldreichen Thüringen ließen 195 Studierende Tonaufnahmen hören: mal mit wenigen Tierstimmen, mal mit vielen, mal aus heimischen Wäldern, mal aus tropischen. Das Ergebnis ist eindeutig: Der Mensch entspannt sich am besten bei Geräuschen aus vertrauten Wäldern. Also bei Amsel, Kuckuck und vielleicht einem Rascheln im Unterholz.

Tropischer Regenwald dagegen wirkt offenbar weniger beruhigend. Vermutlich, weil die deutschen Durchschnittsstudierenden bei diesen Geräuschen nicht an Erholung denken, sondern an eine Fernsehdokumentation über giftige Tiere.

Interessant ist auch ein zweites Ergebnis der Studie: Entscheidend ist gar nicht unbedingt, wie viele Tierarten zu hören sind. Wichtig ist, was die Hörer glauben zu hören. Wer meint, viele Tiere zu hören, fühlt sich besser. Das ist eine bemerkenswerte Erkenntnis. Sie bedeutet: Für das Wohlbefinden reicht manchmal schon eine gute Vorstellungskraft.

Das Hämmern des Spechts

Damit eröffnet die Wissenschaft völlig neue Möglichkeiten der Stressbewältigung. Wer im Büro sitzt und sich über unnötige und unverständliche E-Mails ärgert, könnte künftig einfach kurz den „deutschen Wald“ einschalten. Eine Minute Vogelgezwitscher – und schon sinkt der Stresspegel merklich. Man könnte sogar noch weitergehen. Vielleicht genügt irgendwann schon das Hämmern eines Spechts, um einen kompletten Arbeitstag zu überstehen.

Natürlich ersetzten Kopfhörer keinen echten Spaziergang. Aber sie haben einen Vorteil: Im echten Wald gibt es Mücken. Und manchmal auch andere Menschen. Der Wald aus dem Smartphone dagegen ist immer freundlich. Die Vögel singen zuverlässig, der Wind rauscht dezent, und niemand fährt mit dem Mountainbike vorbei.

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