Merz-Wahl RHEINPFALZ Plus Artikel Trump-Regierung reagiert höchst unterkühlt auf Friedrich Merz

Die Sprecherin von US-Außenminister Marco Rubio gratulierte Friedrich Merz nur auf Nachfrage.
Die Sprecherin von US-Außenminister Marco Rubio gratulierte Friedrich Merz nur auf Nachfrage.

Bei einem anstehenden Telefonat mit dem US-Präsidenten muss sich der neue Bundeskanzler auf harte Kritik einstellen.

Die Pressekonferenz lief schon eine gute halbe Stunde, als sich Tammy Bruce, die Sprecherin des amerikanischen Außenministers Marco Rubio, auf Nachfrage doch noch zu einer Bemerkung durchrang: „Wir gratulieren Friedrich Merz zu seiner Wahl zum Bundeskanzler in Deutschland“, kommentierte Bruce denkbar knapp: „Wir werden weiter mit Deutschland und seiner nächsten Regierung für die Sicherheit der Vereinigten Staaten und Europas arbeiten.“

Zwei floskelhafte Sätze – das diplomatische Minimalprogramm. Dabei sollte es bleiben. Zuvor hatte es weder – wie in solchen Fällen üblich – eine schriftliche Erklärung des Weißen Hauses noch einen Post von Präsident Donald Trump zur Regierungsbildung in Berlin gegeben. Trump äußerte sich am Dienstag vor einer äußerlich überraschend freundlichen Begegnung mit dem neuen kanadischen Premierminister Mark Carney länglich vor den Kameras. Den neuen Kanzler erwähnte er nicht. Und als im State Department ein Reporter eine weitere Frage zu Merz stellen wollte, bürstete Bruce ihn ab: „Nein, das ist es für heute. Danke!“

„Wir werden offen miteinander reden“

Die unterkühlte Washingtoner Reaktion auf die Berliner Regierungsbildung und die Wahl von Merz zum Bundeskanzler ist kein Zufall. Seit den Attacken von Vizepräsident J.D. Vance wegen des angeblichen Demokratiedefizits und der öffentlichen Parteinahme von Regierungsberater Elon Musk für die AfD ist Deutschland zur beliebten Zielscheibe der Trump-Administration geworden. Außenminister Rubio hatte die Einstufung der AfD als gesichert rechtsextrem durch den Verfassungsschutz am vorigen Freitag als „verdeckte Tyrannei“ bezeichnet. Vance erklärte in einem Post bei X, die AfD sei die wichtigste Partei in Ostdeutschland. Der Westen habe die Berliner Mauer niedergerissen: „Nun wird sie vom deutschen Establishment wieder aufgebaut.“

Entsprechend heikel ist das erste Telefonat von Merz mit Trump, das nach Angaben der Bundesregierung für diesen Donnerstag geplant ist. „Wir werden offen miteinander reden“, hatte der CDU-Politiker am Dienstagabend im ZDF angekündigt. Zugleich verwahrte sich Merz gegen „absurde Betrachtungen der Bundesrepublik Deutschland“ und forderte die US-Regierung auf, „die Innenpolitik in Deutschland Innenpolitik sein zu lassen und sich aus parteipolitischen Betrachtungen weitgehend herauszuhalten“. Die Wahrscheinlichkeit, dass Trump dieser Bitte nachkommt, ist freilich gering.

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