Jemen RHEINPFALZ Plus Artikel Terrormiliz: Warum die Huthis ihre Angriffe wirklich einstellen

Die Huthis sind eine Rebellenbewegung aus dem Jemen.
Die Huthis sind eine Rebellenbewegung aus dem Jemen.

Erstmals seit zwei Jahren fahren Handelsschiffe wieder unbehelligt von Angriffen der Huthi-Rebellen durchs Rote Meer. Offizieller Grund ist die Feuerpause in Gaza.

Laut Experten wollen die Huthis aber vor allem durchatmen, nachdem sie bei israelischen Bombardements hochrangige Funktionäre verloren haben, sowie zivile und militärische Anlagen reparieren. Gefährlich bleiben die Huthis jedenfalls. Als Alternative zum geschwächten Partner Iran sondieren sie neue Bündnisse mit den Terrorgruppen Al-Schabab in Somalia und Al-Kaida.

Die Huthis hatten seit November 2023 die Schifffahrt im Roten Meer und später auch israelische Städte mit Raketen ins Visier genommen, um die Hamas im Gaza-Krieg gegen Israel zu unterstützen. Israel und die USA antworteten mit Luftangriffen auf das Huthi-Herrschaftsgebiet im Jemen. Die Huthi-Angriffe trafen rund 200 Schiffe. Vier davon sanken, acht Seeleute wurden getötet. Reedereien waren gezwungen, Schiffstransporte durch den Suez-Kanal zu meiden. Der UN-Sicherheitsrat forderte die Huthis jetzt offiziell auf, die Gewalt im Roten Meer zu beenden, doch seit Inkrafttreten der Gaza-Waffenruhe am 10. Oktober hat es ohnehin keine Angriffe mehr gegeben.

Brief bestätigt indirekt das Einstellen der Angriffe

Huthi-Generalstabschef Hassan al-Madani bestätigte den Gewaltverzicht in einem Brief an die Al-Kassem-Brigaden, den bewaffneten Flügel der Hamas. Dass die Angriffe eingestellt werden, ergibt sich nur indirekt aus dem Schreiben: Madani erklärt darin, dass der Beschuss auf Schiffe und Ziele in Israel weitergehen werde, wenn Israel in Gaza wieder angreifen sollte. Eine offizielle Erklärung der Huthis dazu gab es nicht: Die Rebellen, die große Teile des Jemen beherrschen, wollten offenbar vermeiden, dass ihr Beschluss als Zeichen der Schwäche ausgelegt wird.

Marius Bales vom Internationalen Zentrum für Konfliktforschung Bicc in Bonn sieht eine politische Botschaft in Madanis Brief. Das Schreiben sei der Versuch, den Beitrag der Huthis am Zustandekommen der Feuerpause in Gaza herauszustreichen, sagte Bales der „RHEINPFALZ“.

Das vorläufige Ende der Angriffe habe auch einen taktischen Aspekt, meint Bales. Die Huthis hätten nun „Zeit, sich am Boden neu zu organisieren“. Führende Mitglieder wie der Huthi-Ministerpräsident Ahmed al-Rahawi und Madanis Vorgänger als Stabschef, Muhammad Abdul Karim al-Ghamari, waren von Israel mit Luftschlägen getötet wurden. „In der Vergangenheit wurden Feuerpausen benutzt, um lokale Offensiven vorzubereiten und Arsenale zu füllen.“

Zudem soll zivile und militärische Infrastruktur repariert werden, die von Israelis und Amerikanern zerstört worden war. Dazu gehören Ölanlagen, die für die Einnahmen der Huthis wichtig sind. Eine Pause in den bewaffneten Konflikten ist den Huthis auch deshalb recht, weil schärfere Seekontrollen der USA die Lieferung von Waffen aus dem Iran stören.

Ob die Huthis die Angriffe auf Frachter im Roten Meer wieder aufnehmen, hängt aber nicht nur von der Lage in Gaza ab, wie es der Brief nahelegt. „Sie haben die Angriffe auf zivile Schifffahrt seit 2016 immer genutzt, um politische Zeichen zu setzen und Druckmittel in Verhandlungen zu schaffen“, sagt Bales.

Neue Angriffe der Huthis bleiben deshalb möglich. Die Rebellen seien zwar militärisch geschwächt worden, meint Bales. Gleichzeitig habe die Solidarität mit Gaza der Gruppe aber auch Tausende neue Kämpfer beschert. Zudem hatten die Huthis im Krieg gegen eine saudisch-geführte Allianz von 2015 bis 2022 bewiesen, dass sie militärisch kaum zu besiegen sind. „Sie müssen nicht um ihre Herrschaft fürchten.“

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